Hallo zusammen,

nachdem ich euch im letzten Blogbeitrag über den angehenden Frankreich-Austausch berichtet habe, folgt, wie versprochen, heute mal wieder etwas zu meinem Ausbildungsfortschritt und was wir in der vergangenen Zeit so alles gelernt haben!

Inzwischen bin ich schon im zehnten Monat meiner Ausbildung, in dem von Feilarbeiten oder der Metallverarbeitung kaum mehr die Rede ist. Auch wenn sie ein interessantes und herausforderndes Thema ist, bin ich wirklich froh, nun endlich meinem eigentlichen Berufsfeld von Tag zu Tag etwas näher zu kommen. :-) Insgesamt sieben Monate haben wir gebraucht, um die Grundausbildung in der Lehrwerkstatt abzuschließen und gehen nun zu den Lehrgängen über, die nächstes Frühjahr vom Schichtdienst abgelöst werden.

Einer unserer Lehrsäle.Seit April besuchen wir nun Lehrgänge über Lehrgänge, welche sich hauptsächlich mit der Flugzeugelektronik bzw. der Elektro- technik befassen und uns so optimal auf den späteren Einstieg in die Schicht vorbereiten.

In unserem ersten Lehrgang „Electrical Fundaments“ (z. dt. „Elektrische Grundlagen“) haben wir gelernt, was Strom überhaupt ist, wie man ihn messen kann und welche Bedeutung er für das Flugzeug hat. Dabei mussten wir uns viel Theorie anhören, allerdings wurde diese auch durch praktische Arbeiten und Versuche untermalt.

Im Anschluss daran ist mir ein Lehrgang ganz besonders hängen geblieben – „Cables and Connectors“ (z. dt. „Elektrische Verbindungen“). Hier haben wir mit einem original nachgestellten Hautfeld eines Flugzeugs gearbeitet und konnten die gelernten Grundlagen beim Verkabeln von Anschlüssen und Bauteilen sicher anwenden. Es ist wirklich erstaunlich, wenn man bedenkt, dass durch ein Flugzeug Millionen von Leitungen gehen, die insgesamt mehrere hundert Kilometer lang sind!


Das Hautfeld.Kann man einen schöneren Ausblick haben?Die Leitungen müssen genau verlegt werden.

 

 

 

 

 

 

Wir haben während dieser zwei Wochen wirklich viel über das „Innenleben“ eines Flugzeugs gelernt, mussten aber auch sehr filigran arbeiten. Die Leitungen im Flugzeug sind sehr dünn, leicht und müssen auf engstem Raum befestigt und angeschlossen werden. Noch dazu werden sie zu ganzen Kabelbäumen zusammengefasst – hier muss man erstmal den Überblick behalten!

Auch weitere Lehrgänge, wie „Hydraulik“, „Kleben und Verbundstoffe“ oder „Rohre und Seile“ zeigen uns, wie ein Flugzeug aufgebaut ist. So erhalten wir ein breites Spektrum an Wissen, was uns später helfen wird und uns als Elektroniker über den Tellerrand hinausschauen lässt.

Stecken von Hydraulikkreisläufen als praktische Arbeit.

Wusstet ihr zum Beispiel, dass die Hydraulikanlagen im Flugzeug einen Betriebsdruck von 3000 psi haben? Das sind umgerechnet 207 bar, welche im Bezug auf die 4,5 bar eures Fahrradreifens wirklich enorm sind! Wenn man aber bedenkt, dass die Flugsteuerungen gegen eine Luftgeschwindigkeit von bis zu 900 km/h arbeiten müssen, ist verständlich, dass die Anlagen so stark konzipiert sind.

 

Auch das „Sandwichbauteil“, welches wir während unseres Klebelehrganges angefertigt haben, ist nur 20 x 20 cm groß und gut einen Zentimeter dick. Wenn ich euch sage, dass das der Boden ist, auf dem ihr im Flugzeug lauft, glaubt ihr mir das?Unter der GFK-Deckschicht: der Kern aus Bienenwabenmaterial.
In der Tat ist das so! Diese 200 g halten durch das Verwenden von Glasfasern und Bienenwaben- strukturen sogar mehrere einhundert Kilogramm aus! Kaum zu glauben, aber das ist wirklich erstaunlich! Moderne Flugzeuge, wie zum Beispiel der Airbus A350 XWB oder die Boeing 787, bestehen zu 50% aus solchen Leichtbauten. Das spart viel Gewicht, ist genauso stark und wird die Zukunft der Luftfahrt maßgeblich bestimmen.

 

Ich könnte mit solchen erstaunlichen Fakten und Erfahrungen noch weiter machen, aber das würde hier definitiv den Rahmen sprengen. :-) Trotzdem hoffe ich, dass ich euch einen tollen Einblick über die vergangenen Monate hier in der Ausbildung geben konnte. Einen Fakt habe ich allerdings noch, denn nach der Grundausbildung macht es noch mehr Spaß! Warum? Da man direkt in die „Flugzeugmaterie“ einsteigt und sich nicht mehr, wie in der Schule, mit uninteressanten Themen herumschlagen muss, sondern endlich mal das lernen kann, was einen auch interessiert!

Abgerundet mit einigen Gängen rund um unsere Flugzeuge, ist das wirklich nicht zu toppen! Hier unten seht ihr zum Beispiel ein Bild von unserer A380-Begehung im Rahmen der Werfteinweisung, welche für unsere späteren Einsätze in der Halle wichtig ist. :-)


A380 in der Wartungshalle der LHT-Frankfurt.

 

Habt ihr auch Lust, die Luftfahrttechnik hautnah zu erleben? Dann schaut doch mal unter www.be-lufthansa.com vorbei und informiert euch über ein Schülerpraktikum oder einen Ausbildungsplatz bei der Lufthansa Technik AG! Kein anderer kommt näher an und in die Flugzeuge, als wir! :-)

 

Bis zum nächsten Mal! Ich freue mich auf euch!

Euer Oliver