Nach nun fast 2 Jahren Ausbildungszeit sitze ich mal wieder eines Nachts am Flughafen und überblicke unsere Halle voller Flugzeuge, die darauf warten für den nächsten Tag in technisch einwandfreiem Zustand unsere Gäste an ihre Ziele zu transportieren.  Ein guter Zeitpunkt um die bisher verlaufene Zeit bei der Lufthansa CityLine etwas Revue passieren zu lassen:

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Im September 2013, im Anschluss an meinen Schulabschluss, bewarb ich mich bei der Lufthansa CityLine in München als Fluggerätmechaniker Fachrichtung Instandhaltungstechnik. Nachdem die ersten Tests bei be-lufthansa.de positiv verliefen, wurde ich recht bald zu meinem baldigen Ausbildungsleiter nach München für das Assessment eingeladen. Auch diesen anstrengenden und vor allem anspruchsvollen, aber – typisch CityLine – fast schon familiären Schritt absolvierte ich und so wurden dann über das laufende Jahr die Verträge ausgefüllt und sich bei einem Kennenlerntag auf die Ausbildung eingestimmt.
Die Zeit rannte, und so fand ich mich eines Morgens im Herbst 2014 in der Ausbildungswerkstatt unseres überbetrieblichen Partners mit einer Feile und dem klassischen U-Stahl wieder. Denn, auch das muss ein Fluggerätmechaniker können. Trotz immer mehr Elektronik und “einfachem” Teiletausch gehören auch Grundfertigkeiten der Metall- und Kunststoffbearbeitung zu unserem täglichen Geschäft. Diese werden in einem Stück im ersten Lehrjahr erlernt. So ging es über die Metallwerkstatt weiter in die Elektrik und von dort an in speziellere Disziplinen wie das Rohrbiegen oder anspruchsvolle Glasfaserverarbeitung. Diese Zeit, leider fernab von “richtigen” Fluggeräten, hat jedoch auch schnell ihr Ende und so wurden wir völlig heiß auf unseren wirklichen Arbeitsplatz in die Schichten am Flughafen München integriert.

Um etwas aus meinem Schlussresümee vorwegzunehmen: Mit Schichten sind Früh-, Spät- und Nachtschichten gemeint. Diese liegen auch ohne Kompromisse an jedem Tag im Jahr, selbst wenn z.B. Heiligabend ist. Dies war natürlich für uns eine dramatische Umstellung des Lebensstiles. Wir hatten auf einmal keinen Montag-Freitag Rhythmus mehr… Es gab nur noch Schichtblöcke und OFF-Tage (Tage an denen wir frei haben, unser Wochenende also). Vor allem für Familie und Freunde oft eine schwere Umstellung. Für einen selbst jedoch auch sehr vorteilhaft sich nicht nach dem Takt der Welt richten zu müssen. Die ersten Wochen waren bedingt durch die Eingliederung in das für uns neue Schichtsystem und den unzähligen auf uns einprasselnden Eindrücken einige der interessantesten aber auch anstrengendsten meines Lebens.

Unsere Flotte auf Vordermann zu bringen ist ein unheimlich komplexes Unterfangen. Untertags sind wir größtenteils damit beschäftigt, das Tagesgeschäft am Laufen zu halten -also den aktuellen Flugbetrieb zu versorgen. Hier kommt es auf zügiges, zielgerichtetes Arbeiten an, da die Passagiere für den nächsten Flug oftmals schon neugierig über die Schulter blicken während man am Flieger tätig ist. Für mich ist das der spannendste Teil der Arbeit.

Nachts hingegen, wenn sich das Erdinger Moos schlafen legt, geht es bei uns erst richtig los. Durch die relativ lange Bodenzeit der Flugzeuge werden hier anspruchsvollere, zeitintensivere und länger planbare Wartungsereignisse abgearbeitet. Hier lernt man als Auszubildender am Meisten, denn hier besteht meist etwas mehr Zeit unter den Blicken der Tutoren die Arbeiten mal “in Ruhe” auszuführen. Was man hier an Know-how lernt, ist im Tagesgeschäft – wenn es mal schneller gehen muss – enorm wichtig. Damit man sich auch kontinuierlich und etappenweise die komplexen Systeme unserer Flotte aneignet, werden wir in regelmäßigen Abständen von mehreren Personen gleichzeitig über spezielle Systeme geprüft. So ergibt sich am Ende der Ausbildung ein vollständiges Bild über die Komponenten des Flugzeuges.

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So viel als kleinen Einblick in meine Erfahrungen der letzten 2 Jahre. Eine Zeit die mich jetzt bereits enorm weitergebracht hat und die ich auf keinen Fall bereue. Damit soll auch gesagt werden: Schüler mit Abitur, traut euch auf die Universität (zunächst) zu verzichten! Die Kompetenzen, welche man während einer handwerklichen Ausbildung lernt sind unbezahlbar und im Leben so schnell nicht mehr erreichbar. Auch ich stand vor der schweren Entscheidung damals und hatte zunächst meine Zweifel. Diese sind aber schnell verflogen.

Und speziell dieser Beruf bietet eine in der heutigen Arbeitswelt seltene Vielseitigkeit: Fahre ich heute Morgen aufs Vorfeld? Oder wechsle ich im Hangar ein Triebwerk? Muss ich vielleicht sogar in einer Stunde in den Flieger einsteigen um an einer unserer Außenstationen ein liegengebliebenes Flugzeug zu reparieren? Das alles erfährt man erst, wenn man sich umgezogen hat und sich am Schichtbeginn zur Einteilung trifft. In welchem Job hat man das schon?

Außerdem: Nach Feierabend kann man getrost seine Gedanken im Spint hängen lassen, denn die getane Arbeit bleibt dort. Man hat seinen Kopf nach der Schicht frei und muss den Arbeitsplatz nicht mit nach Hause nehmen. Ein seltenes Gut heutzutage… Natürlich darf man auch die nicht so schönen Seiten nicht in den Schatten stellen. So ist die Schichtarbeit zwar in jungen Jahren noch recht gut verkraftbar, aber auch hier merkt man es dem Körper nach einiger Zeit an. Auch ist die Arbeit oftmals körperlich nicht zu vernachlässigen. Denn unsere Flotte benötigt ihre Pflege bei 35° im Sommer, als auch bei -15° und Schneefall im Winter. Kein leichtes Unterfangen.

Alles in allem geht man aber dennoch immer mit gutem Gefühl zur Arbeit und freut sich auf das, was der Tag bringt!

Ich hoffe mit diesem Bericht einen kleinen Einblick geben zu können, was euch bei einer Ausbildung bei der Lufthansa CityLine erwartet.

Bleibt nur noch eins zu sagen: Bewerbt euch für den Ausbildungsstart im September 2017!