Egal ob als kurzer Layover oder als temporäre Heimat für Expats: Singapur begeistert und fasziniert, wenn man einen Blick hinter die Spiegelfassaden der zahlreichen Shoppingmalls wirft. Im Palais Renaissance findet man zwischen Breitling und Hermes den Fahrstuhl, der in das LHT Office führt. Und weil in Singapur nichts unmöglich ist, kann ich morgens meine Wohnung verlassen und in die Unterwelten abtauchen – um 30 Minuten später im Büro aufzutauchen ohne auch nur einen Regentropfen abbekommen zu haben. Natürlich kommt meine Bahn in einer Mall an, und natürlich komme ich von einer Mall auch in vier weitere Malls. (Frei nach dem Motto Never Change a Winning „Way“ laufe ich seit fünf Monaten den gleichen Weg… Ich traue mich nicht anders abzubiegen). Und selbstverständlich gehen wir in einer der Malls auch Mittagessen, vorbei an Tory Burch und anderen Luxusdesignern. Die Preise im Foodcourt sind im Vergleich zur Big Pan aus der Kantine Wucher, im Vergleich zu Restaurants hingegen ein „wahres Schnäppchen“. Es gibt Laksa, Nasi Lemak, Pattay Nudeln, Roti Prata, Char Kway Teow, Chicken Rice, Yong Tau Fun und dutzende andere Gerichte – wenn die unterschiedlichen Nationen aus dem Büro mittags Essen gehen, kann also jeder nach seiner Fasson glücklich sein. In den Foodcourts herrscht eine bunte Mischung an Besuchern, quer durch alle Gesellschaftsschichten. Bauarbeiter in Gummistiefel und Leuchtweste sitzen am Tisch neben Bänkern mit Fliege und weißen Manschetten. Dazwischen zierliche Asiatinnen in High Heels, mit je einem Pfund Glitzersteinen besetzt, und zahlreiche Expats, die sich durch die vielen kulinarischen Highlights essen.

Nicht nur die Küchen sind bunt gemischt, das Sales Team hier vor Ort ist es ebenfalls. Normalerweise arbeiten 20 Kollegen hier – ich erinnere abgesehen von unserer Weihnachtsfeier aber keinen Moment, an dem alle Kollegen hier waren. Spicejet, Vietjet, Nok und noch viele weitere Kunden wollen rund um die Uhr betreut werden – gäbe es ein Meilenkonto, würden die Sales Kollegen allesamt zum HON-Circle zählen.

Das Marina Sands Bay als Wahrzeichen der 5,4 Mio. Metropole.

Das Marina Sands Bay als Wahrzeichen der 5,4 Mio. Metropole.

Obwohl man Singapur auch liebevoll „Asia for Beginners“ nennt, so ist das Arbeiten, in der für mich saubersten Stadt der Welt, anders als zu Hause auf der Lufthansa Technik Basis in Hamburg, und das liegt nicht nur an den vorherrschend kühlen Temperaturen der Klimaanlage, die die singapurianischen Kollegen gerne auf kühle 16 Grad stellen. Es sind vielmehr die ganz unterschiedlichen Kulturen und Arbeitsweisen die meinen Büroalltag in Singapur so bunt gestaltet haben, und nicht zuletzt der Zeitunterschied nach Deutschland, von 7 Stunden in den Wintermonaten, stellte uns ab und an vor außergewöhnlich koordinatives Geschick. Obwohl ich in meiner Zeit des Studiums bereits einige Vorlesungen zum Thema Intercultural Competence absolviert hatte, so stellte ich recht schnell fest, dass gelernte Theorie doch selten in der gelebten Praxis anwendbar ist. Ich stellte ebenfalls recht schnell fest, dass die Visitenkarte der Schlüssel zum Asiengeschäft ist. Während in Europa erst nach intensivem Austausch untereinander, Visitenkarten gewechselt werden, so ticken die Uhren in Asien diesbezüglich anders. Hier werden Visitenkarten feierlich und mit beiden Händen überreicht und entgegengenommen, und sind sozusagen der „Door-Opener“ für ein Gespräch. So hatte ich im Rahmen meines Projekteinsatzes die Möglichkeit an einem Forum teilzunehmen, bei dem über die Entwicklung des asiatischen MRO-Marktes diskutiert wurde. Neben spannenden Vorträgen und interessanten Gesprächen, hatte ich am Ende des Vormittags einen großen Stapel an Visitenkarten gesammelt. Als ich ebenfalls meine Visitenkarten aushändigte, bemerkte ich, dass mein Gegenüber positiv erfreut war, den Firmennamen Lufthansa Technik zu sehen, und mich jedes Mal anerkennend anschaute. Der Name Lufthansa steht auch in Asien für Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und sehr hohe Qualität und Professionalität. Nachdem ich bereits im Ideenmanagement und der Langstreckenwartung war, entschied ich mich, mein drittes Projekt im Asia Pacific Sales Team zu absolvieren. Ich habe mich die letzten 5 Monate intensiv damit befasst, den Informationsfluss von Produktverbesserungen, Marktveränderungen und Kundenanforderungen zwischen Deutschland und Asien effizienter zu gestalten. Um einen neuen Prozess aufbauen zu können, musste ich intensive Gespräche mit den unterschiedlichen Produktdivisionen der Technik und der zentralen Strategieabteilung führen. Hinzu kamen Einzelinterviews mit den Corporate Sales Kollegen aus Asien, um ganz genau abstecken zu können, warum der Informationsfluss nicht immer reibungslos verlief. Ein spannendes Projekt, in dem viele verschiedene Meinungen und Interessen berücksichtigt werden mussten, und in dem ich häufige Feedback-Runden gedreht habe, bis am Ende das finale Konzept des Produkt Champions abgenickt wurde und von allen Beteiligten auch getragen wurde. Dabei wurde mir erneut sehr viel Handlungsspielraum gewährt und ich konnte kreativ meine eigenen Ideen einbringen und eine neue Rolle aktiv gestalten.

Singapurs beeindruckende Skyline spiegelt die kommerzielle Relevanz des Standortes wieder.

Der kuriose Alltag der Singapurer zwischen Tradition und Moderne, Ahnenkult und Fortschrittsglauben, Konsumrausch und Spiritualität macht diese Stadt einmalig. Ich fühle mich pudelwohl und vermisse Kaugummiflecken und Zigarettenkippen auf den Bürgersteigen nicht. Dank einer überdurchschnittlich gewissenhaften Regierung, viersprachigen Verbotsschildern und der Mückenpolizei wurde aus dem Malaria-Sumpfgebiet Singapur – und meine zweite Heimat.


 

StartTechniker Kurzprofil

Alena Pirkl hat an der Internationalen Hochschule Bad Honnef Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Luftverkehrsmanagement & Sales studiert. Schon während des Studiums hat sie ein Praktikum im Lufthansakonzern absolviert und ihre Kenntnisse im Bereich Corporate & Regional Sales in der Praxis angewandt. Nachdem sie ihre ersten Traineeprojekte im Ideen- & Innovationsmanagement, in der Flugzeugüberholung und im Corporate Sales Asia Pacifc erfolgreich abgeschlossen hat, durchläuft sie aktuell ihren letzten Einsatz im Vertragsmanagement für neue Triebwerksmuster.
In ihrer Freizeit reist Alena gerne und erkundet dabei die regionalen kulinarischen Highlights. Zudem begeistert sie sich für die neuen Technologien in der Luft- und Raumfahrtindustrie.