Wohin fliegen Flugbegleiter eigentlich am liebsten? Stimmt das Gerücht, dass sie sich ihre Flugziele selbst aussuchen dürfen? Sehen sie überhaupt noch etwas von der Stadt, wenn das sogenannte „Layover“ nur sehr kurz ist?

All diese Fragen und noch viel mehr beantworte ich Euch heute, denn auch die Lust zu reisen und fremde Länder und Kulturen kennenzulernen und zu entdecken ist einer der Gründe, warum man gerne Flugbegleiter werden möchte.

Mein monatlicher Dienstplan, der immer am 27. des Vormonats veröffentlicht wird, ist meist eine Mischung aus Kurz- Lang- und Mittelstreckentouren. Der 27. ist für uns Flugbegleiter also immer sehr, sehr spannend. Denn erst wenn der Plan veröffentlicht wird sehen wir, welche Länder und Städte wir im folgenden Monat anfliegen. Ihr könnt Euch also vorstellen, wie sehr wir der Veröffentlichung Monat für Monat „entgegenfiebern“. :-)

Hier ein Beispiel. Übernachtung in Doha, Shanghai, Delhi, Rom und Neapel

Hier ein Beispiel.
Übernachtung in Doha, Shanghai, Delhi, Rom und Neapel

Mittelstrecke, darunter werden alle Ziele zusammengefasst, die im mittleren Osten und Nordafrika liegen. Z.B. Doha, Dubai, Lagos, Teheran… usw. Nicht jeder liebt diese Ziele, da es dort im Sommer sehr heiß werden kann. Mit heiß meine ich 40Grad Celsius und mehr!!!! Aber wenn es bei uns ab November grau und kalt wird, dann ist es natürlich ein Highlight, wenn man für ein paar Tage die Sonne in mittleren Osten genießen kann. Denn dann sind die Temperaturen dort einfach nur traumhaft.

Kurzstrecke ist der Begriff für alle kontinentalen Flüge innerhalb Europas. Eine Kurzstreckentour dauert in der Regel zwei bis fünf Tage. Es gibt aber auch sogenannte „Tagestouren“, d.h. man fliegt nur einen einzigen Tag. Das hat natürlich den Vorteil, dass man abends wieder im eigenen Bett schlafen kann, aber die meisten Flugbegleiter bevorzugen Touren, bei denen man ein paar Tage unterwegs ist und in anderen Ländern und Städten übernachten kann. Schließlich möchte man ja auch etwas erleben ;-).

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FCO = ROM, NAP = NEAPEL

Habe ich z.B. eine „4-Tagestour“, so wie oben im Bild zu sehen ist, dann bin ich vier Tage unterwegs und übernachte immer wieder in einer anderen Stadt. Ein Tag besteht dann meist aus zwei bis fünf Flügen. Zum Beispiel Frankfurt – London – Frankfurt – Rom.  Endet der letzte Flug also im Ausland, dann geht die gesamte Crew dort ins Hotel.

Vier Flüge am Tag, das hört sich nach viel Arbeit an, ist es auch! Manchmal ist man fast 12 Stunden auf den Beinen und hat unglaublich vielen Menschen „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“ gesagt. Dann ist man wirklich froh, wenn man abends ins Hotel kommt und die Füße hochlegen und schlafen kann. Aber es gibt auch Tage, an denen man nur zwei oder drei Flüge hat und dann mehr Zeit am Zielort verbringen kann.

Aber nicht nur die Ziele und die Anzahl der Flüge pro Tag sind bei einer Kurzstreckentour entscheidend. Viel entscheidender ist manchmal die Frage:

„Ist es eine ‚Frühaufsteher- oder Spätaufstehertour‘ ???“

Eine Frühaufstehertour bei der mein Wecker täglich schon um 3Uhr morgens klingelt ist für mich als Langschläfer nicht so prickelnd. Das schöne an so einer Tour ist aber, man landet meist schon am frühen Nachmittag am Zielort und hat Zeit ein bisschen die Stadt zu erkunden, auch wenn man müde ist vom Tag, so lege ich mich ja nicht schon um 15Uhr am Nachmittag ins Bett. Oft setze ich mich dann in ein schönes Café und lasse den Tag entspannt ausklingen.

Es gibt auch Touren mit zwei Übernachtungen am selben Ort. So hatte ich z.B. letztens eine“4-Tagestour – Frühaufsteher“ u.a. mit zwei Übernachtungen in Neapel. Ich konnte am ersten Tag ein bisschen die Stadt erkunden.

Am nächsten Tag bin ich mit der Crew – nach getaner Arbeit und Ankunft in Neapel – in ein tolles Restaurant am Hafen gegangen. Dort haben wir dann mit Blick aufs Meer und leckerer Pasta den Tag ausklingen lassen.

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Und obwohl ich nicht so gerne früh aufstehe, habe ich mir diese Tour selbst ausgesucht. ;-)

Es stimmt also wirklich! Jeden Monat darf ich mir drei Ziele wünschen, die ich gerne anfliegen würde. Es gibt einen Hauptwunsch, einen Zweitwunsch und einen Drittwunsch. Ich bekomme leider nicht immer alle erfüllt, aber die meisten (wir nennen das „REQUESTEN“).

Es gibt einige Gründe, die zur einer „Requestablehnung“ führen können. Zum Beispiel bekommt ein Kollege, der länger fliegt als ich und schon länger nicht an dem Zielort gewesen ist eine Tour gewährt, auch wenn es mein Hauptwunsch war. Aber wenn man geschickt seine Wünsche platziert, kann man sich seinen Dienstplan recht gut gestalten.

Welche Ziele sind denn aber nun am beliebtesten bei uns Flugbegleitern? Hier sind die TOP 5:

Kapstadt, San Francisco, Rio, Bangkok und Hong Kong.

Ihr merkt, die Langstreckenziele zählen zu den Favoriten. Kein Wunder, denn man hat vor Ort viel mehr Zeit. Manchmal sogar bis zu zwei Tage bzw.48 Stunden.

Mein Lieblingsziel ist übrigens Los Angeles. Neun Stunden Zeitverschiebung sind zwar nicht einfach zu bewältigen, aber wenn ich bei einem leckeren Burger am Santa Monica Pier sitze, dann denke ich nicht mehr darüber nach.

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Das ein Flugbegleiter die Hotelkosten selbst zahlen muss ist natürlich ein Gerücht. Lufthansa übernimmt die Hotelkosten komplett. Auch der Transport von und zum Flughafen wird organsiert und bezahlt.

Wir Flugbegleiter  müssen einzig und allein für unsere Verpflegung aufkommen. Dafür bekommen wir allerdings Spesen, die je nach Aufenthaltsort und Aufenthaltslänge variieren.

Aber was ist, wenn mir eine Stadt so gut gefällt und ich gerne länger bleiben möchte? Könnte ich dann eigentlich mit einer Kollegin tauschen, die gerne eher nach Hause möchte? Was meint ihr?!

Nein, kann ich natürlich nicht. Würde ich das tun, würde ich die gesamte Crewplanung beeinflussen. Schließlich werden die Dienstpläne der Flugbegleiter sehr genau erstellt, so auch meiner. Jede Tour löst eine bestimmte Anzahl freier Tage im Anschluss aus. Direkt an diese freien Tage reiht sich die nächste Tour.

Die kleinste Veränderung im Dienstplan würde alles über den Haufen werfen.

Bricht allerdings in New York ein Schneesturm aus und der Flughafen wird geschlossen, dann verlängert sich der Aufenthalt vor Ort für die Crew unfreiwillig. In diesem Fall heißt es abwarten. Dann kann es natürlich auch passieren, dass man nicht mehr wie geplant an einem bestimmten Tag nach Hause fliegt und auch der kommende Flug im Dienstplan könnte sich verschieben.

Ihr seht also wie flexibel man im Privatleben sein sollte, in der Fliegerei kann nämlich so einiges umplanmäßig laufen.

Alle Fragen beantwortet? Ich glaube schon oder was meint Ihr? Wenn nicht, dann legt einfach los. Ich freue mich darauf Euch zeitnah zu antworten. Das hängt natürlich von meinem Dienstplan ab. ;-)

In diesem Sinne bis bald

Eure Sonja