Hallo Leute,

wie ich euch hier im Blog schon in meinen letzten Beiträgen berichtet hatte, setzte ich das Kulturaustauschprogramm in Frankreich Anfang September für 4 Wochen fort und besuchte wieder die an der Garonne gelegene Stadt Bordeaux. Auf meinen dritten und letzten Besuch hatte ich mich besonders gefreut, da ich das Glück hatte die Flugzeugwartungsfirma Sabena technics zu besuchen. Falls ihr meine ersten Erfahrungsberichte aus Frankreich noch nicht gelesen habt und interessiert seid, könnt ihr euch folgende Beiträge gerne noch einmal anschauen:

-Fascination aéronautique – über den Tellerrand blicken.

-Von der Airbus Kabine zur Falcon Tragfläche – Travail varié

Blick auf Paris nach dem Start in CDG

Blick auf den Wartungsbetrieb Sabena nach der Landung

 

 

Nach der Landung am Flughafen Bordeaux Merignac konnte ich schon die Tore und Hallen der Firma begutachten, die für den kommenden Monat mein Arbeitsplatz werden würde. Mit meinen Arbeitskollegen bezog ich ein Haus in der Nähe des am Flughafen gelegenen „Bordeaux Aeropark“. Am ersten Arbeitstag bei Sabena technics wurden wir natürlich auf Englisch empfangen und lernten auch die Vorarbeiter kennen, mit welchen wir für die nächste Zeit in  den Hangars arbeiten würden. Die Arbeit begann direkt an einem Airbus A310, der einen großen Check hinter sich hatte. Zum Abschluss der Arbeiten an den Triebwerken wurde ein „Run up“ durchgeführt. Bei dieser Prozedur wird das Flugzeug aus den Hallen mit einem Schlepper auf das Vorfeld positioniert, um die Motoren zu starten. Ich saß während des Vorgangs mit meinem französischen Kollegen im Cockpit und beobachtete die Parameter, welche die Instrumente anzeigten, um sicher zu stellen, dass Start und Funktion reibungslos ablaufen.

Der Airbus umschlungen von Gerüsten

Nachdem der Airbus abgearbeitet war, landete schon der nächste Vogel. Ein Airbus A330-200 erreichte den Wartungsbetrieb. Der Jet wurde in die Halle befördert und mit großen Gerüsten versehen, um den Zugang der Techniker an jeder Position zu gewährleisten. Ein C-Check steht an, hierbei wird das Flugzeug im folgenden Monat auf Herz und Nieren getestet und gewartet. Um den Zugang zu verschiedenen Bauteilen herzustellen, werden Panels aufgeschraubt sowie Räder und Bremsen des Langstreckenkolosses entfernt. In den folgenden Wochen kontrollierten wir akribisch das Fahrwerk, die Triebwerke sowie die hydraulischen und elektrischen Systeme. Hierzu hatte ich verschiedene Tests über den Wartungscomputer im Cockpit durchgeführt.

 

Durchführen von Tests im Cockpit des A330

Auch sehr interessant war die Arbeit an den Rolce Royce Trent 772B Triebwerken. Neben den Standardarbeiten, wie das Kontrollieren der Zündkerzen und Treibstoffrohre, sollten wir den Abstand der großen Schaufelblätter zur inneren Triebwerksverkleidung messen, da diese wohl außerhalb der Toleranz waren. An einigen Stellen hatten wir später mittels eines speziellen Schleifpapiers den zugelassenen Abstand wieder hergestellt.

 

Niederschreiben der Spaltlmaße in die Wartungsunterlagen                Bearbeiten des Triebwerkseinlasses

 

 

 

Kontrollieren der Sauerstoffmasken in der Kabine

Die Kabine des Airbus wurde fast komplett ausgeräumt und die Sauerstoffmasken, welche die Passagiere im Falle eines Druckabfalls in 12.000 Metern Höhe mit Atemluft versorgen sollen, wurden später aus ihren Fächern geholt. Sorgfältig inspizierten wir die Masken und suchten nach Beschädigungen und Verunreinigungen. Nachdem diese gereinigt wurden, verstauten wir sie wieder in ihren Fächern.

 

Detailiertes inspizieren der RAT RAM AIR TURBINE

Was passiert eigentlich, wenn beide Triebwerke und das Hilfsaggregat des Jets ausfallen? Kann der Airbus noch bis zum nächsten Flughafen gleiten? Die Antwort ist Ja! In diesem Falle fährt ein kleiner Propeller aus der rechten Tragfläche aus, der vom Staudruck der anströmenden Luft angetrieben wird, um einen Notstrom und Hydraulikdruck für die wichtigsten Systeme und Steuerflächen zu gewährleisten. Mit meinen Kollegen aktivieren wir die Turbine manuell aus dem Cockpit, um eine detaillierte Kontrolle des Bauteils vorzunehmen.

 

 

Nach all diesen Checks und dem Wiederanbringen der Bauteile, wie zum Beispiel Panels sowie Räder und Bremsen, ist der Airbus A330-200 wieder fit für den Flugbetrieb!

 

Aber während meiner Dienstreise wurde nicht nur gearbeitet, ich konnte auch wieder einiges an Kultur in und um die Stadt kennenlernen. Wir hatten zum Beispiel ein berühmtes Chateau in Bordeaux besichtigt, das den Wein in Katakomben unter der Erde reifen lässt. Aber auch den Zusammenhalt unter uns Kollegen hat die Reise in den Süden Frankreichs gestärkt. So waren wir öfter abends gemeinsam essen oder am Strand in Arcachon, da wir noch einen perfekten Spätsommer mit viel Sonne innerhalb der 4 Wochen Aufenthalt genießen konnten.

Strand in Archachon

Katakomben eines Chateaus in Bordeaux

 

 

Zum Abschluss meiner Arbeit in Frankreich kann ich nur sagen, dass es mich menschlich und fachlich bereichert hat. Ich habe viele französische Kollegen kennengelernt, mit denen ich Kontakt halte. Ebenso die Arbeit und die Verständigung auf Englisch waren Erfahrungsgewinne für mein weiteres Berufsleben.

Ich hoffe euch haben die Berichte über meine beruflichen Erlebnisse in Frankreich gefallen. Natürlich werde ich mich wieder melden, um euch von meinem Alltag bei der Langstreckenwartung aus Frankfurt bei Lufthansa Technik zu berichten!

Sonnenuntergang an der Garonne

Falls ihr auch Interesse an einem Job in der Luftfahrt bei Lufthansa Technik habt, dann schaut doch einfach mal bei www.be-lufthansa.de vorbei.

 

Bis dahin viel Erfolg.