Hallo ihr Lieben!

Heute werde ich euch mit in meine Vergangenheit und meine Anfänge in der Fliegerei entführen. Anschließend werde ich mich meinen Zukunftsoptionen widmen.

Wie ihr von meinem ersten Beitrag (https://blog.be-lufthansa.com/flugbegleiter-bei-germanwings-eine-spannende-reise-nicht-nur-durch-europa/) wisst, begann meine Laufbahn bereits 2008 mit dem Auswahlverfahren zum Piloten bei Lufthansa.

Von 2010 bis 2012 war ich bei Lufthansa als Service Agent für die Check-in und Gate Abfertigung im Auftrag der germanwings zuständig. Nach Ablauf meines Vertrags begann ich als Ramp Agent, um im Anschluss zum Dispatcher geschult zu werden.

Wie unterscheiden sich die Tätigkeiten vom Flugbegleiterdasein und weshalb habe ich mich dafür entschieden? 

Check-in Agent

An unserem ersten Schulungstag sollten wir für den Check-in folgenden Satz verinnerlichen:
„Wir sehen jeden Gast im Schnitt vierzig Sekunden, dann ist er weg. Da oben haben sie ihn dann für zwei Stunden.“ Ein salopp formulierter Satz, in dem aber tatsächlich ganz viel Wahrheit steckt.

Der Check-in Mitarbeiter war in der klassischen Fliegerei der erste Mitarbeiter, dem der Passagier begegnete und somit eine Art Aushängeschild der Fluggesellschaft. Der erste Eindruck entschied oftmals über den restlichen Verlauf der Reise. Wir hatten nicht viel Zeit, um auf den Kunden einzugehen und diesen ersten Eindruck zu vermitteln. Hier ist es wichtig, schnell, präzise und kundenorientiert auf den Gast einzugehen.

Der geringen Zeit stehen am Check-in die Vorteile der zahlreichen Alternativen entgegen. So ergibt sich ein großer Handlungsspielraum, den Passagier zu anderen qualifizierten Anlaufstellen zu leiten. Ticket- und Serviceschalter, Bundespolizei, Zoll und medizinische Einrichtungen sind nur einige davon. Diese Möglichkeiten entfallen in der Luft natürlich, dort ist das Gegenteil eher der Fall. Wir haben – medizinische Notfälle ausgenommen – viel mehr Zeit, um auf den Passagier einzugehen, allerdings können wir nicht mal eben rechts ranfahren, um Lösungen für Probleme zu finden. Daher liegt der Fokus des Flugbegleiters mehr auf Verfahren und einem breiten Wissen.

Heute, zu Zeiten des Online Check-in, kann es gut sein, dass der Flugbegleiter der erste Mitarbeiter ist, dem der Gast begegnet. Zum Nachteil kann werden, dass Vorinformationen über den Gast ausbleiben.

  • Benötigt der Gast besondere Betreuung?
  • Macht der Gast einen gesunden Eindruck?
  • Ist der Gast angetrunken oder unter dem Einfluss bewusstseinsbeeinträchtigenden Substanzen?
  • Hatte der Gast eventuell eine negative Erfahrung an der Sicherheitskontrolle und kommt deshalb so verärgert an Bord?

So schafft der Flugbegleiter den ersten Eindruck und benötigt sowohl ein hohes Maß an Empathie als auch analytische Fähigkeiten, um anhand von Informationsfetzen schnelle Lösungen zu finden.

Ramp Agent

Der Ramp Agent bildet die Schnittstelle zwischen Bodenabfertigung und der Flugzeugbesatzung. Er koordiniert die Bodendienste, die Beladung und das Boarding in Absprache mit den Crews. Er kann auch weitere Aufgaben wie Crewfahrten und das Zurückstoßen von Flugzeugen übernehmen und steht stets unter hohem Zeitdruck. Kaum einer hat einen so tiefen Einblick in die Abläufe um den Flieger und den Check-in zugleich. Die Schlussfolgerung liegt nahe: Wenn jeder weiß, was der andere tut, dann fertigt sich so ein Flugzeug von ganz alleine ab. Dieser Weitblick ist in Kombination mit den richtigen Soft Skills für einen reibungslosen Ablauf unbezahlbar.

Der Dispatcher

Als Dispatcher habe ich dem Ramp Agent und den Crews vom Büro aus zugearbeitet. Das Bestellen von Bodendiensten, die Routen- und Kraftstoffplanung, das Einholen von Freigaben und Wetterbedingungen werden zu Briefingpaketen gebündelt und via Ramp Agent an die zuständige Crew übermittelt.

Flugplanung

Flugplanung

Wetterkarte Europa

Wetterkarte Europa

Warum wollte ich nach all den spannenden Erfahrungen überhaupt Flugbegleiter werden?

Haltet mich für verrückt, aber in der Luftfahrt hat jedes Flugzeug seinen eigenen Namen, bestehend aus den zwei letzten Buchstaben der Flugzeugkennung. So heißt z.B. die Maschine mit der Kennung D-AGWI kurz „Whisky India“. Jedes Flugzeug, wenn auch vom selben Typen, hat seine Besonderheiten und so geht man mit seinem Arbeitsgerät eine gewisse Verbindung ein. Mir fehlten im Büro schlicht und ergreifend meine Flieger.

DSC_0498

Dämmerung über London

Ein Bisschen Spaß muss sein :)

Danke an Fotograf Jannis Neunecker

Zitat von Kapitän Rasmussen SAS (1991), einer meiner Helden und großen Vorbilder:
Als ich meine Schultergurte anlegte, verband ich mich mich mit meinem Flugzeug. Ich trug es wie einen Rucksack durch die ganze Welt. Wir waren ein unzertrennliches Team.“
https://en.wikipedia.org/wiki/Stefan_G._Rasmussen

Ein Ausblick in die Zukunft

Eine meiner Eigenschaften ist es, nie stehen zu bleiben und in die Zukunft zu blicken. So geht es auch vielen meiner Kollegen. Wir haben viele Studenten in unseren Reihen. Manche wollten sich zwischen Bachelor und Master einen Kindheitstraum erfüllen, andere studieren neben dem Job, so auch ich. Über eine Fernuniversität habe ich ein Psychologiestudium begonnen. Um eine optimale Balance zwischen Arbeitsplatz, Studium und Freizeit zu schaffen, bietet germanwings dem Bestandspersonal verschiedene Teilzeitmodelle. Über unser Request System kann ich für jeden Monat meine freien Tage auf Univeranstaltungen legen. Bisher hat auch alles so geklappt, wie ich es beantragt habe. Sollte eine Anfrage einmal nicht erfüllbar sein, so hat natürlich der Dienst Vorrang und man muss seine Veranstaltungen umorganisieren. Zum ersten Mal gibt es nun auch für Studierende die Möglichkeit, während der vorlesungsfreien Zeit zu fliegen. Mehr Informationen dazu unter https://www.career.aero/germanwings-cabin/de/job/show/id/2127.

Ein Nebenstudium stellt eine Herausforderung dar, nicht nur in der Fliegerei! Ich sehe in unseren Dienstplänen jedoch eine große Chance. Insgesamt habe ich mehr Freizeit als in meinen früheren Jobs. Früh- und Spätdienste kann ich mir oft nach meinem Biorhythmus legen und meine Performance optimieren. Neben einigen längeren Arbeitstagen gibt es ausreichend 5- oder 6-Stundentage, an denen man sich hinterher noch produktiv hinsetzen kann. Mein Ziel ist es, eines Tages in die Flugunfalluntersuchung oder in den Bereich Ausbildung/Training/Kommunikation zu wechseln.

Vorschau

Im nächsten Beitrag nehme ich euch einen Tag mit an Bord. Ich freue mich!

Euer Jeremy