Die letzten Klausuren waren geschrieben und das Wetter wurde wärmer, während die meisten meiner Kommilitonen ausschliefen oder in den Urlaub fuhren, war es für mich Zeit für den ersten Praxiseinsatz im st.i.p. Programm. Auf diesen war ich sicher genau so gespannt wie auf einen Urlaub. Nach einer trockenen und zum Teil langatmigen Klausurenphase ist Praxisbezug, ein geregelter Tagesablauf und freie Wochenenden eine sehr willkommene Abwechslung.

Wie im letzen Eintrag schon erwähnt, wird meine Heimatbasis während des st.i.p. Programms die Lufthansa AirPlus sein. Eine Tochter, die Fiananzdienstleistungen, wie Reisekostenabrechnungen und Kreditkarten für Firmen anbietet. Vom ersten Tag an habe ich mich sehr wohl gefühlt, besonders wegen der freundlichen, fast familiären Atmosphäre. Neben mir ist noch eine st.i.p.-Master Teilnehmerin bei AirPlus. Auffallend ist hier die ehrliche Einstellung und der Wille der Kollegen, uns etwas beibringen zu wollen.

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Mein Schreibtisch, mit der „Queen of Skies“

Meine erste Abteilung war Accounting & Collection. Es geht vor allem darum, das Geld, das an AirPlus überwiesen wird, ordentlich zu verbuchen und sich darum zu kümmern, dass der richtige Betrag auch zeitnah überwiesen wird. Anfangs habe ich einer Kollegin über die Schulter geschaut, um den Workflow kennen zu lernen. Was zunächst kompliziert aussah, wurde dank guter Erklärungen schnell verständlich. Schon nach kurzer Zeit konnte ich kleine Abfragen in dem Programm selbst erledigen und somit etwas Arbeit abnehmen. Später betreute ich ein Postfach und konnte immer mehr selbstständig erledigen. So übernahm ich teilweise die Urlaubsvertretung von einem Kollegen.

Im Laufe meines Einsatzes wurde ich aktiv in die Projektarbeit eingeführt. Um zunächst einen Überblick zu erhalten, habe ich bei einigen Meetings teilgenommen. Bevor ich loslegen kann, muss ich natürlich die Zusammenhänge verstanden haben. Meine Aufgabe war es dann, Prozesse zu dokumentieren und Verbindungen zwischen und innerhalb von Teams offenzulegen. Obwohl mein Praxiseinsatz nicht sehr lang war, wurde mir großes Vertrauen entgegengebracht. Das ist eine große Motivation für mich, mein Bestes zu geben.

Ein wichtiger Aspekt beim st.i.p. Programm ist die Gegenseitigkeit. Einerseits lernen wir viel von der Firma und dadurch können wir andererseits mitarbeiten und die Arbeit erleichtern.

Dieser Philosophie entspricht das Angebot von Cross-Trainings innerhalb der AirPlus. Hier vereinbart man einen Termin mit einem Kollegen aus einer anderen Abteilung und dieser erklärt in einer Stunde seine und die Aufgaben der Abteilung.

Cross-Trainings sind für stipler natürlich besonders praktisch, da man sich schon eventuelle spätere Einsatzabteilungen ansehen kann und so absehen kann, was einen besonders interessiert. Auch die Teams lernt man bereits kennen. Am liebsten würde ich natürlich alle Abteilungen kennen lernen um möglichst viel mitzunehmen.

So hatte ich auch bereits in der zweiten Woche Termine und konnte z.B. Treasury näher kennen lernen. Hier erfuhr ich viel über das Cashpooling der Lufthansa Group. Dies kann man sich aber nicht als Swimming Pool voll mit Münzen à la Dagobert Duck vorstellen. Vielmehr bedeutet dies, dass alle Konten der Lufthansa am Ende des Tages den idealen Kontostand haben sollen. Dieser Kontostand liegt bei 0,00€, da sonst Gebühren, bzw. Zinsen von der Bank berechnet würden. Dazu werden alle Bankkonten von der Lufthansa “genullt”. Das sind sehr viele, allein AirPlus hat weit über 100 Konten. Die Herausforderung ist hier, dass man schon morgens vorhersagen muss, wie der Kontostand abends sein wird. SEPA Einzüge und Rechnungen, die man selbst bezahlt, sind absehbar. Überweisungen von Kunden allerdings nicht. So gibt es Modelle und Erfahrungen, um eine Schätzung abzugeben. Außerdem liegt bei Treasury auch die Verantwortung für Währungs-Hedging. Wie dies in der Praxis funktioniert ist extrem interessant, zwar lernt man in der Universität die Hedgewerkzeuge kennen, doch es ist noch faszinierender diese in der Praxis zu sehen. 

Es folgten noch Cross-Trainings, bei Controlling und Risk Management. Jedes Team hat seine Spezialisten und es macht mir großen Spaß mich zu unterhalten und dieses Wissen aufzusagen. So vielseitiges, neues direkt aus der Praxis zu erfahren ist eine Gelegenheit, die es wahrscheinlich sehr selten gibt, dies weiß ich wirklich sehr zu schätzen.

Ich hoffe, ich konnte einen guten Eindruck von meiner Zeit bei AirPlus geben. Morgen wird Delia in einem Gastbeitrag von ihrem Einsatz berichten und ich melde mich am Donnerstag wieder. Falls ihr Fragen zum Blog habt, fragt gerne nach.

Cheers,

Philipp