Servus aus Wien!

 

Mein Name ist Hannes und ich absolviere das Trainee-Programm „AIRcelerate Operations“ bei Austrian Airlines. Hierbei handelt es sich um ein duales Studium, das ein betriebswirtschaftliches Studium mit dem Schwerpunkt Luftfahrt an der Hochschule Worms mit einer Reihe spannender Praxisphasen bei Austrian Airlines in Wien verbindet. Derzeit befinde ich mich in meinem dritten Praxiseinsatz.

Wenn Ihr mehr über die bisherigen Praxiseinsätze erfahren wollt und neugierig über den generellen Aufbau des Studiums seid, dann schaut euch gerne mal unsere vergangenen Blogbeiträge an. Heute möchte ich euch nämlich nicht von einer der spannenden Praxisphasen berichten, sondern von einem Teil des Programms, der mich während der gesamten Zeit begleitet: Neben dem Erwerb von Fachwissen und Arbeitserfahrung geht es in dem Programm nämlich auch um das Thema Persönlichkeitsentwicklung.

 

Persönlichkeitsentwicklung? Was ist das überhaupt?

Unter Persönlichkeitsentwicklung versteht man die Auseinandersetzung mit sich selbst, mit den eigenen Gefühlen, Wahrnehmungen, sowie mit seinen unterbewussten Verhaltensmustern. Es geht dabei hauptsächlich darum, sich selbst besser kennenzulernen, um (später) im Arbeitsalltag, aber auch im persönlichen Leben, zu wissen, wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen. So können diese dann gekonnt genutzt werden. Jedoch liegt der Fokus nicht nur bei uns selbst, sondern auch darin, wie man als Gruppe ein harmonisches Team formt, Konflikte löst und gemeinsame Ziele erreicht.

Schon während des Bewerbungsverfahrens war für mich ziemlich schnell klar, dass die eigene Persönlichkeit hier eine starke Rolle spielt. Ein klassisches Motivationsschreiben wird nicht verlangt. Stattdessen wurden Fragen wie: „Was ist in deinem bisherigen Werdegang nicht optimal gelaufen?“, „Was hast du daraus gelernt?“ oder “Was ist dein größtes Talent, das dich von anderen unterscheidet?“ gestellt. Noten oder schulisch erbrachte Leistungen haben dabei nur eine zweitrangige Rolle gespielt.

Auf der Alm hatten wir die Zeit und den Raum uns kennenzulernen

Zu Beginn der dualen Ausbildung lernte ich meine zukünftigen Kollegen – inzwischen auch gleichzeitig gute Freunde – bei der „Onboarding Woche“ in Wien kennen. Zwei Tage nachdem das neue Abenteuer für uns im Head Office der Austrian begann, machten wir fünf AIRcelerater uns gemeinsam mit unseren Teamleitern auf den Weg in die Berge, genauer gesagt nach Vorderstoder, wo wir uns, fernab von der ganzen Hektik am Flughafen, besser kennenlernen konnten. Hier bekamen wir bereits erste Impulse in Richtung Persönlichkeitsentwicklung. Mit verbundenen Augen mussten wir uns gemeinsam den Weg durch den Schnee bahnen und konnten dabei sehr schnell erkennen, welche Rolle unser Gegenüber in ungewöhnlichen Situationen einnimmt und wie stark unser Vertrauen zu den Anderen war. Natürlich kam der Spaß auch nicht zu kurz! Dank der inzwischen berühmten AIRcelerate Olympiade hatten wir unvergessliche Momente, lachten viel gemeinsam und hatten eine wunderschöne, aber auch sehr anstrengende Zeit in den österreichischen Bergen.

Damit nicht genug, denn auch während des Semesters in Worms bekommen wir regelmäßige Inputs unserer Ansprechpersonen und Teamleiter. Unter anderem haben wir bereits im ersten Semester ein „Business Knigge“ Seminar durchlaufen. Im zweiten Semester haben wir mit Seminarleiterin Claudia im Seminar „Emotionale Intelligenz“ viel über Themen wie Empathie und Selbstreflexion gesprochen. Wir haben gemeinsam verschiedene Ansätze zur Selbstreflexion besprochen und kennen lernen können.

Eine weitere Besonderheit im ersten Semester war das „360° Feedback“. Normalerweise wird ein „360° Feedback“ als eine bekannte Methode zur Einschätzung der Kompetenzen von Fach- und Führungskräften verwand, in welcher unterschiedliche Blickwinkel, wie beispielsweise die Perspektive der Mitarbeiter, der Kollegen, der Kunden oder gar von anderen Führungskräften zusammengetragen und analysiert werden. Dabei schätzen die einzelnen Gruppen die Fähigkeiten der Person in unterschiedlichen Bereichen ein und geben eine vollkommen anonyme Bewertung ab. Bei uns ging es zum Beispiel um empathische Fähigkeiten, Risikobereitschaft, sowie Durchsetzungs- oder Reflexionsvermögen. Gleichzeitig schätzt die Person sich selbst auch in den zuvor festgelegten Bereichen ein. Abschließend ergibt die Auswertung ein Abbild, welches wiederspiegelt, wie stark die eigene Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung der befragten Gruppen übereinstimmen. Anhand des Feedbacks kann die Person herausarbeiten, in welchen Bereichen sie kleine Defizite aufweist bzw. in welchen sie sich weiterentwickeln könnte und natürlich auch möchte.

Yaşar und ich bei unserer Free-Hug-Challenge

Yaşar und ich bei unserer Free-Hug-Challenge

Da die Situation als dualer Student nicht auf die einer Führungskraft im Arbeitsalltag eines Unternehmens passt, habe ich eine leicht veränderte Version des 360° Feedbacks gemacht. Statt an Mitarbeiter habe ich meinen Feedbackbogen an meine Familie, meine Freunde, andere Auszubildende, sowie die Teamleiter geschickt. Innerhalb der nächsten Wochen haben dann ca. 15 – 20 Personen diesen Bogen anonym ausgefüllt und zurück an mich geschickt. Die Daten wurden anschließend in einer Tabelle zugeordnet, sodass ich am Ende ein Datenblatt hatte, welches alle Antworten zusammengefasst und mir in den verschiedenen Kompetenzbereichen eine Zahl zwischen 1-5 zugeordnet hat. Zur besseren Visualisierung wurden die Daten dann noch zusätzlich in ein Netzdiagramm eingetragen. Hier hat man dann sehr schön die Abweichungen der Selbst- und Fremdeinschätzung sehen können. Ich habe bei dieser Methode vor allem gemerkt, dass durch die gegebene Anonymität, die Antworten teilweise viel offener und ehrlicher gegeben werden als in einem persönlichen Gespräch.

Das „360° Feedback“ war somit eine sehr gute Grundlage um einen Einblick zu gewinnen, wie mir nahestehende Vertrauenspersonen meine Person, mein Verhalten und mein Wirken wahrnehmen und beschreiben. Zusätzlich bot mir diese mir neue Art der Selbstreflexion aber auch eine gute Grundlage, um mit meiner Familie, Freunden und Kollegen über meine möglichen Entwicklungsthemen offen und ehrlich zu sprechen.

 

In jeder Praxisphase bekommen wir ebenfalls regelmäßig neuen Input. Sowohl bei einem persönlichen Entwicklungsgespräch mit unseren zuständigen Teamleitern, als auch bei Teamtagen mit der gesamten AIRcelerate Gruppe. Hier haben wir beispielsweise Möglichkeiten kleine Konflikte in einem offenen Dialog zu lösen oder über aktuelle Themen zu sprechen, die uns derzeit beschäftigen. Wir haben das Ziel, eine Gruppenatmosphäre zu schaffen, in der sich jeder von uns wohlfühlt und gut leben und arbeiten kann. So soll jeder sein Potential optimal entfalten können.

Während des Semesters treffen wir uns regelmäßig zu kleinen Gesprächsrunden. Hier reden wir gerade über ein Buch, welches wir gemeinsam gelesen haben.

Während des Semesters treffen wir uns regelmäßig zu kleinen Gesprächsrunden. Hier reden wir gerade über ein Buch, welches wir gemeinsam gelesen haben.

Du siehst also: Im AIRcelerate Programm stehe ich als Mensch mit all meinen Ecken und Kanten mehr im Vordergrund als mein Zeugnis, meine bisherigen Leistungen oder mein Wissen über die Luftfahrtbranche!

Bis bald,

Hannes