Hallo zusammen,

mein Name ist Michael, ich bin 18 Jahre alt und befinde mich im 3. Ausbildungsjahr zum Fluggerätmechaniker, Fachrichtung Instandhaltungstechnik bei Lufthansa Technik in München.

Ich möchte euch heute erzählen, was ein Fluggerätmechaniker eigentlich so macht, wie die Ausbildung abläuft und was es mit diesen „Fachrichtungen“ auf sich hat.

LH A340-600 auf dem Vorfeld

LH A340-600 auf dem Vorfeld

Als Fluggerätmechaniker (FGM)  ist man bei Lufthansa Technik für die Herstellung, Wartung und Instandhaltung von Flugzeugen bzw. Flugzeugteilen verantwortlich. Man arbeitet in Werkstätten für bestimmte Teile wie Bremsen, Räder oder Triebwerke im Hangar, in dem die Checks an den Flugzeugen durchgeführt werden, sowie direkt auf dem Flughafenvorfeld.

Die Ausbildung dauert 3,5 Jahre und ist von Anfang an voller Praxis. FGM aller Fachrichtungen haben eines gemeinsam: Alle beginnen im 1. Lehrjahr in der Lehrwerkstatt. Hier heißt es erst mal bohren, feilen und nieten was das Zeug hält, aber auch löten und verdrahten von Schaltungen ist angesagt. Jetzt wird sich sicherlich jemand fragen: „Was hat das jetzt mit Flugzeugen zu tun?“ Nun, alles was wir in der Lehrwerkstatt machen, von Bohr- und Sägeübungen bis hin zu Flugzeugstrukturen und elektronischen Schaltungen nach Herstellerunterlagen, wird mit den original Materialien, welche auch am Flugzeug verwendet werden, hergestellt.

Zu Beginn des 2. Lehrjahres kommen nun die Fachrichtungen ins Spiel. Den FGM gibt es in drei verschiedenen Fachrichtungen:

Instandhaltungstechnik: Hier liegt der Schwerpunkt auf der Wartung. Das Flugzeug steht am Gate und etwas funktioniert nicht wie es soll oder das Flugzeug ist für einen geplanten Check im Hangar. Häufige Aufgaben gehen vom Tausch von defekten Kaffeemaschinen, über Rad- und Bremsenwechsel bis hin zum Wechsel von Triebwerken.

Fertigungstechnik: In dieser Fachrichtung behebt man vor allem Strukturschäden, repariert und fertigt die Ersatzteile für Leitwerke, Tragflächen und Rumpf und lernt jeden Handgriff beim Einbau von Landeklappen, Türen und vielem mehr kennen.

Triebwerkstechnik: Für das Herz des Flugzeugs, das Triebwerk, gibt es eine eigene Fachrichtung. Hier werden Triebwerke in ihre Einzelteile zerlegt. Es gibt verschiedene Werkstätte, die für die Reparatur,  Reinigung oder auch Rissprüfung von Bauteilen zuständig sind. Natürlich muss am Ende auch wieder alles zusammengebaut und am Triebwerksprüfstand getestet werden.

A321 aufgebockt zum Fahrwerkswechsel

A321 aufgebockt zum Fahrwerkswechsel

Für mich hat das 2. Lehrjahr mit einem Kurs für technisches Englisch begonnen. Natürlich sollte man schon gewisse Englischkenntnisse aus der Schule mitbringen, aber alles was man können muss, lernt man in diesem Kurs. Auch für FGM gibt es ein Wörterbuch, falls man mal etwas nachschlagen muss. Also keine Sorge! Man lernt ja auch in der Berufsschule.

Weiter ging es dann mit den Systemlehrgängen. Nach 1,5 Jahren war es so weit, wir durften ans Flugzeug. Mit unserem Ausbilder haben wir uns jede Woche ein bestimmtes Flugzeugsystem ausgesucht, welches wir uns genauer angeschaut haben. Es ging los mit vermeintlich einfachen Sachen wie dem Öffnen von Passagier- und Cargo Türen eines Airbus A340-600, was sich bei deren Größe aber schnell zu einer größeren Herausforderung machte.

In über einem halben Jahr haben wir so die die wichtigsten Dinge über die Flugzeugsysteme wie z.B. Hydraulik, Pneumatik, Klimaanlage, Fahrwerk oder auch Triebwerk gelernt und bereits kleinere Arbeiten wie Öle auffüllen, Rad- und Bremsenwechsel durchgeführt. Hierbei stand uns unser Ausbilder immer mit Tipps zur Seite. Das Highlight in dieser Zeit war das Vorbereiten eines Triebwerks für den Einbau in das Flugzeug.

Triebwerk eines A340-600 in seiner Transportverpackung

Triebwerk eines A340-600 in seiner Transportverpackung

Seit April befinde ich mich jetzt in den Wartungsschichtgruppen der Kurzstrecke. Nachdem man die Lehrgänge absolviert hat, ist es an der Zeit erste praktische Routinen aufzubauen. Man wird Lehrgesellen zugeteilt, mit denen man ein halbes Jahr zusammenarbeitet. Seit diesem Zeitpunkt geht es auch von der „gemütlichen“ 7.30 – 16.15 Uhr Ausbildung in das reguläre Schichtsystem mit Früh-, Spät- und Nachtdienst.

Beim nächsten Mal erzähle ich euch dann was man in den verschiedenen Schichten auf dem Vorfeld und im Hangar so macht und was man bei Flugzeugen beachten muss, wenn es Winter wird. Vielleicht habt ihr ja da schon Vorstellungen?

 

Euer Michael