Guten Morgen zusammen aus Goodyear!

Im letzten Blogeintrag hat euch Felix ein wenig über die Flugplanung für die Cross-Country Flüge der zweiten Phase vorgestellt. Mittlerweile haben alle den Checkflug für diese Phase bestanden und konnten mit dem nächsten Ausbildungsabschnitt beginnen. Der Fokus lag bei den bisherigen Überlandfügen auf der Navigation mit Flightlog, Karte und Stoppuhr. Dabei wurden immer wieder verschiedene Flughäfen auf kurzen Distanzen angeflogen, um An- und Abflüge zu trainieren und die „Radio Skills“, sprich das Funken mit dem Tower zu verbessern. Sobald man kurz seine Reiseflughöhe erreicht hatte und die Aussicht und kühleren Temperaturen genießen konnte, wartete der Fluglehrer auch schon mit dem nächsten Engine Failure darauf den ausgearbeiteten Plan zu zerstören.

In meinem Blogeintrag möchte ich euch ein paar Einblicke in die dritte, wohl abwechslungsreichste, Flugphase geben. In Vorbereitung auf unsere längeren Soloüberlandflüge unternehmen wir auch Flüge zu weiter entfernten Flughäfen wie Las Vegas Nord oder Palm Springs.

Anflug auf Palm Springs

 

Die meisten konnten es kaum erwarten, zu weiter entfernten Zielen zu fliegen um etwas Abwechslung in unsere fliegerische Ausbildung zu bringen. Es ist außerdem sehr eindrucksvoll, eine Strecke im Flugzeug in ca. zwei Stunden zurückzulegen, für welche wir im Auto knapp fünf Stunden gebraucht haben. Da die Strecken sehr groß sind, blieben wir hier von Motorausfällen und anderen simulierten Notfällen verschont, da die Zeit ansonsten nicht ausreichen würde. So konnten wir endlich auch einmal die Chance nutzen, eine relativ hohe Reiseflughöhe von 10500 Fuß (ca. 3000m) zu wählen. Als Nichtraucher kann man dabei den tollen Ausblick und die kühleren Temperaturen genießen, für die Raucher unter uns wird die Luft hier schon deutlich dünner, zumindest berichtete uns dies unser Fluglehrer 😉.

Während des Reisefluges stehen wir in ständigem Kontakt mit der Flugüberwachung, welche uns auf anderen Verkehr hinweist, über den aktuellen Luftdruck und Wetter informiert und uns gegen Ende des Fluges an die zuständigen Controller des jeweiligen Flughafenbereichs übergibt. Während der etwas längeren Legs bleibt auch Zeit, um die Funktionen des Autopiloten etwas genauer kennen zu lernen. Dieser kann nicht nur einfache Funktionen wie das Halten des Kurses und der Höhe übernehmen, sondern es können auch komplette Routen via GPS abgeflogen werden, was anfangs sehr spannend ist zu sehen, jedoch macht das Fliegen von Hand deutlich mehr Spaß!

Gegen Ende des Fluges wird man vom sogenannten Center Lotsen an Approach übergeben. Dieser ATC Bereich kümmert sich um den anfliegenden Verkehr eines Flughafens. Ab hier beginnt wieder eine etwas stressigere aber auch sehr spannende und fordernde Phase des Fluges: die Anflugvorbereitung. Mit den Worten: „Cirrus 832EF, cleared to enter (airspace) Bravo” ist die Anflugplanung, welche man sich tags zuvor überlegt hat, wieder verworfen. Ab hier wird die Navigation durch den Controller übernommen, welcher für die notwendige Separierung aller sich im Luftraum befindenden Flugzeuge zuständig ist. Nach mehreren Kurswechseln wegen an- und abfliegendem Verkehr, wird man an den Towercontroller übergeben and „Cirrus 832EF you are cleared to land runway 12R“.

Las Vegas International

Am Boden angekommen ist man schon etwas stolz darauf, das erste Mal auf einem etwas größeren Flughafen gelandet zu sein. In den Pausen bleibt genug Zeit um etwas Essen zu gehen oder sich in einem der Pools des FBO’s abzukühlen, bevor der zweite Flugschüler den Rückflug antritt.

Palm Springs – Erfrischung in der Pilot Lounge

Sonnenuntergang in Goodyear

Angekommen in Goodyear bleibt noch kurz Zeit einen der traumhaften Sonnenuntergänge zu betrachten, bevor es ins Debriefing für den Tag geht und der Flug am nächsten Tag vorbereitet werden muss. Kein Flugtag ist hier wie der andere, zwischen all den Impressionen und Herausforderungen rückt das große Ziel, eines Tages einen Arbeitsplatz im Airline Cockpit zu erhalten, näher.

Für die Abwechslung in der dritten Phase sorgten nicht nur die Streckenflüge zu unbekannten Destinationen. Auch die ersten Nachtflüge stehen nun auf dem Programm, welche schon mit besonderer Vorfreude erwartet wurden. – Was ist das wohl für ein Gefühl von Hand in der Dunkelheit zu fliegen ? – fragten wir uns, bevor wir das erste Mal nach Sonnenuntergang in ein Cockpit stiegen. Die ersten Eindrücke sind anders als erwartet, selbst simple Dinge wie das Ausfüllen des Flightlogs oder das Lesen der Checklisten können im Dunkeln schon zur Herausforderung werden. Nach kurzer Zeit hat man sich allerdings so organisiert, dass auch dies kein Problem mehr darstellt und der Weg frei ist für den Start. Und los geht es in die Dunkelheit.

Die Lichter der Startbahn verschwinden langsam hinter dem Flugzeug und man taucht ein in ein schwarzes Meer. Zunächst ist es ein etwas seltsames Gefühl, praktisch ohne Außenreferenz nach seinen Instrumenten zu fliegen. Nach der ersten Kurve Richtung Stadt allerdings zeigt sich das große Lichtermeer von Phoenix, was wirklich sehr beeindruckend aussieht. Zwischen all dem Staunen sollte man jedoch nicht vergessen, das Flugzeug zu fliegen. Gerade bei Nachtflügen ist das akkurate Fliegen nach seinem erarbeiteten Flugplan unerlässlich, da die umliegenden Berge nur noch als dunkler Schatten aus nächster Nähe wahrgenommen werden.

Felix am Steuer

Phoenix bei Nacht

Nach einiger Zeit in der Luft beginnen die ersten Anflüge auf einen Flughafen. Durch mehrmaliges Drücken der Funktaste kann die Pistenbeleuchtung aus der Ferne eingeschaltet werden. Ist man mitten im Platzrundenbetrieb kann es auch schonmal passieren, dass im kurzen Endanflug die Pistenbefeuerung ausgeht und alles schwarz wird. Generell ist das Fluggefühl in der Nacht etwas anders als tagsüber. Die Luft ist wirklich ruhig trotz relativ hoher Windgeschwindigkeiten von 20 Knoten, was auch der umliegenden Gewitter geschuldet war. Ist man dann im Anflug auf die Piste, hat man den Eindruck auf ein schwarzes Becken mit Lichtern anzufliegen. Erst kurz über dem Boden wird die Piste durch die Landescheinwerfer des Flugzeuges beleuchtet, wodurch die Illusion entsteht niedriger zu sein, als man es wirklich ist. Dadurch wurden die ersten Landungen etwas härter als gewohnt, aber auch darin konnten wir uns schnell verbessern.

Anflug auf Goodyear bei Nacht

Mir persönlich haben die Nachtflüge bisher am meisten Spaß gemacht. Die unvergleichbar ruhige Luft und das Lichtermeer der Stadt bieten ein einzigartiges Flugerlebnis!

Das soll es von mir heute für euch gewesen sein.

Im nächsten Blogeintrag berichtet euch Marco von seinen Upset-Recovery Missionen. Um was es dabei genau geht, wird er euch dann erklären – Ihr dürft gespannt sein!

Bis dahin,

viele Grüße aus Goodyear und bis bald!

Mario