Hallo liebe Blog-Leser,

ich möchte mich kurz vorstellen: Mein Name ist David und ich studiere Maschinenbau mit Schwerpunkt Flugzeug-Systemtechnik an der Technischen Universität Hamburg-Harburg. Derzeit mache ich ein sechsmonatiges Praktikum bei der Lufthansa Technik AG im Bereich VIP & Executive Jet Solutions. Dort werden gewöhnliche Verkehrsflugzeuge (z.B. Boeing 747 oder Airbus A340) in wahre Luxuspaläste umgebaut. In diesem Blog gebe ich euch mal einen Einblick in eine Arbeitswoche bei Lufthansa Technik.

Mein Praktikumsthema ist dabei die Untersuchung von Toleranzketten in der Innenverkleidung. Ich schaue mir an, mit welcher Genauigkeit die Bauteile ausgerichtet werden und ob man nicht mehr Toleranz bei diesen Vorgängen zulassen könnte. In der aktuellen Woche wollen wir Messungen einiger Teile durchführen, um zu bestimmen, wie genau diese eingebaut worden sind. Außerdem schauen wir uns die Verformung des eigentlichen Flugzeuges an, da die Strukturelemente der Maschine als Referenz beim Einbau genutzt werden.

So sieht ein fertiges Flugzeug in etwa von innen aus

So sieht ein fertiges Flugzeug in etwa von innen aus

Montag

Dieser Tag war geprägt von den Vorbereitungen für die Messungen. Die Durchführung soll morgen stattfinden. Gemeinsam mit den Messingenieuren habe ich heute Morgen geplant, welchen Bereich in den Fliegern wir untersuchen und welche Bauteile geeignet sind. Nach genauen Überlegungen haben wir uns für den Abschnitt knapp hinter den Flügeln entschieden (hier steht uns für morgen genug Platz zur Verfügung). Am Nachmittag habe ich dann an einem weiteren Projekt von mir gearbeitet. Ich erstelle derzeit eine Bewegungsanimation in Solidworks (das ist ein CAD-Programm), um die Auswirkungen von anderen Toleranzen simulieren zu können. Dafür baue ich ein Stück der Kabine am Computer nach und lasse diese in verschiedenen Abweichungsszenarien sich bewegen.

Dienstag

Heute fand die eigentliche Messung statt! Als Messgerät verwenden wir ein Tachymeter, welches den Abstand durch die Ermittlung der Laufzeit eines Laserstrahls misst. Dafür wird eine Kugel, welche aus speziellem Reflektionsglas für den Laser besteht, an das Bauteil angehalten. Das Tachymeter richtet sich automatisch auf diese aus und folgt ihr dann auch, wenn man die Position verändert. Wenn man die Kugel an das zu messende Bauteile anlegt, muss man nur einmal die Messung auslösen. Zum Ergebnis addiert das Programm einmal den halben Kugeldurchmesser und schon hat man die Position bestimmt. Zuerst misst sich das Tachymeter anhand verschiedener Orientierungspunkte im Flieger ein, dann geht es schon los. Da die Kugel ständig neu angelegt werden muss, dauert die Messung ziemlich lange. Auf die Resultate muss ich leider noch etwas warten, da diese von den Messingenieuren erst aufbereitet werden müssen.

Mittwoch

Heute habe ich die Ergebnisse der Messung vorliegen. Diese sind sehr interessant, da doch die eine oder andere Abweichung aufgetreten ist. Ich beginne jetzt mit der Ausarbeitung einer Präsentation für die Beratung, welche dann morgen stattfinden soll. Ich stelle die Ergebnisse vor, dann wird entschieden, wie wir weiter vorgehen und welche Schlüsse daraus gezogen werden. Über die Art einer solchen Präsentation habe ich hier im Praktikum sehr viel gelernt. Insbesondere das Strukturieren ist dabei nicht so einfach wie man denkt, man muss ein Gefühl für seine Zuhörer entwickeln und einen roten Faden einbauen, sonst wird das alles sehr langweilig. Heute widme ich mich dann auch wieder den Bewegungsanalysen. Das Abstimmen der einzelnen Bewegungen erfordert sehr viel Zeit.

Donnerstag

Heute ist die angekündigte Beratung. Die Präsentation ist gut gelaufen (inzwischen hab ich das einigermaßen raus). Als Resultat wurde sich nach langem hin und her darauf geeinigt, auch noch den zweiten Flieger zu vermessen. Wir wollen schauen, ob es sich bei den gefundenen Auswirkungen um eine einmalige Sache handelt oder ob diese wiederholt auftreten. Das Flugzeug ist nämlich tatsächlich schief und das auch noch relativ stark.

Daher beginne ich jetzt mit der Planung der nächsten Messung. Diese soll nächste Woche stattfinden und muss ebenfalls erneut gründlich vorbereitet werden. Dabei müssen erneut die verfügbaren Bereiche bestimmt werden, da wir mehr Platz benötigen. Der andere Flieger wird nämlich etwas genauer untersucht, damit wir auch wirklich die benötigten Daten bekommen.

Mein Arbeitsplatz: In diesen Hallen werden fliegende Paläste gebaut

Mein Arbeitsplatz: In diesen Hallen werden fliegende Paläste gebaut

Freitag

Zum Freitag ist es im Büro meistens etwas entspannter, aber trotzdem habe ich noch einiges zu tun. Die ausgewerteten Messdaten müssen zu vernünftigen Grafiken umgewandelt werden, da die Ergebnisse auch an höhere Leute weitergegeben werden sollen (und da machen sich reine Datensätze nicht so gut). Für die interne Präsentation habe ich relativ einfache Abbildungen genutzt, die hübsche ich jetzt noch etwas auf.

Am Nachmittag habe ich mich dann wieder den Bewegungsstudien gewidmet. So ein CAD-Programm kann manchmal ganz schön komplex sein, wenn man Animationen einfügt. Das alles so zu basteln, dass es auch das will was man möchte, dauert ziemlich lange. Stellt man nur eine Kleinigkeit falsch ein, werden die Bewegungen unrealistisch und man kann die Ergebnisse nicht nutzen. Dafür kann man diese dann sehr praktische für Präsentationen nutzen, da man Videos aus dem Programm ableiten kann.

Das war es dann von meinem Bericht über mein Praktikum bei der Lufthansa Technik AG. Ich hoffe ich konnte euch einen interessanten Einblick in meine Arbeitswoche während meines Praktikums geben. Derzeit bin ich bei der Lufthansa Technik AG noch als Diplomand tätig (ich schreibe meine Bachelor-Arbeit) und befasse mich dabei mit virtueller Realität, was auch ein sehr spannendes Thema ist.

Allen Lesern herzliche Grüße

David

Das Thema meiner Bachelor-Arbeit: Virtuelle Realität im Flugzeug

Das Thema meiner Bachelor-Arbeit: Virtuelle Realität im Flugzeug