Morgens 07:30 Uhr in Fort Bonifacio Global City: ich bestelle mein Uber, um zur Arbeit zu fahren. Wenn ich nicht sofort aus der Wohnungstür gehe, ist der Fahrer bereits lange vor mir in der Einfahrt des Wohnkomplexes und wartet zuvorkommend, mich zur Arbeit zu bringen. Nicht alles läuft hier in Manila jedoch so schnell und reibungslos wie der morgendliche Bestellprozess des Ubers. Umso mehr genießt man es, wenn es mal „wie am Schnürchen“ läuft – eine halbe Stunde später bin ich bei der Arbeit. Kurz zuvor haben wir mehrere Sicherheitskontrollen passiert – die Anlage der Lufthansa Technik Philippines (LTP) befindet innerhalb der Villamor Air Base, einer Militärbasis und Stützpunkt der Philippine Air Force am Rande des Ninoy Aquino International Airports von Manila. Wie in vielen asiatischen Ländern ist es auch in meinem Büro bisweilen eiskalt. Aus 35 Grad Celsius kommend, die hier teilweise morgens um 8 Uhr schon herrschen, sitze ich nun mit langärmligen Hemd mit T-Shirt drunter an meinem Schreibtisch und frage mich, wieso meine philippinischen Kollegen eigentlich scheinbar besser mit „Kälte“ umgehen können als ich Europäer.

Lufthansa Technik Philippines

Mein Team bei der LTP ist klein. Inklusive meinem Vorgesetzten und zwei Praktikanten sind wir neun Personen und verantworten den Bereich Strategy and Corporate Projects. Das ist bei einem knapp 2.500 Mitarbeiter starken Unternehmen nicht zu unterschätzen. So ist die Arbeit jedoch anspruchsvoll und macht großen Spaß. Zurzeit befinden wir uns zudem in einer für unsere Abteilung äußerst spannenden Phase des Unternehmens, da einige strategische Änderungen vorgenommen werden. Seit Juni 2017 haben wir einen neuen CEO. Er möchte Lufthansa Technik Philippines, einem Joint Venture zwischen Lufthansa Technik und der hiesig einflussreichen MacroAsia Corporation, mehr mit dem Lufthansa Technik Konzern vernetzen und durch verstärkten gegenseitigen Austausch die Qualität- und Effizienzstandards weiter verbessern. Auch ich arbeite in diesem Integrationsprojekt und analysiere die Prozesse im Key Account Management in Europa und auf den Philippinen, um diese aneinander anzugleichen und sie jeweils auf den bestmöglichen Standard zu heben. Außerdem bin ich für die Programmplanung der IT-Strategie des Unternehmens zuständig, damit die strategischen Unternehmensentscheidungen auch langfristig angemessen von der IT mitgetragen und unterstützt sowie deren Umsetzung gewährleistet werden können.

Übergabezeremonie vom alten (1.v.r.) zum neuen CEO (2.v.r.)

Beim Mittagessen in unserer Kantine mit ausschließlich traditioneller Küche fällt mir schnell auf, dass die Portionen dort viel kleiner sind als man das aus deutschen Kantinen gewohnt ist. Nicht viel später lerne ich aber dazu, dass man hier nicht drei, sondern eher fünf (kleinere) Mahlzeiten am Tag zu sich nimmt. Ich bleibe meist bei meinen dreien, auch wenn es bisweilen schwierig ist, dem „Peer Pressure“ zu widerstehen – essen macht halt einfach Spaß. Zumal es hier beim Essen äußerst gesellig zugeht. Trotzdem wird in manchen Abteilungen während der Mittagspause zwischen 12 und 13 Uhr das Licht ausgeschaltet, damit jeder nach dem Essen mit einem kurzen „Powernap“ Kraft für den Nachmittag tanken kann. Nicht so in unserem Team – wir unterhalten uns lieber über Gott und die Welt oder bringen uns Wörter in jeweils anderen Sprachen bei. Generell ist das Gemeinschaftsgefühl kulturbedingt höher als in Deutschland. Deutlich selbstverständlicher und herzlicher spricht man im Büro über Themen, die der eine oder andere Kollege in Deutschland eher als privat betrachtet und von der Arbeit trennt. Beim YES! Day, einer Veranstaltung zum unternehmensweiten Zukunfts- und Nachhaltigkeitsprogramm, erlebe ich, was es auf den Philippinen bedeutet, wenn man Spaß mit geschäftsrelevanten Inhalten verbindet und mit welchem Enthusiasmus hunderte Mitarbeiter des Unternehmens sich mit vermeintlich trockenen, arbeitsrelevanten Themen auseinandersetzen. Für dieses Event wurde sogar ein eigenes Jump-n-Run Computerspiel entwickelt, in dem sich der Lufthansa Kranich durch verschiedene Hindernisse in der Produktion kämpft und Ineffizienzen im administrativen Bereichen beseitigt.

Mein Team und ich: Strategy & Corporate ProjectsMein Team und ich: Strategy & Corporate Projects

Abends 17:30, irgendwo zwischen Flughafen und meinem zu Hause: ich sitze diesmal im Taxi. Allerdings dauert die Fahrt nicht eine halbe Stunde, sondern eher die abends üblichen 60 bis 90 Minuten. Dabei sind es gerade einmal gute fünf Kilometer, die ich zurückzulegen habe… aber wer geht bei 35 Grad und Luftverschmutzung schon gerne in Hemd und langer Hose zu Fuß, wenn das Taxi günstiger ist als eine halbe Maß?! Dass der männliche Taxifahrer dabei hemmungslos (übrigens genauso, wie Sicherheitswächter, Kassierer oder, ja, Kollegen) zu Balladen von Taylor Swift und Co. entlangsingt, macht die lange Fahrt dann doch zumindest ein bisschen unterhaltsamer. Singen gehört zur philippinischen Kultur wie das Biertrinken zur deutschen – der Großteil macht es gerne und viel, und auch die, die nicht so geübt sind, versuchen sich ab und an mal. Abends gibt es in Manila viele Möglichkeiten, etwas essen und trinken zu gehen und dabei gleichgesinnte junge (und alte) Leute kennenzulernen. Anders als man es vielleicht aufgrund mancher Medienberichte erwarten würde, habe ich mich dabei noch nie unsicher gefühlt. Im Gegenteil, das Fort, wie Fort Bonifacio Global City auch genannt wird, steht europäischen Großstädten bezüglich Sicherheit, Sauberkeit und Moderne in Nichts nach. Nur deutlich mehr Wolkenkratzer formen die Skyline.

White Beach auf Boracay, Philippinen

Wenn ich das Wochenende nicht in Manila verbringe, wo ich samstags mit dem LTP F.C. gegen andere Unternehmen in der Corporate Football League antrete, bin ich auf Reisen. In einem drei- bis vier-Stunden-Radius gibt es doch unheimlich viel zu entdecken. Bangkok, Singapur, Taipei und Co. sind in jedem Fall ein Wochenendtrip Wert. Nicht zu vergessen ist, was die Philippinen selbst zu bieten haben. Auf den über 7000 Inseln gibt es Vulkane, Reisterrassen, unterirdische Flusslandschaften, Paradise für Taucher und Schnorchler sowie Strände, mit so weißem, feinen Sand und türkisen Wasser, wie ich sie bisher in keinem anderen Land gesehen habe. Alles in Allem fühle ich mich hier so wohl, dass ich gar nicht gemerkt habe, wie schnell die Zeit vergangen ist. Gerade hat der letzte Monat meines Projekts begonnen, aus dem ich bei der Arbeit und außerhalb noch einmal alles herausholen werde. Schon jetzt kann ich aber sagen: es war eine herausragende Erfahrung, die ich nicht missen möchte!

 


 

StartTechnik Kurzprofil

David Robert Spandöck hat Wirtschaftsingenieurwesen mit den Schwerpunkten Accounting und Finance sowie Luftverkehrsingenieurswesen an der Technischen Universität Dresden studiert. Seinem Drang nach neuen Erfahrungen und seiner Begeisterung für die Luftfahrt ist er während des Studiums in mehreren Auslandsstationen in den USA, Frankreich und China sowie in Tätigkeiten für Flughafengesellschaften, auf Luftfahrtmessen und auch bei der Lufthansa im Münchner Controlling kontinuierlich gefolgt. Nach seinen ersten beiden StartTechnik Projekten im Key Account Management in der Triebwerksüberholung in Hamburg und im Line Maintenance Projekt Jump! in Frankfurt am Main befindet er sich derzeit in der Strategieabteilung der Lufthansa Technik Philippines in Manila. In seiner Freizeit reist er gerne, spielt Fußball, macht allen möglichen Wassersport und interessiert sich für Politik und Wirtschaft.