Während meines ersten Einsatzes rund um das Thema Foresight & Market Intelligence habe ich das erste Mal von dem Produkt „APIP“ gehört, war mir allerdings nicht ganz sicher was sich genau dahinter verbirgt. Nach näherer Recherche und einem ersten Austausch mit dem Gruppenleiter des Produkts war mir aber klar, dass es sich hier um eine spannende Möglichkeit handelt bei den großen Flugzeug OEMs (Original Equipment Manufacturer) hinter die Kulissen zu schauen! Eine Chance, die man von der Seite eines MRO Betriebs sonst nur sehr selten bekommen kann. Zusätzlich befindet man sich in einer sehr interessanten Rolle, denn beim OEM sind wir als Kunde vor Ort, haben jedoch gleichermaßen selbst einen Kunden für unser Produkt.

Worum handelt es sich bei APIP? – Kurz gesagt: APIP steht für Aircraft Production Inspection Program. Etwas genauer: Wir als Lufthansa Technik vertreten den Kunden während der Produktion seines Flugzeugs und sorgen dafür, dass der OEM keine Mängel – auch noch so kleine – übersieht und der Kunde im Flugbetrieb oder der Wartung mit zusätzlichen Kosten konfrontiert ist. Wir stellen also sicher, dass ein Flugzeug im bestmöglichen Zustand an Betreiber übergeben wird. An dieser Stelle würde sicher der berechtigte Einwand kommen, dass ein Flugzeughersteller nur höchste Qualität liefert und ein neues Flugzeug fehlerfrei sein sollte. Das stimmt größtenteils auch, jedoch gilt es hier nicht nur die Mängel überhaupt zu finden, sondern auch diese frühzeitig zu entdecken und so zum Beispiel eine verspätete Auslieferung zu verhindern. Denn auch so werden Kosten für den zukünftigen Betreiber vermieden. Es gibt beispielsweise Mängel, die erst nach mehreren Jahren bei einer der umfangreicheren Flugzeugüberholungen sichtbar werden würden, allerdings schon im Vorhinein behoben werden können. Ein Beispiel hierfür ist fehlerhafte Kabelführung, die dazu führt, dass ein Kabel in Kontakt mit der Struktur tritt, wo es nicht der Fall sein dürfte. Es kommt zum Kabelscheuern und erst nach Jahren des Betriebs kommt es zu einem Fehler. Hier wäre es natürlich super das Problem zu beheben, bevor es überhaupt auftaucht. Der OEM bietet dazu seinen Kunden die Möglichkeit an, über definierte Inspektionen das Flugzeug in seinen einzelnen Bauabschnitten zu begutachten. Wir stehen dem Kunden also von Produktionsbeginn bis zur Auslieferung zur Seite und vertreten dessen Interessen.

Boeing 747 Produktion. Die Queen of the Skies wird heute nur noch als Frachter gebaut.

Eine meiner Hauptaufgaben bei meiner viermonatigen Einsatzzeit ist es, das Reporting für die Kunden zu überarbeiten. Jeder Kunde bekommt während und nach der Auslieferung entsprechende Informationen zu seinem eigenen Flugzeug über gefundene Mängel, potentiell vermiedene Kosten und weitere erbrachte Leistungen. Dieses optimierte Reporting erarbeite ich mit dem Team und den Inspektoren gemeinsam.

Um den Prozess zu verstehen, den ein Flugzeug bei uns im Team durchläuft, bin ich dafür unter anderem häufig bei unseren Kolleginnen und Kollegen bei Airbus in Finkenwerder – was aus Hamburg heraus ideal ist. Vor Ort lässt sich das Tagesgeschäft leichter und schneller verstehen. Ziel ist es insbesondere zu schauen, was wir an zusätzlichen Daten erheben können, die für unsere Kunden relevant sind. Da unsere Kunden in der Regel nicht nur bei einem der beiden großen OEMs (Airbus und Boeing) bestellen, sollten die Informationen am Ende die gleiche Basis aufweisen und herstellerspezifische Informationen gesondert betrachtet werden. Hierfür ist es notwendig sich auch die Produktion von Boeing in Washington an den beiden Standorten in Everett und Renton näher anzuschauen. Auf meiner zweiwöchigen Dienstreise nach Seattle hatte ich nun die Chance einen Blick hinter die Kulissen bei Boeing werfen. Von der Teilnahme an Inspektionen in den unterschiedlichsten Bauabschnitten bis zur anschließenden Datenpflege wurde mir ein Großteil der Prozesse gezeigt. Ein kleines Highlight nebenbei war natürlich der Blick auf die 777X Flight Test #3 – die erste 777X für Lufthansa mit geplanter Auslieferung im Sommer 2020. Bevor sie von Lufthansa übernommen wird, fliegt sie noch einige Monate für Tests von Boeing.

Boeing 777X Flight Test #1. (Courtesy Boeing)

Für die verbleibende Zeit werde ich die gesammelten Erkenntnisse so gut wie möglich umsetzen, damit zeitnah neue Reports automatisch generiert werden können. Automatisierung spielt dabei eine entscheidende Rolle, da wir nur so sicherstellen können, dass ein Kunde zur Auslieferung den entsprechenden Report erhält. Ich freue mich auf zwei weitere spannende Monate bei diesem doch sehr außergewöhnlichen Produkt.

 

Profile of StartTechnik Trainee

Jascha Grabsch ist seit Mai 2018 Teil der StartTechnik Trainee-Gemeinschaft. Er hat an der Technischen Universität Berlin Luft- und Raumfahrttechnik studiert. Während seines Studiums war Jascha als Praktikant in Peru in einem Ingenieursbüro für Wasserkraftanlagen und bei der Lufthansa Technik in Hamburg bei der PD Aircraft Systems im Bereich Innovation für Airframe Related Components tätig. Seinen ersten Kontakt mit Lufthansa hatte er durch sein Auslandssemester an der University of Washington in Seattle, welches über ein Stipendium der Deutschen Lufthansa Berlin Stiftung gefördert wurde.

Aktuell ist Jascha in seinem zweiten Projekteinsatz beim Aircraft Production Inspection Program Team. Das Team unterstützt Kunden weltweit während der Produktion und Auslieferung von neuen Flugzeugen. In seinem ersten Projekteinsatz war er Teil des Foresight and Market Intelligence Teams.