16 Wochen liegen zwischen meinem Bewerbungsgespräch als Flugbegleiter und meinem allerersten Flug für Lufthansa. All denjenigen, die ihren Auswahltermin vor sich haben, sei gesagt: Es kann alles ganz schnell gehen. Wie das bei mir war, und wie ich aus Wasser Wodka gemacht habe, erzähle ich Euch heute im Blog. 

Gestern erst, so kommt es mir jedenfalls vor, saß ich noch im Lufthansa Aviation Center, das hier alle nur LAC nennen, und habe versucht, die Fragen des Lufthansa-Psychologen zu beantworten. Was ich denn – angenommen ich bekäme den Job – machen würde, wenn ein Passagier mit seiner Tochter reist und die beiden keinen Sitzplatz nebeneinander gebucht haben, aber partout nebeneinander sitzen möchten.

Heute, nach meinen ersten beiden Flügen nach Indien und Japan, habe ich die Situation tatsächlich schon am eigenen Leib erlebt. Und das, was ich in meiner Nervosität im Bewerbungsgespräch erzählt hatte, habe ich jetzt direkt an Bord einer Boeing 747 angewendet.

Zwischen „gestern“ und „heute“ sind natürlich einige Wochen vergangen. Einige Wochen, die aber buchstäblich „wie im Flug“ an mir vorbei gegangen sind.

Zwei Flüge, das sind über tausend Passagiere, 31 neue Kollegen, elf Zeitzonen und vier Landungen. Und zwei Aufenthalte in Städten, in die ich privat niemals verreist wäre. Was echt schade gewesen wäre, denn Bangalore (Indien) und Osaka (Japan) haben jede auf ihre Art einen Charme, der inspirierend und bereichernd ist.

Buddha

Buddha in Lebensgröße: Statue in einer Tempelanlage in Bangalore (Indien).

Als ich meinen Freunden und meiner Familie im Frühjahr wie aus dem Nichts erzählt habe, dass ich mich als Flugbegleiter beworben habe, waren alle baff: Nichts in meinem bisherigen Lebenslauf hatte auf diese Entscheidung hingedeutet. Und außerdem, ein männlicher Flugbegleiter, ist das nicht eher selten? Die Erfahrung hat gezeigt: Wir Männer sind zwar unter den Lufthansa-Kollegen in der Minderzahl, aber keineswegs etwas ungewöhnliches. Und außerdem muss man nicht sein Leben lang davon geträumt haben, mal über den Wolken zu arbeiten. Eine Vielzahl von Kollegen studieren nebenher; von BWL über Psychologie bis hin zu Jura und Medizin ist jede Fachrichtung vertreten. Und heute warten selbst die größten Skeptiker meiner Entscheidung sehnsüchtig auf neue Geschichten aus aller Welt. Oder auch einfach auf exotische Süßigkeiten wie beispielsweise die grünen KitKats aus Japan mit Tee-Geschmack.

Mit dem Sanada unterwegs.

Zweites Layover in Osaka: Flugbegleiter Dimitri (l.) aus meinem Lehrgang und ich mit dem Sanada, einem Mitglied der Familie des japanischen Schwertadels.

Wenige Minuten vor dem ersten Take-Off

Bei meinem ersten Start hatte ich direkt eine voll besetzte Economy-Class und das Volk der Inder zu Gast, das als freundlich, aber auch anspruchsvoll und serviceorientiert gilt. Noch während des Abhebens kommt es mir vor wie ein unwirklicher Traum, dass ich nach nur sieben Wochen Lehrgang in Frankfurt tatsächlich auf dem Flugbegleiter-Sitz meiner 747-8 sitzen und in Richtung Bangalore, neun Stunden Flugzeit, abheben soll. Was kommt im Service-Ablauf nochmal als Erstes? Werden die heißen Tücher noch vor dem Aperitif-Service verteilt? Und was zur Hölle mache ich, wenn wir jetzt einen Startabbruch haben und alle 350 Passagiere innerhalb von 90 Sekunden evakuieren sollen?! Doch nach ein paar Momenten der Unruhe beruhige ich mich. Die Crew hat meinen Lehrgangs-Kollegen Dimitri und mich herzlich empfangen und begrüßt. Wir dürfen immer Fragen stellen und werden zu jedem Service mitgenommen – auch wenn wir schon bei unserem allerersten Flug eine richtige Arbeitsrolle haben. Eine richtige Arbeitsrolle, die natürlich auch die Getränke an Bord verteilt. Flug 2, auf dem Weg nach Japan. In der ersten Reihe der Economy-Class bestellt eine Japanerin mittleren Alters „Wodka“. Nun muss man dazu sagen, dass viele Japaner nicht das Lehrbuch-Englisch sprechen, das man uns in der Schule lehrt. Und dass ein Flugzeug naturgemäß eine sehr laute Umgebung hat. Und man entsprechend nicht immer alles auf Anhieb korrekt versteht. Das musste auch ich lernen, als die Japanerin über dem Wodka, den ich ihr eingeschenkt habe, die Nase rümpfte. Und ihn mir zurück gab mit den Worten „Water, Water!“ Das muss sie wohl auch schon die ganze Zeit gesagt haben. Sie hatte allerdings schon wieder ein Lächeln auf den Lippen, als ich sie beim nächsten Getränkeservice augenzwinkernd fragte: „Another Wodka for you?“

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Alte Tradition bei Lufthansa: Die Schwamm-Kette nach dem ersten gemeisterten Flug.