Letzte Woche beim Abendbrot: Mein Ältester, noch gut ein Jahr vom Abitur entfernt, beginnt sich ernsthafter mit der Studienwahl auseinanderzusetzen. Nach einer Diskussion über diverse Online-Berufseignungstests kam dann die Frage: „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag, Papa?“ Freudige Überraschung: Der Nachwuchs macht nicht nur von selber mal den Mund auf, sondern zeigt auch noch Interesse an der eigenen Zukunft und dem Beruf des Vaters!

Da ich zudem gerade vor vier Wochen einen neuen Job innerhalb der Technik der Lufthansa CityLine angetreten habe, gibt es auch Neues zu berichten: War ich bis vor kurzem noch „Leiter Maintenance Control“, so bin ich nun „Head of FMS & Support Services“.

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Wartung erfordert immer viel Planung…

„Also“, beginne ich, „als Manager bin ich zuständig für die administrativen Anteile unseres Kundengeschäftes. Dafür baue ich gerade eine Abteilung in unserer neuen Business Unit für Fleet Management Support und Base Maintenance auf“.

Die glasigen Blicke meiner Kinder deuten darauf hin, dass ich dies vielleicht auch besser formulieren könnte. „Damit unsere Flugzeuge immer sicher unterwegs sind, werden sie regelmäßig kontrolliert und repariert. Alle zwei Jahre erfordert das dann auch richtig umfangreiche Arbeiten. Da sind über 20 Mann zwei Wochen lang damit beschäftigt, ein Flugzeug komplett auseinander- und wieder zusammen zu bauen. Und damit das reibungslos funktioniert und die Mechaniker immer alle Ersatzteile, Werkzeuge und Reparaturanleitungen zur Hand haben, bereiten meine Mitarbeiter diese Kontrollen, sogenannte “C-Checks“ detailliert vor.

Und weil wir diese Kontrollen schon sehr oft gemacht haben und auch eine vergleichsweise große Airline sind, bieten wir diese C-Checks auch für andere Fluggesellschaften an, die nicht so viele Flugzeuge und keine eigene Technikabteilung haben. Da wir da aber nicht die einzigen sind, die solche Arbeiten anbieten, müssen wir uns vorher gut überlegen, wie viel Geld wir dafür verlangen. Wir versuchen, ein optimales Angebot zu erstellen, So günstig, dass die Kunden sich für uns entscheiden, wir aber trotzdem noch etwas verdienen. Dafür habe ich Spezialisten, die genau ausrechnen, wie viel der Check uns selber kosten wird, und für die Kunden danach die Angebote erstellen.

Und für unsere zwei afrikanischen Kunden bieten wir noch mehr an: Da versorgen unsere Mechaniker die Flugzeuge am jeweiligen Heimatflughafen die Flugzeuge auch zwischen den großen Kontrollen. Sie füllen Öl nach oder wechseln einen kaputten Computer aus. Eine andere Gruppe meiner Mitarbeiter kümmert sich darum, dass nichts vergessen wird und die nötigen Ersatzteile rechtzeitig nach Afrika geschickt werden.“

So sieht das Flugzeug aus, wenn es im Rahmen der Checks „nackt“ ist

„Ok, und was machst Du dann den ganzen Tag?“ bohrt mein Zweiter nach.

„Gestern hatten wir einen Workshop, da habe ich mit den Kollegen Process Re-Engineering gemacht…“ – wieder diese glasigen Blicke. Zweiter Versuch: „Im Moment baue ich meine Abteilung noch auf, weil alles neu organisiert wird. Das heißt, ich stelle neue Kollegen ein, überlege, was bei unserer Arbeit eigentlich wichtig ist und spreche dafür mit unseren Mechanikern, wie wir sie noch besser unterstützen können. Wenn mir dabei etwas auffällt, das noch nicht so gut funktioniert, setze ich mich mit meinen Kollegen zusammen und wir beraten gemeinsam, was wir zukünftig anders machen können. Falls wir dafür etwas brauchen, neue Computer, Software oder Beratung durch Experten, bestelle ich das. Wenn es sehr teuer wird frage ich vorher meinen Chef. Dann wird alles aufgeschrieben, was wir besprochen und bestellt haben, und aus welchem Grund. Nach einigen Wochen wird dann noch mal kontrolliert ob es auch so läuft wie wir uns das gedacht haben. Ich versuche also jeden Tag die Firma ein bisschen besser zu machen“.

Ein Blick von oben in unsere Technikhalle in Köln

Ein toller Beruf, viel Abwechslung, Zusammenarbeit mit Menschen und anspruchsvolle Technik: das wär‘ doch was für meine Kinder? Ingenieure werden ja immer gesucht, also eine zukunftssichere Berufswahl.

Ein Blick in die Runde: Schulterzucken beim Ältesten: „Ich überleg nochmal weiter“. Der Zweite: „Ich hätte lieber was, wo ich keinen Chef hab‘, sondern nur Leute, die für mich arbeiten“. Meine große Tochter: „Nö, lieber was mit Büchern. Autorin oder, wenn das nicht klappt, Lektorin“. Bleibt noch die Jüngste: „Ach Papa, ich lass später mal meinen Mann arbeiten.“

Da ist es in der Familie wie im Management: Nicht immer läuft alles wie man es sich wünscht. Aber morgen ist ein neuer Tag und zur Not gibt’s ja noch den zukünftigen Schwiegersohn.

Hartwig Hagena