Wie im Video zu sehen ist, besteht meine Tätigkeit bei Lufthansa CityLine aus zwei Teilen: Zum einen arbeite ich als Flugkapitän auf dem Canadair Jet (CRJ), einem zweistrahligen Flugzeug (also einem Flugzeug das von zwei Triebwerken angetrieben wird) des kanadischen Herstellers Bombardier mit 70 (CRJ700) bzw. 86 Sitzen (CRJ900). Zum anderen – und das macht doch den bedeutend größeren Teil meiner Arbeit aus – bin ich Flottenleiter der CRJ-Flotte bei Lufthansa CityLine.

Während die Arbeit im Cockpit sehr klaren Regeln und vorgegebenen fliegerischen Verfahren unterliegt, ist mein Aufgabengebiet als Flottenleiter ziemlich weit gefächert und hält, flapsig gesagt, regelmäßig Sonderfälle bereit, die es zu klären gibt. Auf zwei wesentliche Säulen meiner Arbeit gehe ich hier mal etwas näher ein:

 

Wie wohl jeder Leiter mit Personalverantwortung erlebe auch ich sämtliche positive und auch schwierige Gesichtspunkte in der disziplinarischen Führung der Piloten meiner Flotte. Mit einem entscheidenden Unterschied: Den Großteil meiner Mitarbeiter (derzeit rund 340 Pilotinnen und Piloten) sehe ich nur sehr unregelmäßig. Grund hierfür ist die dezentrale Stationierungsstruktur bei Lufthansa CityLine. Auch wenn wir unsere Flugzeuge mittlerweile ausschließlich in den beiden Lufthansa-Drehkreuzen (engl. Hubs) Frankfurt und München einsetzen, so sind unsere Flugzeugführer historisch bedingt in ganz Deutschland stationiert (Bremen, Hamburg, Hannover, Berlin, Frankfurt, Stuttgart, München). Das erschwert natürlich die Kooperation, Koordination und Kommunikation mit allen Cockpitmitarbeitern erheblich. Glücklicherweise werde ich durch meine beiden Stellvertreter tatkräftig unterstützt. So gelingt es uns, durch gezielte Informationen und Veröffentlichungen (z.B. eine halbjährlich erstellte, umfangreiche „CRJ Flotteninfo“ mit vielen flugbetrieblichen und flugzeugspezifischen Informationen), durch regelmäßige Cockpitmeetings und nicht zuletzt durch eine hohe Präsenz an den Hubs, ziemlich viele Kolleginnen und Kollegen zu treffen und zu betreuen.

 

Bei der fachlichen Führung einer Flugzeugflotte kommt es insbesondere darauf an, sämtliche operationelle Vorgaben des Flugzeugherstellers (in meinem Fall Bombardier) sowie die behördlichen Anforderungen (meist durch das Luftfahrt-Bundesamt oder die EASA) umzusetzen. Wenn zum Beispiel Bombardier Änderungen der Flugverfahren veröffentlicht, müssen wir dies zügig in unsere Handbücher einarbeiten, damit die Piloten nach diesen neuen Standards fliegen. Zusammen mit meinen fachlich verantwortlichen Mitarbeitern initiiere, erstelle und bewerte ich operationelle Verfahren für den Betrieb des Canadair Jets. Der Fokus liegt hierbei in erster Linie auf der sicheren und natürlich auch wirtschaftlichen Flugdurchführung.

 

Das bin ich auf meinem Kapitänssitz im Flieger

Das bin ich auf meinem Kapitänssitz im Flieger

Zurzeit pendle ich regelmäßig zwischen München und Köln. In München lebe ich und bin auch als Pilot dort stationiert. Die Hauptverwaltung der Lufthansa CityLine ist aber (noch) in Köln, sodass ich meistens an zwei bis drei Tagen in der Woche dort arbeite. Im September zieht das Unternehmen jedoch nach München, wo bereits heute der Schwerpunkt unseres Flugbetriebs liegt. Innerhalb der nächsten drei Jahre werden wir dort rund 80 Prozent unseres Verkehrs abwickeln. Gerade als Flottenleiter erkenne ich die Vorteile der Nähe zu unserer eigenen Operation, wie wir den Flugbetrieb auch nennen, und dem Cockpitpersonal vor Ort. Und als Familienvater bin ich um die zukünftige Nähe zum Büroarbeitsplatz natürlich auch sehr dankbar.

 

Bei aller Abwechslung und Herausforderung, die meine Arbeit als Flottenleiter mit sich bringt, das „Salz in der Suppe“ ist und bleibt das Fliegen. Ein paar Mal im Monat tausche ich den Anzug gegen eine Uniform, schalte Handy und Laptop aus und genieße das Leben als „normaler“ Linienkapitän.

A2A_70

…und das ist mein „Arbeitsgerät“, eine CRJ-900 über den Alpen. Stellt euch die Aussicht vor, die ich aus dem Cockpit habe ;-)

Claus Zierold