Moin, Moin liebe Leserinnen und Leser!

Mein Name ist Felix, ich bin 21 Jahre und befinde mich derzeit im dritten Ausbildungsjahr zum Fluggerätmechaniker in der Fachrichtung Triebwerkstechnik in Hamburg. Vielleicht kennt ihr mich schon aus meinen Erfahrungsberichten auf be-lufthansa.com, die ab jetzt hier im Azubi-Blog veröffentlicht werden. Ich werde Euch weiterhin mit Freude von meinen Tätigkeiten und Erfahrungen berichten und halte noch einige interessante Artikel für Euch bereit.

In diesem Blog schreibe ich über den gerade abgeschlossenen, einwöchigen Motorenlehrgang mit unserem Triebwerksmeister. Ihr werdet meinen, ein angehender Triebwerksmechaniker in einem Motorenlehrgang ist nichts Ungewöhnliches. Dennoch handelt es sich bei diesem Lehrgang nicht etwa um Flugzeugmotoren, sondern Motoren, mit denen wir uns täglich beschäftigen und die uns das Leben erleichtern sollen. Die Rede ist von kleinen Viertakt-Ottomotoren, die in Rasenmähern und Baumaschinen eingesetzt werden. Aber wieso ist ein solcher Lehrgang für den Triebwerksmechaniker erforderlich? Die Antwort ist simpel und wird auch so von unserem Triebwerksmeister erklärt: Jeder bei Lufthansa Technik ausgebildete Triebwerker hat ein enormes Fachwissen zum Herzen des Flugzeuges, dem Triebwerk, aber bei den einfacheren Kolbenmotoren, die uns alltäglich umgeben, treten immer wieder Wissenslücken auf. Zudem schafft eine solche Kenntnis grundlegende Motorenzusammenhänge und Erfahrungen für die Schrauberstunden daheim.

Erste Versuche

Da ein großer Praxisanteil in diesem Lehrgang vorgesehen ist, beginnen wir mit der teamorientierten Demontage des Tecumseh BVS 153. Dieser Viertaktmotor läuft zuverlässig vorwiegend in Rasenmähern. Nach rascher Demontage folgen ein aufwendiger Befund und die Montage des Motors. Jedoch haben wir wichtige Markierungen an z.B. der Kurbelwelle vergessen, sodass sich der Zusammenbau schwieriger gestaltet hat als zuerst angenommen.

Zwei demontierte Motoren in ihren Einzelteilen

 

Aus Fehlern lernt man

Am nächsten Tag wussten wir, wie man es besser macht. Mit der systematischen Demontage des Honda GX120, der vor allem in Baumaschinen Benutzung findet, zerlegen wir nach dem Herstellerhandbuch den Motor ordnungsgemäß. Mit Intramessgeräten und Bügelmessschrauben werden alle verschleißrelevanten Bauteile vermessen und mit den vorgegebenen Toleranzen verglichen. In diesem Zusammenhang werden in Kleingruppen Vorträge zu Ventilspiel, Kolbenarten und –formen etc. gehalten und inhaltlich besprochen. Doch bei all der Theorie sind wir gedanklich schon bei dem Zusammenbau, denn es soll noch einmal spannend werden.

Die Montage des Motors erfolgt ebenfalls nach dem Herstellerhandbuch und benötigt eine gewisse Zeit und Sorgfalt. Das Ventilspiel muss neu eingestellt werden, ebenso wie der Abstand zwischen Anlasserscheibe und Zündspule. Auch die Stellung der Kurbelwelle zur Nockenwelle spielt eine wichtige Rolle.

Montage des Honda GX120

 

Jetzt wird es ernst

Nachdem endlich der Kraftstofftank und der Seilzugstarter angebracht sind, heißt es: Kraftstoff einfüllen und anlassen! Es wird angerissen, einmal, zweimal und dann läuft der Motor jeden Azubis einwandfrei und ruhig. Dieses Erlebnis war der spannende Abschluss eines für mich sehr lehrreichen und abwechslungsreichen Lehrganges, der sich durch den hohen Praxisanteil von anderen Lehrgängen abhebt. Es wurde uns wieder aufgezeigt, dass handbuchorientiertes, genaues Arbeiten im Team zu einem Ergebnis führt, das hier zwar „nur“ einen Viertaktmotor zum Laufen gebracht hat, im späteren Berufsleben aber ein stets einwandfreies Flugzeug ermöglicht und somit unverzichtbar ist.

Felix