Liebe Follower,

mit meinem heutigen Blog möchte ich Euch einen kleinen Einblick in mein Privatleben geben, Euch zeigen wie meine Dienstpläne aussehen und Euch die positiven & negativen Seiten meines „Jobs“ vor Augen führen. Denn vielleicht fragt sich der ein oder andere von Euch:

‚Soll ich mich bewerben oder nicht? Wie oft bin ich überhaupt noch zuhause? Wie oft sehe ich meine Freunde? Was wird aus meiner Beziehung? Kann ich meinen Hobbies noch nachgehen und immer Mittwochs zu meinem Yogakurs? Wie werden meine Dienstpläne wohl aussehen?‘

Ladies & Gentlemen, Eure Ahnungslosigkeit wird ab heute ein Ende haben!

Fasten your seatbelts! Es geht los ;-)

Es ist ein grauer, kalter Montag im November…..
Ich bin gerade dabei meinen Koffer zu packen, als mein Telefon klingelt.  „Hallo Svenja, wie geht’s?“ rufe ich begeistert in den Hörer.  „Frag nicht“, antwortet sie. „Ich kämpfe mich durch den Regen ins Büro und es ist letzte Woche soviel liegen geblieben, dass ich wahrscheinlich Überstunden machen muss. Und wie geht’s Dir?“ “ Ich glaube etwas besser als Dir, ich fliege morgen nach Dubai. Aber ich verspreche Dir, ich bringe Dir eine große Portion Sonne mit!“ Sie lacht, „Wehe wenn nicht!“
Als wir auflegen überlege ich, welchen Bikini ich wohl mitnehme, den Schwarzen oder doch lieber den Grünen? Ach ja und Sonnencreme darf ich nicht vergessen. Arme Svenja, ich würde sie gerne in meinen Koffer packen und mitnehmen auf meine Tour nach Dubai, in die Sonne und Wärme. Ich habe dort zwar nur 24 Stunden Aufenthalt, aber für ein bisschen Sonne reicht die Zeit auf jeden Fall.

-Szenenwechsel-
Es ist Freitag. Das Wochenende steht vor der Tür. Yipeeeh!!!
Morgen früh treffen sich meine Freundinnen zu einem Brunch in meinem Lieblingscafe und am Abend feiert ein Freund von uns seinen runden Geburtstag und alle sind sich sicher: Es wird eine grandiose Party.
Wer kann an diesem Wochenende nicht dabei sein? Ich, Sonja, Flugbegleiterin, die gemeinsam mit ihrer Crew im Hotel in New York festhängt und keine Ahnung hat, wann der Flughafen wieder öffnet.  Sturmwarnung! Also heißt es abwarten, Tee trinken und das beste draus machen.

-Szenenwechsel-
Ich bin auf dem Flug nach San Francisco. Ute, Jil und ich arbeiten an Bord im Business-Class Team. Wir haben soviel Spass mit den Gästen und auch miteinander und teilen denselben Humor! Herrlich.
Bis vor ein paar Stunden kannte ich die beiden noch nicht, habe sie erst im Briefing kennengelernt , aber wir verstehen uns auf Anhieb und verabreden uns noch an Bord für den freien Tag im „Layover“.
Wir machen gemeinsam eine Radtour nach Sausalito und haben einfach eine tolle Zeit.
Auch auf dem Rückflug gibt es viel zu Lachen, wenn gleich ein bisschen Traurigkeit mitschwingt, dass unsere gemeinsame Tour bald vorbei sein wird.  Nach der Landung verabschieden wir uns mit einer Umarmung und hoffen, dass wir irgendwann noch einmal miteinander fliegen. Aber bei so vielen Flugbegleitern ist die Chance sehr gering. Macht nichts! Wir hatten einen tollen „Umlauf“ und haben eine WhatsApp-Gruppe gegründet und uns bei Facebook angefreundet. Wer weiß, vielleicht bleiben wir ja so in Kontakt.

-Szenenwechsel-
Weihnachten steht vor der Tür. ‚Ob ich denn kommen würde dieses Jahr?‘, fragt mich meine Mum am Telefon. Ich kann es ihr nicht sagen. In diesem Jahr habe ich Rufbereitschaft über Weihnachten.
Fällt jemand wegen Krankheit oder aus irgendeinem anderen Grund aus, muss ich einspringen. Wenn nicht, habe ich frei. ‚Na gut‘, sagt sie. Wir reden noch ein bisschen und legen beide traurig auf. Rufbereitschaft über Weihnachten zu haben ist wirklich alles andere als ein Highlight, aber zum Glück habe ich es danach hinter mir und bin im nächsten Jahr ganz sicher nicht mehr dran.

-Szenenwechsel-
Ich sitze beim Frühstück im Hotel in Los Angeles. Mein Handy blinkt auf. Eine Whatsapp Message von meiner Freundin Sandra. Sie ist vor einem Jahr nach Californien gezogen. Alle drei Monate requeste ich mir einen Flug nach L.A. und besuche sie.
Wir haben einen grandiosen Tag und posten fleißig Fotos bei Facebook, damit der Rest unserer Mädelstruppe sieht: Sandy geht es gut und die Geschenke sind angekommen! Herrlich! Ich liebe meinen Beruf.

Venice Beach mit Sandra

Venice Beach mit Sandra

Fünf Szenen aus meinem Leben liebe Follower. Ich weiß, es ist eine ungewöhnliche Art meinen Blogbeitrag so zu beginnen.  Genauso ungewöhnlich wie, ja wie eigentlich? Wie mein Beruf? Wie meine Freizeit? Wie mein Privatleben? Ich gebe ehrlich zu, ja es ist anders und ungewöhnlich. Aber was bedeutet das genau?

Als Flugbegleiterin habe ich zehn bis 13 freie Tage im Monat! Das ist mehr als jeder andere Arbeitnehmer in Deutschland im Durchschnitt bekommt (in der Regel 4 x Samstag & Sonntag = 8).  Dreizehn freie Tage? Das ist ganz schön viel mögen die einen jetzt sagen. Ja, das scheint zwar so, aber als Flugbegleiter benötigt man einfach diese freien Tage um sich zu erholen. Denn Nachtflüge, Zeitverschiebungen und Klimaunterschiede sind anstrengend für den Körper.

Jeden Monat kann ich mir vier freie Tage am Stück so „requesten“ wie ich möchte. Gleichzeitig wünsche ich mir einen Flug, der mit der geplanten Ruhezeit im Anschluss ebenfalls ein paar Tage abdeckt,  die mir wichtig sind.
Da es in der Fliegerei aber auch ab und zu mal zu Unregelmäßigkeiten kommen kann (Stichwort: Wetterchaos s.o.), sind meine Flüge nicht in Stein gemeißelt. Aber in 95% der Fälle läuft alles nach (Dienst)plan.

Habe ich also ein paar Tage, an denen ich unbedingt zuhause sein möchte, dann lege ich mir meine vier freien „Wunschtage“ genau auf die entsprechenden Daten.
Das ist in meinen Augen grandios! Wer hat schon jeden Monat vier freie Tage am Stück ohne Urlaubstag?!
Manchmal lege ich mir diese sogar von Mittwoch bis Samstag. Dann kann ich auch mal ganz entspannt unter der Woche in der Stadt meine Dinge erledigen und muss nicht -wie die meisten- am Samstag in die City, die dann oft aus allen Nähten platzt.

Habe ich allerdings einen Sportkurs, der jeden Montag stattfindet, könnte es sich schwierig gestalten immer an diesen Tagen zuhause zu sein, um nicht zu sagen: Die Chancen stehen eher schlecht. Aber zum Glück gibt es ja unendlich viele Kurse und nicht nur den einen ;-).

Auch über einen Feiertag die sogenannten „OFF-Tage“ zu bekommen klappt nicht immer. Wer meinen letzten Blogartikel gelesen hat, der kennt bereits die Gerechtigkeitskriterien. Wer zuletzt seine OFF-Tage gewährt bekommen hat, steht ganz hinten auf der Liste.

Es gibt aber auch Kollegen, die gerne über Feiertage fliegen und sich eine tolle Tour wünschen. Statt Ostereier im Schnee zu suchen, liegen sie dann genüsslich am Strand von Doha und brutzeln in der Sonne ;-) .

Drei Beispielpläne von mir:

Bild mit Rufbereitschaft

Hier seht ihr neben den Flügen nach Lagos (LAD), Los Angeles (LAX) und einer 3Tagestour (Bologna & Hamburg) noch meine vier fixierten OFFTage und eine Rufbereitschaft, die am 27. beginnt. Außerdem habe ich am 1. und am 8. noch ein Bodenereignis. Dies kann z.B. eine ‚Erste Hilfe Schulung‘, aber auch eine ‚FlugLizenzschulung‘ sein.

 

Bild mit Urlaub

Bei diesem Plan seht ihr, dass direkt nach meinem Ashgabat-Flug (ASB) sogenannte Ortstage und meine OFF-Tage liegen, sodass ich sechs Tage am Stück frei habe. Das passiert selten, aber in dem Monat hatte ich Glück. :-) Ortstage sind ebenfalls fixierte Tage im Plan, die man sich aber nicht wünschen kann. Nach den OFF-Tagen folgt eine 5-Tagestour mit einem ganzen Tag frei in Moskau (DME) und zwei aufeinander folgenden Übernachtungen in Sofia (SOF). Danach drei freie Tage und ein Flug nach Shanghai. Im Anschluss Urlaub (U) und danach ein Flug nach New York (JFK)

 

Bildschirmfoto 2015-10-19 um 21.01.26

Das war ein besonders toller Plan, denn ich hatte Anfang des Monats vier freie Tage. Danach folgte ein Umlauf nach Doha (DOH) und im Anschluss ein Flug nach Shanghai (PVG). Nach vier freien Tagen ging es weiter nach Delhi (DEL). Dann eine Serviceschulung (D4) und im Anschluss eine tolle 5-Tagestour mit Rom (FCO) und zwei aufeinander folgenden Nächten in Neapel (NAP).

Aber was passiert in der Zeit, in der ich nicht zuhause bin?
Vermissen mich meine Freunde und mein Freund? Wie gehen sie damit um, wenn ich schon zum dritten Mal hintereinander bei einer Verabredung nicht dabei sein kann? Bekomme ich womöglich Heimweh?

Hier kann ich nur sagen: THANK YOU MARK ZUCKERBERG!!!!!
Dank der vielen neuen Medien, habe ich ein „Privatleben“ auch wenn ich manchmal eigentlich keins habe!
Was wäre ich ohne Facebook, WhatsApp, Instagram, Skype und Facetime????????? WLAN ist für mich mittlerweile „lebenswichtig“ geworden. ;-) So nehme ich nicht nur virtuell teil am Leben meiner Freunde, sondern sie auch an meinem.

Und wenn ich wieder mal ein tolles Foto aus Singapur, Hong Kong oder Shanghai poste, dann gibt es nicht nur ein LIKE sondern zum Glück auch den nötigen Respekt vor meinem Beruf und dem Leben mit Nachtschichten, Zeitverschiebungen, Jetlag und Klimaunterschieden.

Das es gänzlich ausgeschlossen, anstrengend oder gar unmöglich ist eine Beziehung zu führen wenn man Flugbegleiter ist, ist ein Gerücht. Es klappt hervorragend. Und wenn ich meinen Freund mal ganz doll vermisse oder er mich, dann „Facetimen“ oder „Skypen“ wir. Und manchmal ist es auch gar nicht so schlecht, wenn man sich ein paar Tage nicht sieht. Wir freuen uns dafür umso mehr, wenn wir wieder zusammen sind und etwas gemeinsam unternehmen können.

So meine lieben Follower, das war’s für heute.
Ich hoffe Ihr hattet Spass beim Lesen und ich konnte Euch ein bisschen Licht ins Dunkel bringen?! Vielleicht habt Ihr ja noch ein paar Fragen? Legt los.

Bis bald Eure Sonja