Hallo zusammen,

da mein letzter Beitrag schon etwas länger her ist und ich in diesem Jahr noch nichts von mir habe hören lassen, wünsche ich Euch noch nachträglich alles alles Gute, viel Erfolg und besonders viel Optimismus für das neue Jahr 2016! Auch möchte ich Euch an dieser Stelle ein großes Dankeschön für Euer unaufhaltsames Interesse zukommen lassen! :) Bei Fragen rund um die Ausbildung und Arbeit bei der Lufthansa Technik könnt ihr mich auch weiterhin gerne durch Kommentare und die neue LiveChat-Funktion anschreiben!

Nun ist es wieder soweit! Nachdem ich Euch beim letzten Mal ein paar spannende Einblicke in unsere Arbeit mit dem Trainingsflugzeug gegeben habe, werde ich Euch heute über mein bisheriges Highlight berichten! Bei meinem letzten Beitrag habe ich schon angedeutet, dass die Ausbildung zunehmend praktischer und flugzeugbezogener wird. Das ist nun zum Alltag geworden, denn inzwischen durchlaufe ich als Auszubildender im zweiten Lehrjahr verschiedene Werkstätten und habe so die Möglichkeit, alle Bereiche der Flugzeugwartung für jeweils zwei Wochen kennenzulernen. Dazu zählen zum Beispiel die Sitzwerkstatt, das Inflight Entertainment oder die Kabinenwartung, von der ich Euch nun berichten werde. :)

Meine persönliche Ausrüstung

Wie der Name schon vermuten lässt, sind wir, ganz grob gefasst, für den einwandfreien Betrieb der gesamten Bauteile und Gegenstände in der Flugzeugkabine zuständig. Dazu zählen Sitze, Staufächer, Notausrüstung, aber auch sanitäre Einrichtungen und vieles mehr.

Dafür habe ich meine ganz persönliche Ausrüstung bekommen, wozu unter anderem eine Warnweste, ein Werkzeugkoffer, eine Taschenlampe und, ganz wichtig, ein Gehörschutz gehören. Bestens ausgestattet ging es dann los:

06:00 Uhr:
Um diese Zeit beginnt normalerweise die Frühschicht. Wir arbeiten in einem Drei-Schichten-System, welches 24/7, 365 Tage im Jahr Anwendung findet, denn: Flugzeuge stehen niemals still! :)

06:15 Uhr:
Zeit für das Briefing. Hier werden den verschiedenen Wartungsgruppen die Flugzeuge für den gesamten Tagesverlauf zugeteilt. Dabei wird uns gesagt, wann das Flugzeug kommt, wie lange es am Boden bleibt und welche Checks von uns ausgeführt werden müssen.

Eine Boeing 747-8i am Gate A69


06:11 Uhr:
Flug LH573 aus Johannesburg (Südafrika) ist schon vier Minuten vor unserem Briefingbeginn auf dem Frankfurter Flughafen gelandet und rollt gerade zur Position „A69“. Jetzt heißt es schnell sein, denn die Boeing 747-8i mit dem Kennzeichen „D-ABYS“ fliegt in drei Stunden weiter nach Seoul, Südkorea.

Drei Stunden hören sich für Euch vielleicht viel an, sind in Wahrheit aber sehr knapp bemessen. Zunächst einmal müssen die Passagiere aussteigen, danach das Essen ausgetauscht, die Kabine gereinigt und das Flugzeug wieder technisch fit gemacht werden. Dazu kommt dann noch das Auftanken und Boarding der neuen Fluggäste. Alles muss sehr schnell und strukturiert von statten gehen, da sonst ein „Delay“, also eine Verspätung, verursacht wird.

06:47 Uhr:
Alle Passagiere sind ausgestiegen. Mittlerweile haben sich sechs Technikautos am hinteren Eingang des Flugzeugs versammelt – alle aus unterschiedlichen Fakultäten. Jetzt steigen wir ein und reden zunächst mit der Crew, welche uns über Beanstandungen oder eventuelle Vorfälle im Flug in Kenntnis setzt. Danach schauen wir in den Logbüchern nach Einträgen und führen einen kompletten Check der Flugzeugkabine durch. Dazu gehört zum Beispiel die Überprüfung der Sauerstoffflaschen, Schwimmwesten, Toiletten und Sitze. Lassen diese sich in eine aufrechte Position für Start bzw. Landung bewegen? Sind die Sitzpolster sauber? Ist das nicht gegeben, sind wir gefragt und tauschen defekte bzw. schmutzige Teile aus. Nach rund 45 Minuten ist die Passagierkabine von uns aus wieder fertig für den Weiterflug.

Hier steigen die Techniker einR-Check an den Economy Class SitzenPrüfen eines Premium Economy Class Sitzes

07:50 Uhr:
Nach knapp zwei Stunden Arbeit heißt es nun „Frühstück“!

08:06 Uhr:
Nach einer 15-minütigen Entspannungsphase geht es an das nächste Flugzeug. Die D-ABYC, eben als Flug LH431 aus Chicago gelandet, wartet wieder auf den vorher beschriebenen „R-Check“. Wieder unterhalten wir uns mit der Crew, laufen durch die Kabine, bearbeiten diesmal aber auch einige Beanstandungen. Ein Ofen in der Bordküche, welche von uns „Galley“ genannt wird, werde angeblich nicht richtig warm. Nach einem kurzen Test stellt sich heraus, dass der Ofen defekt ist. Nun heißt gilt es, schnell einen Neuen zu bestellen! Innerhalb einer Stunde, meist schon nach wenigen Minuten, wird uns direkt an den Flieger ein neuer Ofen geliefert, welchen wir anschließend austauschen. Kurzer Test – funktioniert perfekt! Ebenso lässt sich ein Business Class Sitz nicht mehr bewegen. In den dafür vorgesehenen Wartungsunterlagen suchen wir nach einer Lösung des Problems und führen anschließend einen „Power Reset“, also eine kurzzeitige Trennung des Sitzes vom Strom, durch. Nach dem Neustart des Sitzsystems funktioniert alles wieder, denn nicht nur Zuhause, sondern auch bei Flugzeugen hängt sich in manchen Fällen auch mal ein Computer auf. Glück gehabt! :)

Die technische DokumentationDas Ganze hat uns wieder eine gute Stunde gekostet.
Nun werden alle erledigten Arbeiten in die entsprechenden Logbücher eingetragen und der Flieger so für seinen Weiterflug freigegeben.

Auch wir Azubis dürfen auf dem Vorfeld fahrenAnkunft am abgestellten Flugzeug

09:21 Uhr:
Diesmal fahren wir in den Süden des Flughafens, an die neuen Flugzeugpositionen des zukünftigen Terminal 3, wo eine Maschine mit einem größeren Problem auf uns wartet. Mit den richtigen Ersatzteilen im Kofferraum gelingt es uns, den Austausch und Test einer Steuerungseinheit für das Abwassersystem innerhalb von zwei Stunden zu erledigen. Hierbei konnten wir uns Zeit lassen, da das Flugzeug erst wieder am nächsten Tag einen Einsatz haben wird.

11:40 Uhr:
Mittlerweile ist es Mittagszeit. Wieder im Norden angekommen, fangen wir gerade die 30-minütige Pause an und… das Telefon klingelt! Von der neuen Crew der D-ABYC kommt ein Hilferuf, dass eine Garderobentür in der First Class klemmt und sich nicht öffnen lässt. Für den Fluggast, welcher mehrere Tausend Euro für das Ticket bezahlt hat, ist das sicherlich ärgerlich.

Uns bleibt nichts anderes übrig, als die Pause zu verschieben und so schnell wie möglich zum Flieger zu fahren, da bei einem solchen „Standby-Call“ das Flugzeug schon bereit zum Abfliegen ist. Dort angekommen, müssen wir uns durch die knapp 400 Passagiere bis nach vorne durchkämpfen. Nach einigen Einstellversuchen konnten wir das Problem schließlich beheben und, ganz wichtig, den Fluggast zufriedenstellen! :)

12:10 Uhr:
Nun können wir unsere wohlverdiente Pause genießen und essen gemeinsam in unserer Kantine zum Mittag.

12:41 Uhr:
Jetzt wartet ein Airbus A330-300 mit der Registrierung „D-AIKD“ in einer unserer Wartungshallen. Das Flugzeug ist vor ein paar Stunden in Frankfurt angekommen und wurde zwecks größerer Checks auf das Lufthansa Technik Gelände geschleppt. Auch hier führen wir wieder einen R-Check durch, welcher reibungslos verläuft. Nach dem Tausch einiger Sitzbezüge haben wir es nun 13:20 Uhr.

13:43 Uhr:
Nun beschäftigen wir uns mit dem letzten Flugzeug des Tages, an dem wir wieder einen R-Check und einige Beanstandungen abarbeiten. Ein Passagier hat unwissend mit einer Trinkflasche die Verstellvorrichtung seines Business Class Sitzes verklemmt, welcher sich daraufhin nicht mehr ordnungsgemäß bewegen lässt. Auch das haben wir schnell in den Griff bekommen.

Wartung am Business Class Sitz Unsere neue Lufthansa Business Class Wartung am Business Class Sitz

14:23 Uhr:
Schichtwechsel. Nun übergeben wir die restlichen Arbeiten an die Kollegen der Spätschicht. Nach 8,5 Stunden Kabine checken, übers Vorfeld fahren und von Flugzeug zu Flugzeug eilen, haben wir es für heute geschafft!

Die gute Nachricht: Endlich können wir den Feierabend genießen und die Beine hochlegen! Die noch bessere: Morgen geht es wieder weiter, mit dem ganz normalen Wahnsinn auf dem Vorfeld! :)
Auch wenn sich der Tagesablauf auf den ersten Blick stressig anhört, bereitet mir die Arbeit direkt am Flugzeug, vor allem mit dem tobenden Vorfeldleben sehr viel Freude! Kein Tag ist wie der andere, es gibt immer wieder neue Ereignisse, die auf einen zukommen. :)

 

In diesem Sinne hoffe ich, dass ich Euch auch heute wieder einen spannenden Einblick in meine Ausbildungszeit geben konnte!

Habt ihr auch Lust, die Luftfahrttechnik hautnah zu erleben? Dann schaut doch mal unter www.be-lufthansa.com vorbei und informiert euch über ein Schülerpraktikum oder einen Ausbildungsplatz bei der Lufthansa Technik AG!

 

Bis zum nächsten Mal! Ich freue mich auf euch!

Euer Oliver