Jeden Tag 400 Flüge, 400 Starts und Landungen. Jedes mal checkt der Pilot vorher Wetter, Route, Besonderheiten. Alles ist nur einen Klick am Laptop entfernt. Fällt das einfach so vom Himmel? Wer nimmt dem Pilot denn freiwillig diese Sammelarbeit ab?

Diese besonderen Leute nennen sich Flugdienstberater. Klingt langweilig? Find‘ ich auch. Deswegen gibt es einen englischen Begriff für diesen Job, nämlich Dispatcher.

Klingt besser und ist auch gar nicht langweilig. Nun arbeiten diese im Dispatch – der Flugvorbereitung einer Airline, der Schmiede aller Flugpläne. So übernimmt der Dispatcher eine unglaublich wichtige Position für die Sicherheit. Er empfiehlt den Piloten eine Strecke mit Umleitung, Ausweichflughäfen und Flughöhen. Sogar noch wie viel er tanken soll. Kein Wunder, dass diese Abteilung ständig kontrolliert wird, wenn man dabei Gesetze und Vorschriften einhalten will.

Ich am typischen Arbeitsplatz eines Dispatchers

Ich am typischen Arbeitsplatz eines Dispatchers, ganz schön viele Bildschirme, was?!

Das geschieht mit sogenannten Audits. Erfahrene Prüfer kommen dann vorbei und untersuchen den Dispatch von Kopf bis Fuß, auf Herz und Nieren.

Bei meinem Praktikum durfte ich ein solches Audit mit vorbereiten. Nicht weniger als null Beanstandungen waren das erklärte Ziel. So machten sich vor mir schon drei Kollegen über den Berg an Arbeit her. Wir durchwühlten Akten, stellten Handbücher auf den Kopf und besserten Schwachstellen aus. Für jede noch so knifflige Frage eine passende Antwort zu finden, war unsere Mission. Nach Monaten der Vorbereitung standen am Ende vier große, randvolle Ordner im Raum, auf die wir irgendwie stolz waren. Ein Tag vor dem Audit machte sich langsam eine Anspannung und konzentrierte Stille breit. Das war kein Stoßgebet vor dem Untergang, aber immer wieder die Frage „Reicht das auch?“.

Der nächste Morgen, neun Uhr. Ein etwas älterer Herr mit stolzem Bauch betritt unser Büro. Es ist unser Prüfer, Tom. Etwas gezeichnet vom Jetlag, erklärt er in bestem amerikanischen Englisch, warum er nicht schon längst in Rente sei: „Also eigentlich war ich kurze Zeit Rentner, aber meine Frau – ihr wisst ja wie Frauen nun mal sind – hat mich verrückt gemacht.“ Trotz allen Ernstes haben wir also unseren Spaß und man wird etwas lockerer. Tom stellt seine Fragen, worauf wir unser Wissen zum Besten geben. Hier ein Beweis, da eine Begründung, schau hier und dort, es gibt dies und das. Er wird regelrecht belagert und wir schreiten im rasanten Tempo durch die Ordner.

Am Ende sagt er: „Die haben mich müde gemacht, von allen Seiten. Es gab einfach nichts, was ich machen konnte. Wenn einer von ihnen müde war, sprang der andere ein. Also, diese Typen haben einen richtig guten Job gemacht.“

Und ich sage, was ich im Dispatch erlebt habe, war eine tolle Erfahrung. Als einfacher Praktikant von vornherein Teil eines Teams zu sein, in dem man Verantwortung trägt und die Freiheit besitzt etwas mitzugestalten, hat mich in allen Belangen einen Schritt weitergebracht. Jetzt weiß ich nämlich auch, dass Flugpläne nicht einfach vom Himmel fallen.

Aber wenn das Herz nicht mehr will, ist es aus. Gott sei Dank sorgt man im Dispatch vor. Nur heißt es nicht Herzschrittmacher – langweilig – sondern „Emergency Response & Action Plan“. Klingt viel besser und ist auch gar nicht langweilig.

Viele Grüße, euer Philipp (Praktikant im Bereich Dispatch der Lufthansa CityLine GmbH)