Hallo meine Lieben,

mein 3. Lehrjahr hat begonnen und es ist wieder Zeit für einen neuen Blogeintrag. Ich möchte Euch, wie versprochen, von meinen Erlebnissen und Eindrücken in meinem neuen Ausbildungsabschnitt erzählen.

Seit meinem letzten Blogeintrag sind einige Wochen vergangen und mittlerweile befinde ich mich in einer festen Wartungsgruppe für die Boeing 747 Flotte. Hier werde ich die Zeit des 3. und 4. Lehrjahres verbringen. Gemeinsam mit meiner Lehrgesellin und anderen Arbeitskollegen bin ich hier für die Instandhaltung und Wartung der „Jumbos“ zuständig.

Dabei lerne ich nicht nur das Montieren und Demontieren von Flugzeugbauteilen, sondern auch den  Zusammenhang zwischen den Bauteilen und den verschiedenen Flugzeugsystemen, sowie die technische Dokumentation meiner durchgeführten Arbeiten.

Ein Flugzeugbauteil, das ich unter anderem bisher demontiert und montiert habe, möchte ich Euch heute grob vorstellen. Dafür habe ich mir den Radwechsel ausgesucht, wobei das nicht die einzige Arbeit war, die ich bisher an dem Jumbo gemacht habe. Das Aufgabenspektrum reicht vom Radwechsel und Bremsenwechsel über das Auffüllen der Hydraulikreservoirs und Säubern der Federbeine bis hin zur Durchführung von Systemtesten im Cockpit oder das Entnehmen einer Fuelprobe für das Labor uvm. Wie Ihr seht hat eine Fluggerätmechanikerin einen großen Aufgabenbereich in der Instandhaltung und Wartung von Flugzeugen.

Bevor ich Euch von meinem Radwechsel erzähle, möchte ich Euch fragen, ob Ihr wisst wie viele Räder ein Jumbo hat?!

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Richtig, es sind 18 Stück! Ganz schön viele oder? Dabei bedenke man, dass die Räder hohen Temperaturen ausgesetzt sind, beispielsweise beim Bremsen oder bei der Landung, und sich die Räder durch die Belastungen unterschiedlich stark abnutzen. Somit ist es sehr wichtig die Räder ständig bzw. täglich auf Beschädigungen, Fremdkörper oder Abnutzung zu untersuchen.

Für meinen ersten Radwechsel an einem Jumbo habe ich zusammen mit meinem Arbeitskollegen die technischen Papiere, nach denen wir arbeiten müssen, aus dem Aircraft Maintenance Manual (AMM) herausgesucht. Auf diesen technischen Papieren steht Schritt für Schritt, wie man einen Radwechsel durchführt und welches Equipment dazu benötigt wird. Da sie auf Englisch geschrieben sind, ist es manchmal gar nicht so einfach, aus den technischen Papieren herauszufinden, was ich jetzt genau alles machen muss. Da ich aber jeder Zeit meine Arbeitskollegen fragen kann und sie mir gerne helfen, fühle ich mich sicherer meine Aufgaben durchzuführen.

Nachdem wir zusammen die technischen Arbeitspapiere besprochen hatten, ging es auch schon los, das benötigte Werkzeug aus der Werkzeugausgabe zu holen. Für einen Radwechsel benötigt man unter anderem einen Flugzeugheber, Drehmomentschlüssel mit verschiedenen Aufsätzen, eine Werkzeugkiste, Stickstoff zum Befüllen des neuen Rades und natürlich ein neues Rad.

Ein Rad für die 747-8i

Ein Rad für die 747-8i

Das Rad auf dem Foto ist von einer 747-8i. Es sieht auf dem Foto recht klein aus, doch in Wirklichkeit ist es viel größer. Es ist wirklich schwierig ein so großes Rad vor sich her zu rollen, aber mit der richtigen Technik, die ich durch meine Arbeitskollegen erlernt habe, kann ich ein Jumbo Reifen problemlos vor mir her rollen.

Ihr fragt Euch sicher, wann so ein Rad gewechselt wird. Vor jedem Start und bei jedem Check werden die Räder auf Beschädigungen untersucht. Entdeckt man einen Cut (Schnitt) oder einen Riss, misst man die Tiefe dieser Beschädigung und schaut in den entsprechenden technischen Unterlagen nach, ob der Schnitt oder Riss noch im Limit ist. Ist die Beschädigung noch im Limit, so muss das Rad nicht gewechselt werden und wenn sie außerhalb des Limits ist wird er sofort gewechselt. Aber auch Fremdkörper können im Reifenprofil stecken bleiben, wie zum Beispiel kleinere Metallteile oder eine Schraube. In solchen Fällen wird das Rad ebenfalls gewechselt.

Um das Rad wechseln zu können, muss man das Flugzeug mit Hilfe eines Flugzeughebers „anheben“. Ihr könnt Euch das so ähnlich wie beim Reifenwechsel an einem Auto vorstellen. Nachdem das Flugzeug angehoben wurde, wird das beschädigte oder auch abgefahrene Rad von der Flugzeugachse mit entsprechendem Werkzeug demontiert. Danach wird die Flugzeugachse sauber gemacht und auf Beschädigungen überprüft. Wenn alles in Ordnung ist, wird das neue Rad auf die Flugzeugachse montiert. Dabei muss die Mutter des Rades, die das Rad auf der Achse hält, mit Hilfe des Drehmomentschlüssels und mit einem bestimmten Torquewert festgezogen werden. Hierfür ist eine große Kraft erforderlich, die leicht unterschätzt wird. Bei dieser Aufgabe war ich anfangs skeptisch, da der Drehmomentschlüssel fast so groß ist wie ich (1,60m). Aber ich kann Euch sagen, dass auch Frauen eine Mutter vom Rad eines Jumbos festziehen können, denn ich habe meinen Arbeitskollegen (überwiegend Männer) beim Festziehen der Mutter des Rades Frauenpower bewiesen, was mir ein gutes Gefühl bereitete, trotz meiner Skepsis am Anfang.

Eins der

Das Hauptfahrwerk eines Jumbos

Nachdem das Rad fest auf der Achse montiert wurde, wurde der Reifen auf einen entsprechenden Wert von ca. 15 bar mit Stickstoff befüllt. Dabei muss man aber zwischen Bugrad und Hauptfahrwerksrad unterscheiden, weil diese Räder unterschiedliche Druckwerte haben. Zum Abschluss wurde das Flugzeug wieder herabgelassen und der Flugzeugheber entfernt.

Damit ich sicher sein konnte, dass das Rad, das ich gewechselt hatte, auch den richtigen Druck enthält, kontrollierte ich im Cockpit den Druckwert der Reifen. Abschließend dokumentierte ich meine zuvor ausgeführte Arbeit in den Arbeitspapieren bzw. in dem Technical Logbook (TLB) zusammen mit meinem Arbeitskollegen.

Doch wohin mit dem demontierten beschädigten Rad? Dieses Rad wird zu anderen beschädigten oder abgenutzten Rädern gestellt, wo sie nach verschiedenen Zuständen sortiert sind. Diese Räder werden zum größten Teil überholt und erneuert, um sie später wieder für die Montage zu benutzen.

Überholte Räder für die Montage

Überholte Räder für die Montage an einem Jumbo

Nun habt Ihr einen kleinen Einblick bekommen, wie in etwa der Radwechsel an einem Jumbo durchgeführt wird. Da das Fotografieren von Arbeiten am Flugzeug unerwünscht ist, habe ich Euch leider nur einzelne Bilder der Flugzeugbauteile zeigen können. Ich bitte um Euer Verständnis.

Ich bin sehr gespannt, was ich noch alles bei den Jumbos entdecken werde, denn sie sind einfach super spannend und es ist sehr interessant immer wieder etwas Neues zu lernen, um meinen Wissensfundus weiter auszubauen. Ich werde Euch auf dem Laufenden halten.

Ich hoffe, ich konnte Euch, vor allem den Frauen unter uns, zeigen, dass auch Frauen die Kraft haben große und schwere Räder zu wechseln, auch wenn wir Frauen öfters unterschätzt werden. Habt den Mut auch mal Frauenpower unter den Männern zu zeigen, denn das Gefühl ist großartig!

Liebe Grüße und bis zum nächsten Mal,

Eure Catrin

Für Fragen stehe ich Euch gerne zur Verfügung – feel free to ask!

 

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