Ich erinnere mich noch ganz genau an den Tag, als ich zum ersten Mal meinen Koffer gepackt habe, mich zurechtgemacht habe und zum aller ersten Mal in meine Uniform geschlüpft bin, um auf einen echten und natürlich vollkommen realen Flug zu gehen.

Da mein erster Flug inzwischen aber doch schon über 3 Jahre zurückliegt, habe ich mir heute Unterstützung von Jakob geholt, um von einem „Neu-Flugbegleiter“ ganz frische Erlebnisse mit euch teilen zu können.

„Jakob, du hast deinen Lehrgang im November 2017 in Frankfurt begonnen. Nachdem du die Emergency, sowie die Service-Schulung erfolgreich absolviert hattest, durftest du das erste Mal in den Flieger steigen und ganz real und an der eignen Haut spüren, wie es sich anfühlt, Flugbegleiter zu sein, und wie es sich anfühlt, seinen Arbeitsplatz plötzlich über den Wolken zu haben.“

Jakob und Marie hatten sichtlich Spaß bei der Arbeit.

„Kannst du das Gefühl, das du empfunden hast, als du dich morgens zum ersten Mal mit deinem Koffer in Uniform auf dem Weg zu deinem allerersten Flugeinsatz gemacht hast in drei Worten beschreiben? Ich bekomme im Übrigen immer noch Gänsehaut, wenn ich an meinen ersten Flug denke.“

„Freude, ein wenig Aufregung und Stolz.“

„Ich weiß noch von mir selbst, wie nervös ich damals war. Die größte Nervosität löste bei mir komischerweise das Briefing aus. Was war es bei dir? Wovor hattest du am meisten „Angst“?“

„Um ehrlich zu sein, war ich gar nicht besonders aufgeregt oder nervös. Und auch das Briefing beruhigte mich eher, weil dabei in aller Ruhe noch mal alles besprochen wurde. Meine Flug-Partnerin Marie aus meinem Lehrgang und ich haben uns auch schon vorab mit den beiden Kollegen aus dem Purserteam getroffen und druften alle Fragen stellen. Natürlich lernt man vieles erst auf dem Flug, aber unsere Kolleginnen und Kollegen sind sehr hilfsbereit und beantworten geduldig alle Fragen, die man hat und zeigen einem auch Tricks und Kniffe, wie man sich die Arbeit erleichtern kann.“

Jakob in seiner neuen Rolle als Flugbegleiter.

Jakob in seiner neuen Rolle als Flugbegleiter.

„Und auf was hast du dich am meisten gefreut?“

„Am meisten habe ich mich gefreut, das Gelernte nun endlich in die Tat umzusetzen. In der Schulung haben wir zwar auch praktisch geübt, aber immer nur Ausschnitte aus dem Service und niemals einen gesamten Flugablauf. Und natürlich, dass man nach dem Service und der Landung irgendwo auf der Welt aussteigt und eben nicht den Lehrsaal in Frankfurt verlässt.“

„Ach so, jetzt aber erst mal noch: Wohin ging denn eigentlich dein erster Flug? Und welches Flugzeugmuster fliegst du denn eigentlich?“

„Philadelphia war meine erste Destination. Eine wirklich schöne Stadt, auf die ich mich auch ein zweites Mal freuen würde. Ich fliege den A330/340/350. Die Besonderheit an meinem Lehrgang war, dass wir im Frankfurter LATC ausgebildet und auch unsere Einweisungsflüge von Frankfurt hatten, aber in München stationiert sind. Deshalb haben wir kurz vor dem letzten Tag des Lehrgangs (dem Take-Off-day) noch die Zusatzschulung für den Airbus A350 in München bekommen, ein Flugzeug, auf das ich mich sehr freue, weil es ganz neu, innovativ und sehr leise ist.“ 

 

Auf dem Rückweg von Philadelphia durften die Zwei wir im Cockpit starten und hatten dabei einen fantastischen Blick auf New York City.

 

„Und wie haben die „alt eingesessenen“ Kollegen auf dich als „Neuling“ reagiert? Durftest du noch eine Art Welpenschutz genießen oder musstest du direkt voll mit anpacken?“

„Wir mussten natürlich direkt mit anpacken. Zwar waren wir auf dem ersten Flug in der Economy Class, aber ich musste direkt beim Getränkeservice nach der ersten Reihe eine Sektflasche öffnen (das macht man lieber in der Galley, da diese beim Start ordentlich durchgeschüttelt wurde und leicht überschäumen kann) und Zitrone und Eis gingen mir auch viel zu schnell aus. Dann hing ich meinem Kollegen im anderen Gang natürlich total hinterher, aber das war kein Problem, ich bekam Unterstützung von einem anderen Kollegen, der seine Vorbereitungen schon abgeschlossen hatte und so konnten wir schnell aufholen.“ 

„Bei mir war es damals so, dass wir immer zu zweit losgeschickt wurden. So wurden wir im Lehrgang vorher in so genannte Flugteams eingeteilt und jeder hatte somit einen Lehrgangspartner an der Hand, mit dem er auf seinen ersten bzw. auf die ersten drei Flugeinsätze geht.“

An dieser Stelle kurz zur Erklärung von mir: Damit sich die neuen Flugbegleiter an den Beruf über den Wolken gewöhnen können, muss man im Lehrgang drei sogenannte „Einweisungsflüge“ absolvieren. Dabei wird einem ein Einweisungspurser an die Hand gegeben, der die Crew als additional Crewmember ergänzt und somit keine Arbeitsposition hat, sondern seine volle Aufmerksamkeit den Neu-Flugbegleitern zuwenden kann. So weiß man als Frischling, dass immer jemand da ist, den man im Notfall fragen kann. Zusätzlich hat es aber auch den Sinn, dass der Einweisungspurser die neuen Flugbegleiter im Rahmen eines Feedbacks bewertet, um festzustellen, ob sie auch final auf Strecke geschickt werden können.

„Jetzt aber zurück zu dir, Jakob: Inzwischen hast du, soweit ich weiß, alle drei Einweisungsflüge hinter dir? Wie war der letzte Einweisungsflug im Vergleich zum allerersten? Was hast du im Verlauf der Flüge schon für dich mitnehmen können?“

„Ja genau, leider vergingen die Flüge und Layover viel zu schnell. Natürlich kennt man sich von Flug zu Flug besser aus. Das fängt damit an, dass man die Checklisten zügiger bearbeitet, weil man nicht so oft nach Gegenständen suchen muss. Aber auch beim Service geht es schneller, je öfter man den Prozess durchläuft. Eine sehr gute Konstante ist aber der Teamgeist bei Lufthansa. Alle Fragen sind immer willkommen und man wird nicht als der Neuling in die Ecke gestellt, der nur zuschaut und eh nichts kann, sondern gleich als vollwertiges Mitglied des Teams akzeptiert.“

„Gab es auf den Einweisungsflügen oder im Layover irgend etwas besonders Lustiges, das du mit uns teilen möchtest?“

„Weil alle so motiviert sind, wird natürlich in der Crew auch viel gelacht. Besonders amüsant fand ich aber die Verständigung mit unserem Taxifahrer in Qingdao in China. Leider konnte der Mann kein Englisch und wir haben uns mit einer Übersetzerapp, Händen und Füßen und Zeigen auf dem Stadtplan verständigt, was natürlich auch zu reichlichen Missverständnissen geführt hat. Aber was soll ich sagen, wir sind sehr gut ans Ziel gekommen.“ 

„So und zu guter Letzt: Hast du irgend etwas, was du Neubewerbern in drei Sätzen mit auf den Weg geben könntest?“

„Für Lufthansa steht Sicherheit an erster Stelle, daher solltet ihr pünktlich und gut vorbereitet zum Auswahltag erscheinen. An zweiter Stelle steht der Service – daher das Lächeln bei aller Aufregung nicht vergessen. Und auch Spaß ist wichtig, deshalb sollte eure Bewerbung und natürlich euer Verhalten im Gespräch auch zeigen, warum ihr motiviert für den Job seid.“

„Und wie geht es jetzt weiter bei dir? Wann dürfen wir dich offiziell auf Strecke begrüßen und weißt du schon, was dein erster Dienstplan an Destinationen für dich bereithält?“

„Ich musste mich nun leider von meiner Flug-Partnerin Marie aus den Einweisungsflügen verabschieden und für mich geht es nun am 09.03. nach Shanghai und México. Doch hoffe ich sehr, dass wir bald mal wieder einen Umlauf gemeinsam haben, was in München nicht unrealistisch ist, da die Basis etwas kleiner ist. Ich freue mich nun auf die neuen Kollegen, die Destinationen und natürlich die Gäste.“

„Vielen Dank für das Interview und wie man unter Fliegern sagt: Ich wünsche dir „Always many happy landings“, lieber Jakob!“

Bis bald!

Dani