Hallo ihr Lieben,

 

beim letzten Mal konntet ihr einen kleinen Eindruck davon bekommen, wie aufregend unser Bereitschaftsdienst Standby sein kann. Wie ist es aber mit der Arbeit an Bord? Was sind außer „Safteinschenken“ (ihr erinnert euch bestimmt an meine Vorurteile zu unserem Beruf, die ich in meinem ersten Blogeintrag beschrieben hatte … ?!) die Aufgaben und Herausforderungen, die einen erwarten?

 

Ich weiß nicht, wie ich mich bewegen soll, wem mich zuerst zuwenden. In meinen Händen halte ich ein Tablett, neben mir zieht jemand an meinem Ärmel und redet lautstark in einer fremden Sprache auf mich ein, die Kollegin hinter mir ruft: „Noch ein Hühnchen!“ Ich stecke zwischen zwei Servicewagen fest und würde mich am liebsten verkriechen. War der Gang vorhin auch schon so eng? Und wieso schauen mich alle an?

 

Anstatt wegzulaufen, atme ich erst einmal tief durch. „Just one moment please“ sage ich der Dame, die immer noch an meinem Ärmel hängt. Das Tablett reiche ich mit einem entschuldigenden Lächeln dem Herrn zu meiner Rechten und hole ein weiteres mit der Hühnchenauswahl für die Kollegin. Endlich kann ich mich der aufgeregten Passagierin zuwenden. Sie möchte nur etwas trinken … Atmen, atmen …

 

Heute Nacht habe ich wegen des Jetlags nicht schlafen können und der lange Tagflug kommt mir jetzt zum Ende hin herausfordernder vor als erwartet. In der Bordküche angekommen, setze ich mich kurz. Meine Hühnchen-Kollegin reicht mir ein Wasser: „Ich weiß …“, sagt sie nur und lächelt verständnisvoll. Wir tanken etwas Energie und weiter geht’s.

 

Im Crewrest können wir uns während der Pause zurückziehen und etwas abschalten.

Im Crewrest können wir uns während der Pause zurückziehen und etwas abschalten.

Die Kraft brauche ich wirklich, denn unsere Passagiere kriegen nicht einfach nur ihren Saft serviert. Es befinden sich 330 Individuen an Bord, die auch als solche wahrgenommen werden möchten. Einige brauchen mehr Aufmerksamkeit, andere weniger. Hier kümmere ich mich um zwei Kinder, da behandelt man ein Wehwehchen. Die Aufgaben sind weit gefächert. Als Flugbegleiterin bin ich: Sicherheitsbeauftragte, Kellnerin, Krankenschwester, Mediatorin, Angsttherapeutin, Babysitterin.

 

Manchmal gibt es Flüge, da kann kommen was will und ich löse jede Herausforderung kinderleicht – auf anderen Flügen erscheint einem alles schwieriger. Wie bei allen Berufen ist das tages- und flugabhängig. Aber auf eines kann man sich immer verlassen: Es wird nicht langweilig, denn kein Flug gleicht dem vorherigen und die Crew hilft und unterstützt sich untereinander. Wir stehen Problemen also nie allein gegenüber und finden immer eine Lösung.

 

An Bord und auch im Layover in Kasachstan ein gutes Team – die Stimmung in der Crew stimmt :)

An Bord und auch im Layover in Kasachstan ein gutes Team – die Stimmung in der Crew stimmt :)

So ist es immer, wenn man mit Menschen arbeitet und gerade das macht für mich den Reiz aus. Sei es noch so anstrengend, so aufregend und vielfältig ist es auch. Ich treffe interessante Menschen, bereise die Welt, lebe in den schönsten Hotels – und werde dafür bezahlt.

 

Aber jetzt geht es erst einmal für 4 Tage nach Hause. Ich werde meine Uniform ausziehen und nicht mehr ans Fliegen denken! Noch eine schöne Sache: Denn wenn der Flug vorbei ist und man sich von der Crew verabschiedet hat, hat man frei. Man nimmt keine Arbeit mit nach Hause und kann sich erholen und sich seinen Freunden und Hobbies widmen.

 

Müde aber glücklich – nach einem New York Flug albere ich mit einer Kollegin herum.

Müde aber glücklich – nach einem New York Flug albere ich mit einer Kollegin herum.