FIRST CLASS IN THE AIR

Hello Ladies & Gentlemen!

Willkommen an Bord der LH454 nach San Francisco! Ich bin Sonja, seit mehreren Jahren First-Class-Flugbegleiterin bei der Deutschen Lufthansa.

First-Class-Flugbegleiterin?  Ja genau, Ihr habt richtig gelesen. Es gibt bei Lufthansa sogenannte „Qualified-First-Class-Flugbegleiter“.

Ihr fragt Euch vielleicht: ‚Wo ist der Unterschied zwischen einem „normalen“ und einem First-Class-Flugbegleiter?’ Der erste Unterschied macht sich gleich im Briefing bemerkbar. Im Briefing (1.45Std vor Abflug) werden nicht nur alle flugrelevanten Details besprochen sondern auch die Positionen verteilt. Jeder Flugbegleiter erhält eine Position, die zusätzlich zur sicherheitsrelevanten auch eine bestimmte Servicefunktion beinhaltet. Auf einem Langstreckenflug sind diese Positionen in der Economy Class, Premium Economy Class, Business Class und First Class.

An Bord meines heutigen Fluges nach San Francisco – mit dem Airbus A380 – gibt es insgesamt 20 zu vergebene Positionen. Jeder Flugbegleiter hat die Möglichkeit sich auszusuchen in welcher Klasse er gerne arbeiten möchte. Derjenige, der am längsten bei Lufthansa als Flugbegleiter arbeitet hat die höchste „Seniorität“ und kann sich die Position als erstes aussuchen.

Mein Name steht auch auf der Crewliste, allerdings ist er mit einer (#)Raute gekennzeichnet. Das bedeutet ich bin ein „Qualified-First-Class-Flugbegleiter“ und werde vorzugsweise in der ersten Klasse eingesetzt.

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Normalerweise sind auf jedem Langstreckenflug zwei Flugbegleiter mit dieser Kennzeichnung. Es kann aber auch vorkommen, dass es drei oder sogar vier sind. In diesem Fall entscheidet auch hier die Seniorität.   Alle übrig gebliebenen First-Class-Flugbegleiter weden dann entsprechend in den anderen Klassen eingesetzt.

Auf meinem heutigen Flug nach San Francisco ist meine Position auf dem A380 oben im Upper Deck. Hier befindet sich die First-Class. Im Gegensatz zu den anderen Klassen betreue ich dort gemeinsam mit einem weiteren F/Cl-Flubegbegleiter maximal acht Passagiere. Wer allerdings glaubt, dass das weniger Arbeit bedeutet der täuscht sich, denn meine Aufgaben in der ersten Klasse sind wesentlich umfangreicher und die Erwartungshaltung der First-Class Passagiere eine ganz besondere.

Meine Gäste erhalten einen Service auf dem Niveau eines Sterne Restaurants. Zu Beginn gibt es einen Champagner & Kaviar-Service. Im Anschluss können die Passagiere aus der Speisekarte ein 6-Gänge Menu auswählen

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Alle Speisen werden von mir natürlich auf Porzellantellern serviert und jeder kann essen was und vor allem wann er möchte.  Zu jeder Speise gibt es außerdem eine große Auswahl an exzellenten Weinen und Spirituosen, die ich als F/Cl-Flugbegleiter alle kennen muss.

Außerdem nehme ich mir in der First Class viel mehr Zeit für die Passagiere, deren Namen ich schon vor Beginn des Fluges auswendig lernen muss, da ich jeden einzelnen Gast persönlich empfange und betreue.

Im Laufe des Fluges spreche ich nicht nur Wein- und Menüempfehlungen aus, ich unterhalte mich auch sehr gerne mit meinen Gästen über ihre Reisen und Erlebnisse, aber auch über Politik und Wirtschaft. Deshalb sollte man als F/Cl-Flugbegleiter eine gute Allgemeinbildung haben und sehr gut „small talken“ können.

Da oft hochrangige Gäste mit mir in der First Class reisen, ist auch Stil und Etikette sehr, sehr wichtig.

 

Ihr merkt, dass sich die Arbeit im Vergleich zur Economy Class in vielen Punkten unterscheidet und gastronomisches Wissen von Vorteil ist. Deshalb habe ich nach der Qualifikation als First-Class Flugbegleiterin in meiner Freizeit an einigen Schulungen & Seminaren teilgenommen, um mein Wissen zu erweitern.

Wie aber wird man Qualified-First-Class-Flugbegleiter?

Die Voraussetzungen sind eine sechsmonatige fliegerische Tätigkeit bei Lufthansa und eine einwandfreie Personalakte. Sind diese beiden Punkte erfüllt, wird man zu einem Interview eingeladen. Die Interviewfragen beziehen sich auf Eure Motivation, Haltung sowie konkrete Produkt- und gastronomische Vorkenntnisse. Darüber hinaus wird auf das Kontakt- und Kommunikationsverhalten, auf die Kunden- und Serviceorientierung, das persönliche Auftreten und Erscheinungsbild und nicht zuletzt auf die Selbstständigkeit, das Engagement und Initiative geachtet. Nach einem erfolgreichen Gespräch durchläuft man anschließend ein dreitägiges Basistraining und geht im Anschluss auf Strecke.

In diesem Sinne „always happy landings“

Eure Sonja