Hallo meine Lieben,

hiermit melde ich mich zum letzten Mal bei Euch und berichte von meinen letzten Wochen als Azubi.

In den letzten Wochen ist sehr viel passiert. Aber fange ich doch einfach mal von vorne an:

Ich habe mich dazu entschlossen, früh auszulernen und meine Abschlussprüfung vorzuziehen. Früh auslernen kann jeder Azubi, der gute Leistungen bringt und stets gute Noten in der Berufsschule schreibt. Nach Ausfüllen der ganzen Anträge und Formulare stand es dann endlich fest, dass ich ab dem 1. Juli 2016 offiziell kein Azubi mehr sein werde und das ist schon sehr bald. Komisches Gefühl!

Ich fange gerade an, Vieles zum letzten Mal in der Ausbildung zu erleben und zu machen, wie zum Beispiel die ganzen Lehrgänge. Zurzeit habe ich meinen letzten Elektroniklehrgang, in dem es unter anderem um Navigation, Kommunikation und Cockpitinstrumente geht. Hierbei lernen wir die verschiedenen Instrumente und deren Funktion kennen. Damit verstehe ich das gesamte System Flugzeug immer mehr und fühle mich dadurch sehr gut vorbereitet, um nach meiner Ausbildung alles Erlernte in die Tat umzusetzen. Auch bin ich momentan dabei meine letzten Ausbildungs- und Tätigkeitsnachweise (Berichtsheft) zu schreiben, was für mich ein sehr komisches Gefühl ist. Was mir aber ein viel konfuseres Gefühl macht ist, dass ich mich auch von Mit- Azubis, die mit mir früh auslernen, verabschieden muss, da sie zum Teil das Land und auch den Standort wechseln und somit nicht mehr in Frankfurt am Main arbeiten werden. Diese drei Jahre der Ausbildung hat uns zu einem super Team zusammen wachsen lassen und daher fällt es mir schwer, manchen von ihnen ein „Goodbye“, vielleicht für immer, mit auf den Weg zu geben. Wir hatten eine sehr lustige Zeit und an die werde ich mich auch gerne zurückerinnern. Vom ersten Tag in der Lehrwerkstatt, der mit U-Stahl feilen begann, bis hin zum letzten Tag, der mit der Zeugnisvergabe und Verabschiedung enden wird.

Letzte Woche ging es mit großen Schritten dem Abschluss entgegen, denn ich hatte meinen ersten Teil der praktischen Prüfung. Meine Aufgabe bestand darin, Fanblades (Triebwerksschaufeln) auszubauen, zu nummerieren, einzulagern, zu kontrollieren, zu säubern, einzuschmieren und wieder einzubauen. Für diese Aufgabe hatte ich eine ganze Schicht (ca. 7 Stunden) Zeit.

 

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38 Triebwerksschaufeln

 

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Triebwerksschaufel-Befestigung

Zu dieser Prüfung gehörten meine gesamte Arbeitsplanung, die Durchführung und anschließend die Kontrolle meiner Arbeit mit abschließender Dokumentation. Die Dokumentation beinhaltet zum Beispiel das Abstempeln meiner Arbeit, sowie das Sichergehen, dass das Triebwerk wieder einsatzbereit ist. Am Tag meiner Prüfung war ich sehr aufgeregt, aber die Aufregung legte sich recht schnell, als ich die ersten Fanblades ausgebaut hatte.

Triebwerk CF6-50E2

Triebwerk CF6-50E2

Als ich meine praktische Prüfung beendet hatte und fertig war, machte sich ein Gefühl von Freude und Stolz in mir breit. Denn ich wusste, dass ich jetzt meinem Abschluss einen großen Schritt näher bin. Es stehen noch die theoretische und mündliche Prüfung aus und dann heißt es „Goodbye! I am ready for take off!“.

Es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass man schon in wenigen Wochen fertig ist mit seiner Ausbildung. Dabei kommt es einem so vor, als wenn man erst vorgestern angefangen hat. Erst letztes Jahr hatte ich meine Zwischenprüfung abgelegt und jetzt steht schon die Abschlussprüfung an. Da fällt mir nichts Anderes ein außer „Wahnsinn!“.

Ihr fragt Euch sicher, was mich dazu bewegt hat früh auszulernen. Nun bei mir war es mehr oder weniger nicht geplant, denn eigentlich hatte ich vor als „Normalauslernerin“ nach 3,5 Jahren meine Ausbildung zu beenden. Doch nach einigen Gesprächen mit Lehrern, Ausbildern, meiner Lehrgesellin und meinem Tutor stand für mich fest, dass ich durch das früh auslernen nichts zu verlieren habe. Stattdessen würde ich nur an Erfahrung dazu gewinnen und eher mit eigenen Beinen in der Arbeitswelt stehen. Ich kann Jedem, der überlegt, früh auszulernen nur ans Herz legen es zu wagen, denn verlieren tut man dabei gar nix. Im Gegenteil, man kann nur dazu gewinnen.

Aber wie geht es nach meiner Ausbildung weiter? Ich werde nach meiner Ausbildung weiter bei der Lufthansa Technik AG arbeiten und mein Plan ist es erstmal, an Erfahrungen in meinem Job als Fluggerätmechanikerin zu sammeln. Das Schöne an der Luftfahrt ist, dass einem unendlich viele Türen offen stehen, sich weiter zu bilden.

Die Entscheidung, ob ich mein Leben lang Fluggerätmechanikerin bleibe oder einen Techniker oder sogar ein Studium anstrebe, halte ich mir offen und lege mich somit nicht fest.

Mein Fazit über meine Ausbildung ist durchweg positiv. Ich werde aus dieser Ausbildung einiges an Wissen und Erfahrungen mitnehmen und ich fühle mich bereit die Ausbildung zu verlassen, um in die Arbeitswelt zu starten. Ich beschreibe die Ausbildung immer ganz gerne als ein Nest, in dem man einen gewissen Welpenschutz genießt. Dieses verlasse ich nun und der Welpenschutz ist damit aufgehoben, sodass ich jetzt auf mich in der Arbeitswelt gestellt bin.

Abschließend danke ich Euch, dass Ihr mit großem Interesse meine Ausbildung durch meine Blogeinträge verfolgt habt und mir so viel positiven Zuspruch habt zukommen lassen.

Hiermit wünsche ich zusätzlich allen meinen Mit- Azubis weiterhin viel Freude und Spaß an Ihrer Ausbildung, sowie viel Erfolg für die kommenden Prüfungen.

 

Nun sage ich ein letztes Mal „Thanks a lot and goodbye! I am ready for take off!“

 

Eure Catrin

 

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