Hallo liebe Blog Leser, dieses Mal möchte ich Euch von einem Ereignis berichten, das in regelmäßigen Abständen in unseren Dienstplänen auftaucht – vom Erste-Hilfe-Training.

Wie Ihr Euch vielleicht denken könnt, kann es immer mal wieder dazu kommen, dass es einem unserer Gäste nicht so gut geht. Immer wieder fliegt ein Passagier mit Kopfweh oder Magenschmerzen mit uns. Da können wir problemlos helfen. Doch manchmal gibt es ernste Probleme: Unterzuckerung, Atembeschwerden, falscher Blutdruck.  Da sind wir gefordert, denn an Bord sind wir die Ersthelfer. Deshalb sieht das Luftfahrtbundesamt regelmäßige (Nach-)Schulungen vor – Anfang des Monats war es bei mir wieder mal so weit.

 

Mein Dienstplan mit dem Erste Hilfe-Symbol ("EH")

Mein Dienstplan mit dem Erste Hilfe-Symbol („EH“)

Natürlich beschäftige ich mich regelmäßig mit diesem Thema (zumal ich als Purser auch dafür verantwortlich bin, wechselnde Erste-Hilfe-Themen in meinen Briefings mit meinen Kollegen durchzuarbeiten). Trotzdem nahm ich mir zwei Tage vorher noch mal unser Erste-Hilfe-Manual zur Hand, in dem unser komplettes medizinisches Equipment erläutert und beschrieben ist und verschiedene Verfahren geregelt sind. So fühle ich mich auf das bevorstehende Training bestens vorbereitet, und auch Dinge, die vielleicht nicht mehr 150%ig präsent waren, sind nun wieder voll da.

Die Übungs- und Attrappenhalle im LFTC

Die Übungs- und Attrappenhalle im LFTC

Donnerstagmorgen um 8.30 Uhr ist es also soweit – ich finde mich zusammen mit 19 anderen am „Meeting Point“ im LFTC (Lufthansa Flight Training Center) ein. Hier holt uns unser Trainer ab, der selbst u.a. Rettungssanitäter und OP-Pfleger ist, und geht mit uns in den Seminarraum. Das Training setzt sich aus verschiedenen Punkten zusammen: Zuerst wird als Wiederholung das allgemein gültige Schema zum Patientencheck durchgesprochen, nachdem ein Passagier, der ein medizinisches Problem hat, betreut und behandelt werden soll. Das wird auch später nochmal am „CBT“ vertieft – „CBT“ steht für Computer Based Training, und ist eine ganz spannende und kurzweilige Trainingsmethode: Man sitzt am PC und arbeitet ein Programm durch, in dem Lerninhalte audiovisuell behandelt werden, mittels gesprochenen Texten, Videos, Drag-and-Draw-Folien etc. Ich klicke mich also durch das 80 Folien beinhaltende Programm und fühle mich nun noch besser für alle Eventualitäten gewappnet als ohnehin schon.

 

Ich am CBT - "Patientencheck"

Ich am CBT – „Patientencheck“

Nach dem Patientencheck erarbeiten wir in einer Gruppenarbeit die Inhalte unseres Verbandskastens und Doctors Kit, und tragen zusammen, in welchem Fall wir welches Equipment benutzen können, bzw. für welches der drei großen und lebenswichtigen Organe (na, wisst Ihr, welche Organe ich meine? Richtig – Herz, Lunge und Gehirn) sie hilfreich sein können.

Danach kommt das Herzstück des Trainings, nämlich verschiedene praktische Übungen. Und die laufen folgendermaßen ab: einige der Teilnehmer bekommen eine Art „Schauspielanweisung“ ,auf der genau steht, welche Beschwerden, welche Medikamente sie genommen und welche Werte beispielsweise Puls und Blutdruck haben. Die anderen Kollegen verkörpern Crew oder Passagiere. Es ist natürlich Aufgabe der Flugbegleiter, dem schauspielernden Patienten bestmöglich zu helfen. Ich als Purser habe dabei in der Regel eine besondere Rolle: Ich kümmere mich darum, dass z.B. ein Arzt ausgerufen wird (denn auf den allermeisten Flügen ist irgend ein Arzt oder zumindest medizinisches Fachpersonal zu Gast). Darüber hinaus bin ich dafür zuständig, unsere Cockpitkollegen über unseren medizinischen Notfall zu unterrichten, denn sie sind diejenigen, die im Fall der Fälle über eine Zwischenlandung entscheiden. So haben sie schon mal Zeit, sich zu überlegen ob es in der Nähe unter Umständen mögliche Ausweichflughäfen gibt, an denen unser Patient natürlich noch besser als an Bord versorgt werden kann. Und schließlich bin ich auch dazu da, meine Crew zu unterstützen, zu schauen, dass „alles läuft“ und alle erforderlichen Maßnahmen getroffen werden, unseren Gast wieder fit zu bekommen.

 

Unsere Übungspuppen, daneben liegen Sauerstoffflasche, Defibrillator und Beatmungsmasken

Unsere Übungspuppen, daneben liegen Sauerstoffflasche, Defibrillator und Beatmungsmasken

Ganz zum Schluss gibt es noch eine Wiederholung des Reanimationstrainings -das ist jedes Jahr obligatorisch. Geübt wird an zwei Puppen – Pumpen, Beatmen, Defibrillator anschließen, Sauerstoff verabreichen – das volle Programm. Das hört sich jetzt schlimmer an, als es ist: Dadurch, dass wir regelmäßig unser Training absolvieren und auch in jedem Briefing ein First-Aid-Thema besprochen wird, sind wir umfassend auf alle Eventualitäten vorbereitet. Wir fühlen uns sicher und fit, allen Gästen in Sachen „Medizinischer Notfall“ helfen zu können. Und wenn Ihr  Euch entscheidet, auch bei uns fliegen zu wollen, werdet Ihr sehen, dass ich damit Recht habe… Also, bis zum nächsten Mal und bis bald, Euer Dominik