Hallo Zusammen,

schon am Anfang des Jahres 2016 habe ich beruflich wieder einiges erlebt und will euch dies natürlich nicht vorenthalten und Einblicke in den Alltag eines Technik-Azubis bei Lufthansa geben.

Wie ich in meinem Artikel Fascination aéronautique – über den Tellerrand blicken angekündigt habe, berichte ich in diesem Beitrag über meine Erfahrungen bei dem dreiwöchigen Einsatz in Bordeaux (Frankreich). Außerdem möchte ich einen Aspekt meiner Arbeit als Fluggerätelektroniker, die Kabinenwartung, bei Lufthansa Technik beschreiben.

Deutschland -Frankfurt am Main – Flughafen Vorfeld Nord

Vorfeld im Norden des FlughafensAuf einer Vorfeldposition erreichten wir mit unserem Fahrzeug eine Boeing 747-8, welche in den nächsten Stunden den Flug nach Miami antreten sollte. Nachdem die Stromversorgung vom Flughafennetz an die Maschine angeschlossen und die Treppen herangefahren wurden, betraten wir den Jet. Während einige Kollegen das Flugzeug einschalteten, um die Kabine mit Elektrizität zu versorgen, schaute ich mit meinem Vorarbeiter in das CLB (Cabin log book) und TLB (Technical log book). Der erste Blick wandert immer in das TLB. Es enthält alle Fehlermeldungen der Systeme, die das Flugpersonal während der vorangehenden Flüge festgestellt haben könnte sowie dringend zu erledigende Arbeiten in der Kabine. Das CLB hingegen zeigt Beschädigungen oder Fehler in der Kabine, die aber die Flugsicherheit nicht unmittelbar beeinträchtigen.

Wir stellten fest, dass keine sicherheitsgefährdenden Beanstandungen niedergeschrieben wurden, es waren jedoch kleinere Reparaturen auszuführen. Während Kollegen den Routinecheck durchführten, welcher aus Funktions- und Sicherheitsprüfung der Kabinenausrüstung besteht, kümmerte ich mich um die Premium Economy.

Fixieren der Media-ArmaturenDort haben sich die Befestigungen der Media-Armaturen an einigen der Sitzlehnen gelockert. Vorsichtig fixierte ich diese wieder mit einem Schraubendreher, da das sensible Leder der Lehne nicht beschädigt werden durfte.

Danach drehte ich noch einmal eine Runde mit meinem Vorarbeiter durch die Maschine. Wir achteten auf Verschmutzungen und offensichtliche Schäden, da wir dem Passagier ein sicheres und komfortables Fluggerät zur Verfügung stellen wollen.

 

Deutschland – Frankfurt am Main Flughafen Tor 23 Lufthansa Technik Halle 6

Ein Airbus A340-300 rollte in die Hallen der Kurz- und Mittelstrecke. Im Vorfeld wurde uns beim Briefing schon mitgeteilt, dass die Flugbegleiter des letzten Fluges der Maschine beanstandet hatten, dass der Verschließungsmechanismus einer Tür nicht bis zum Anschlag geschlossen werden konnte. Während des Fluges steht dieser immer auf „Flight“, was bedeutet, dass die Tür beim Öffnen im Notfall aufspringt, die Notrutsche aus dem Kabineninneren fällt und sich aufbläst. Will man die Tür jedoch regulär öffnen, um Passagiere und Fracht aufzunehmen oder zu entladen, muss der Hebel auf „Park“ gesetzt werden. Das bedeutet, dass sich mittels eines Mechanismus die Rutsche mit der Tür fest verbindet und ein Aufblasen dieser verhindert.

Airbus A340-300 der LufthansaAls wir den Airbus betraten und die vordere, in Flugrichtung rechte Tür erreichten, konnte man schon erkennen, dass sich der Hebel nicht ganz in der gewünschten Postion befand.

Ich begann mit dem entfernen der Abdeckungen der Notrutsche, damit wir uns den Mechanismus der Rutschen-Aufhängung genauer ansehen konnten. Zu nächst ist wichtig, sich die richtigen Unterlagen des Herstellers zu besorgen, da es in der Luftfahrt vorgeschrieben ist nie ohne gültige Dokumentation zu arbeiten. Eine grafische Darstellung zeigte uns den Aufbau der Konstruktion und schnell fanden wir den Fehler. Eine Schiene zum Einrasten eines Stiftes zwischen Kabinentür und Notrutsche hatte sich etwas gelöst. Wie es im Manuel (Arbeitspapier/Handbuch) beschrieben ist, fixierten wir diese wieder.

Fehlerhafte Hebelstellung - Tür Gesperrt

Vorher

Hebel wieder in gewünschter Position - Tür kann wieder betrieben werden

Nachher

Nun ließ sich der Hebel vollständig einrasten. Anschließend setzte ich den Hebel noch 3-4 mal von „Flight“ auf „Park“ und zurück, um sicher zu gehen, dass die Schiene fest verankert ist.

 

Frankreich Bordeaux Martignas

Nach einer 8 stündigen Fahrt mit dem Zug war ich mit meinem Kollegen Niklas in Bordeaux/Martignas angekommen. Uns wurde ein schönes Apartment in der Nähe der Firma zur Verfügung gestellt, in dem wir für 3 Wochen lebten.

 

Frankreich Bordeaux Martignas Dassault Aviation

Niklas und Ich bei Dassault Aviation Martigans

Dassault Aviation Martignas hieß mein Arbeitsplatz für die folgenden Wochen. Diese Firma ist spezialisiert auf die Produktion der Raphal und Falcon Tragflächen. Ich wurde einem französischem Vorarbeiter zugeteilt, der mir jeden Arbeitsablauf in bestem Englisch erklärte und mich natürlich einwies auch selbstständig Arbeiten zu erledigen. Die Hauptaufgabe der Abteilung, in der ich mich befand, war die Einstellung und Justierung der Slats (Vorflügel) am vorderen Teil der Tragfläche, der Falcon 900 und 2000 Jets. Diese sorgen bei Start und Landung gemeinsam mit den Flaps für größeren Auftrieb bei langsamerer Geschwindigkeit.

Falcon 900, 2000Raphal und Falcon Jets

 

Frankreich Bordeaux Merignac Aeroport Dassault Aviation

In der ersten Woche hatte ich das Glück mit meinem Vorarbeiter in die Endfertigungshallen der Falcon 900 und 2000 am Merignac Airport zu fahren. Dort werden Tragflächen, Rumpf und Fahrwerk zusammengeführt und endverarbeitet. Unsere Aufgabe war es die Slats auszutauschen, da es zu Vibrationen bei Testflügen gekommen war. Um den Vorflügel nach dem Wiederanbringen zu Testen, stieg ich in das Cockpit und betätigte die Klappensteuerung drei mal, um sicher zu gehen, dass sich das Bauteil nicht ungewollt verschiebt.

 

Frankreich Bordeaux Martignas Dassault Aviation

Entfernen der PanelsWieder zurück in Martignas arbeiteten wir an einer neuen Tragfläche weiter. Um den beweglichen Aktuator für das Ausfahren der Landeklappen zu bearbeiten und auszurichten, entfernte ich die Panels an der Vorderkante. Dann wurde der Slat herangetragen. Aber bevor dieser installiert wurde, führte ich noch einmal Messungen an Verbindungsbautelen mittels eines Messschiebers durch.

Messen der Slat-BauteileDies ist wichtig, damit das Ein- und Ausfahren später reibungslos von statten geht. Zu dritt setzten wir nun die Klappe an die Tragfläche und fixierten diese mit Bolzen. Nachdem wir mittels Messungen den Vorflügel justiert hatten, testeten wir die Funktion, indem wir mit Hilfe einer Handpumpe diesen drei mal ein und wieder ausfuhren. Die Aktuatoren werden mittels Hydraulikdruck angesteuert.

Da diese Prozedur reibungslos lief, war der Flügel nun bereit zur Verlegung auf einen Schwerlasttransporter. Mit einem riesigen Kran und Seilen hielten wir das tonnenschwere Bauteil in der gewünschten Position und hievten es auf den LKW.

Nach getaner Arbeit gab es jeden Tag unwahrscheinlich gutes Essen und das Highlight der Woche war donnerstags das French Fries Menü mit einem Glas Rotwein.

 

Frankreich Bordeaux City

An den Wochenenden hatten wir Zeit, um die Lebensart und Sehenswürdigkeiten der südlich liegenden Stadt zu entdecken. Von der Pont de Pierre bis zur Rue Sante-Catherine haben wir die Altstadt besichtigt. An manchen Abenden hatten wir uns auch ein Essen an der Garonne, dem Fluss, der mitten durch Bordeaux führt, gegönnt.

Pont de pierreRue Saint-Catherine

 

Frankreich Bordeaux Chateau Pape Clement

Am zweiten Wochenende bei unserem Aufenthalt, wurde uns eine Führung durch das in Frankreich sehr bekannte und geschätzte Chateau Pape Clement ermöglicht. Man führte uns über das riesige Anwesen. Im Schloss des Weinguts begutachteten wir den Weinkeller, in dem sich Weine, die Jahrzehnte alt waren, befanden. Die Herstellung und das Entstehen der besonderen Aromen der Weine, wurde uns in den Hallen mit großen Barriquefässern gezeigt.

Hauptgebäude des SchlossesBarriquefasslagerung

Besichtigung der Anlage mit Kollgegen

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Ich hatte einen aufregenden Start ins Jahr und habe viele Eindrücke und Erfahrungen gesammelt. Als Fazit des Frankreichaufenthaltes kann ich nur sagen, dass ich begeistert von der Stadt und den Firmen dort war. Ich habe viele neue Freunde kennengelernt und der Zusammenhalt unter uns Kollegen wurde noch einmal gefestigt. Da die Firma Daussault, wie ihr vielleicht schon bemerkt habt, ein Quereinsteiger in diesem Projekt war, wusste ich nicht, was mich dort erwartet. Aber die Arbeitsatmosphäre und Aufgaben dort waren hervorragend.

Im April schreibe ich die Abschlussprüfung Teil 1, auf welche ich mich schon intensiv vorbereite und im September geht es wieder nach Bordeaux, um in der Firma Sabena technics zu arbeiten.

Ich freue mich auf die nächste Chance dort mein Wissen zu erweitern und werde euch auch hiervon berichten.

Wenn ihr Interesse an einem Job in der Luftfahrt mit viel Abwechslung und einem aufregenden Alltag habt, schaut doch mal auf www.be-lufthansa.de vorbei.

Á bientôt!

Euer Tobi