„Sun Valley – klingt gut“ sagten Freunde zu mir, die ich über meinen bevorstehenden Auslandseinsatz im Rahmen des StartTechnik Trainee-Programms informierte. Erst im weiteren Gesprächsverlauf klärte ich dann auf, dass Sun Valley eine gewöhnliche Nachbarschaft im Großraum Los Angeles ist und erhielt in Folge dessen vor allem Warnungen vor überbordendem Großstadtverkehr. In der Tat hat diese Stadt ein Verkehrsproblem, kommt es doch unter der Woche regelmäßig und ganztägig zum „Infarkt“ auf den unzähligen Schnellstraßen. Zum Glück aber liegen Wohnung und Arbeitsplatz nur etwa 15 Minuten Autofahrt voneinander entfernt und entgegen der üblichen Pendlerrichtung. Vom Stau verschont kann man sich daran gewöhnen, jeden Morgen mit Sonnenbrille zur Arbeit zu fahren.

Hawker Pacific Aerospace ist neben Hamburg und London (von dort berichtete im Januar Sandra Muschkorgel über ihren Einsatz) einer der drei Fahrwerksüberholungsbetriebe der Lufthansa Technik. In direkter Nachbarschaft zum Bob Hope Burbank Airport (BUR) wird hier eine breite Palette an Fahrwerken von Airbus-, Boeing- und Regionaljets überholt. Im Gegensatz zu London ist bei Hawker nicht alles unter einem Dach. Das Firmengelände besteht aus neun nebeneinander liegenden einzelnen Gebäuden, in denen die verschiedenen Arbeitsschritte durchgeführt werden. Knapp 350 Mitarbeiter, davon 35 in der Administration, arbeiten hier an der Durchführung der Fahrwerküberholung: Demontage, Reinigung, Befundung, Bearbeitung der Einzelteile, Lackierung, Montage.

Blick in die Arbeitsbereiche „Planning“ und „Electric“

Am ersten Arbeitstag konfrontierte mich bereits eine kulturelle Besonderheit Amerikas: Die Büroräume sind intensiv für das anstehende Mitarbeiterfest zu Halloween dekoriert worden. Direkt im Anschluss wurde die Dekoration ausgetauscht, um sich auf das nahende Weihnachtsfest vorzubereiten. Als europäischer Betrachter muss man sich an dieses Ausmaß der Dekoration erst einmal gewöhnen.

Gruselige Bürodekoration zu Halloween

Bei Hawker Pacific herrscht derzeit Aufbruchsstimmung. Im Sommer 2017 sammelte das Management in einem Workshop 588 Ideen, um den Standort und das Produkt zu verbessern. Diese Ideen sind zu 80 Projektvorschlägen gruppiert und in sechs Bereiche einsortiert worden: Cost, Revenue, Operations, Human Resources, Quality und SAP Improvements. Je nach Priorisierung werden aus den einzelnen Bereichen Projekte gestartet, welche dann von regelmäßigen Reviews begleitet durchgeführt und zum Abschluss gebracht werden. Diese Kampagne trägt den Namen „StronGear“ und bleibt über die bestehenden Vorschläge hinaus auch offen für weitere neue Projektideen. Vor kurzem ist sogar ein eigenes Kampagnen-Maskottchen entstanden, welches derzeit nach einem Namen sucht. Aus dem Projektpool leite ich mittlerweile zwei eigene und ganz verschiedene Projekte, welche ich zusammen mit dem jeweiligen Projektteam bearbeite. Ein drittes wird noch dazukommen, um den Trainee-Einsatz abzurunden. In diesem Zusammenhang untersuche ich beispielsweise Produktions- und Steuerungsprozesse, führe Interviews durch und erarbeite gemeinsam mit meinen Kollegen in Teamworkshops entsprechende Verbesserungen.

Die Aufbruchsstimmung ist auch im Team zu spüren: die Kollegen sind offen für die Diskussion projektbezogener Ideen und bringen sich ein. Diese positive Grundeinstellung reicht vom Shop Floor bis ins Senior Management und sorgt für eine gute und konstruktive Arbeitsatmosphäre. Darüber hinaus unterstütze ich bei der Organisation des standortübergreifenden Programms, welches das Netzwerk Hamburg, London und Sun Valley stärkt. In diesem Zusammenhang bin ich auch regelmäßig im Austausch mit Sandra – die Traineewelt ist klein.

Arbeit im Teamworkshop

 

StronGear Maskottchen

Wie kann man in Los Angeles seine Zeit außerhalb des Arbeitsplatzes und des Autos noch verbringen? Ein bekannter Reiseführer erläutert, man müsse die „Big Orange“, wie LA auch genannt wird, erst pellen, bevor man genüsslich hineinbeißen kann. Ich denke, die erste Phase habe ich schnell hinter mir gelassen, sodass ich nun insbesondere jedes Wochenende genüsslich hinein beiße. Bei zahlreichen Outdoor-Aktivitäten spielt das Wetter immer mit: Wandern im Griffith Park mit Blick auf den Hollywood-Schriftzug, Rennradfahren zwischen Stars und Sternchen auf dem Mulholland Drive, das Treiben und die Atmosphäre genießen am Venice Beach oder etwa Surfen und Snowboardfahren am selben Tag. Letzteres habe ich so noch nicht ausprobiert – are you ready for the challenge?

Blick auf Downtown LA bei Nacht

Hollywood :-)

Es grüßt aus der Sonne,

euer Steffen

 


StartTechniker Kurzprofil

Steffen Mersch ist seit Oktober 2016 Teil der StartTechnik Traineegemeinschaft. Er hat an der Technischen Universität Hamburg-Harburg Elektrotechnik mit Schwerpunkt Kommunikations- und Nachrichtentechnik studiert. Dieses schloss er mit einer Masterarbeit bei Airbus zum Thema drahtlose Avionik ab und wurde so erstmals auf die Luftfahrtbranche aufmerksam. Vor seinem Einsatz bei Hawker Pacific Aerospace hat Steffen bereits zwei weitere Trainee-Einsätze an der Lufthansa Technik Basis in Hamburg absolviert: Im Key Account Management für die Triebwerksüberholung sowie im Technology Foresight bei Original Equipment Innovation.