Liebe Freunde der Lüfte,

endlich nehme ich euch für einen Tag mit über die Wolken.

Unser Arbeitstag beginnt offiziell eine Stunde vor Abflug beim sogenannten Check-in. Hier informiere ich mich über den bevorstehenden Flug und drucke mir ein Briefingpaket, bestehend aus Passagierzahlen, Abflugzeiten und Besonderheiten aus. Beim Briefing versichert sich der verantwortliche Flugbegleiter, bei uns Purser genannt, dass seine Crew fit ist und ausreichend Ruhezeit hatte. Anschließend vergleichen wir alle unsere Flugdaten und der Purser stellt uns sein Service-Konzept vor. Es werden sicherheitsrelevante Themen angesprochen und das Wissen über die erste Hilfe überprüft. Da es nicht unwahrscheinlich ist, dass sich einzelne Crewmitglieder noch nie zuvor begegnet sind, dient ein Briefing dazu, sich auf einen gemeinsamen Stand zu bringen und die Ziele im Team zu besprechen. Dies ist essentiell, da in schwierigen Situationen ein funktionierendes Team unabdingbar ist.

Nachdem der Purser sein Briefing gehalten hat und alle Fragen geklärt wurden, kommen die Cockpit Kollegen hinzu. Meist vergewissert sich der Kapitän über die angesprochenen Themen und informiert die Besatzung dann über Flugzeiten, Wetter und den technischen Zustand des Flugzeugs. Bereits hier gilt: Sicherheit steht an erster Stelle!

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Tetty holt am Briefing-Computer Fluginformationen ein

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Der Kapitän informiert über Wetter, Flugzeiten und Besonderheiten

Nun ist es Zeit, auf den Flieger zu gehen. Während die Piloten das Cockpit startklar machen und sich beim „Walk Around“ vom Zustand des Fluggerätes überzeugen, beginnen wir etwa dreißig bis vierzig Minuten vor Abflug, sprich zirka zehn bis zwanzig Minuten bevor der erste Passagier einsteigt, mit unseren Checks. Gerade am Boden sind die Aufgaben klar definiert und jeder weiß, was er zu tun hat. Grob geschildert überprüft ein Teil der Flugbegleiter die Not- und Sicherheitsausrüstung minutiös nach Checkliste und der andere Teil kümmert sich um die Beladung und das Catering.

Heute ist Sabrina die sogenannte „Galley-Maus“, sie bereitet in der Bordküche (Galley) alles so vor, dass wir auf zeitkritischen Flügen sofort nach Erlöschen der Anschnallzeichen mit dem Service beginnen können. Ich fülle heute die Checkliste aus und überprüfe sorgfältig, dass die gesamte Notausrüstung vorhanden und korrekt verstaut ist. Nachdem ich nichts zu beanstanden habe, melde ich den Check beim Purser ab und sobald das Cockpit das OK gibt, können die Gäste einsteigen.

Da wir heute von einer Außenposition abrollen und die Passagiere über Busse zum Flug gebracht werden, wird Sabrina sie im hinteren Bereich mit einem bezaubernden Lächeln begrüßen und willkommen heißen. Ich stehe in der Kabine und unterstütze Passagiere mit besonderen Bedürfnissen und verschaffe mir einen Überblick über die Handgepäcksituation, welche wahrhaftig zu einer Herausforderung werden kann. Haben alle Gäste ihre Sitzplätze eingenommen, werden die Türen geschlossen. Kapitän und Purser begrüßen nun die Fluggäste offiziell und wir machen sie mit unseren Sicherheitsvorkehrungen an Bord vertraut. Über ihr aufmerksames Interesse freuen wir uns natürlich sehr. Meistens rollen wir dabei bereits zur Bahn, sodass wir direkt im Anschluss noch überprüfen, dass unter anderem das Handgepäck sicher verstaut ist und jeder seinen Sicherheitsgurt angelegt hat. Sobald dies geschehen ist, befestigen auch wir unsere Gurte und melden dem Purser die Kabine klar zum Start.

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Sabrina bereitet die Galley vor…

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… und ich bearbeite meine Checkliste

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nun sind alle Vorbereitungen abgeschlossen und Sabrina öffnet unseren Passagieren die Tür

Jetzt beginnt die Phase der höchsten Konzentration. Vor jedem Start und jeder Landung gehen die Flugbegleiter im Kopf die Verfahren für Notfälle durch. Der Start verläuft ereignislos, dennoch sind wir sehr wachsam, da es im Steigflug gelegentlich vorkommt, dass ein Passagier aufsteht, um sich in Richtung der Toilettenräume zu begeben. Solange die Anschnallzeichen eingeschaltet sind, müssen wir, beispielsweise mit einer Ansage, eingreifen. Doch auch hier müssen wir heute nicht einschreiten.

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beim Boardverkauf

Der Service kann beginnen. Unsere Sinne sind in dieser Flugphase eher auf das Wohlbefinden unserer Gäste, aber auch Gerüche, ungewöhnliche Geräusche, Turbulenzen und Feuervermeidung geschärft. Bei sämtlichen Auffälligkeiten ist es wichtig, dass das gesamte Team stets auf demselben Wissensstand ist, und meistens können die Kollegen im Cockpit anhand ihrer Anzeigen schnell Entwarnung geben. Der Service und das regelmäßige Einsammeln von Abfällen dienen nachhaltig auch der Sicherheit. Wir versuchen so diskret und unauffällig wie möglich zu agieren, aber unsere Präsenz ist unerlässlich, um Auffälligkeiten oder mögliche versteckte Gefahren wahrzunehmen. Eine weitere Aufgabe besteht darin, sich regelmäßig über das Wohlbefinden unserer Piloten zu informieren.

 

Tetty beim Service

Schon gehen auch die Anschnallzeichen wieder an und der Sinkflug beginnt. In etwa fünfzehn Minuten werden wir in Nizza landen, wo uns schönstes Wetter erwartet. Allerdings ist jetzt nicht der Moment, an die Sonnenstrahlen zu denken. Die Galley muss gesichert und die Kabine auf die Landung vorbereitet werden. Anflug und Landung repräsentieren wieder Flugphasen, die eine erhöhte Aufmerksamkeit erfordern.

 

Mit Erreichen der Parkposition geht ein ruhiger Flugabschnitt zu Ende und wir verabschieden die Passagiere. Nachdem der letzte Gast ausgestiegen ist, suche ich die Kabine nach liegengelassenen Gegenständen ab und gebe diese weiter an das Bodenpersonal, welches es dann zu „Lost and Found “ bringt, damit der Fluggast es dort abholen kann. In der Kabine überprüfe ich anschließend erneut, dass sich die Notausrüstung weiterhin an ihrem Platz befindet und wir bereiten den Passagierraum auf den nächsten Flugabschnitt vor, sodass sich die Passagiere auch auf unserem nächsten Flug wohlfühlen können. Nach dem Rückflug haben wir heute auch schon wieder Feierabend.

Abschließend möchte ich euch nun zeigen, wie dieser Tag und meine Arbeitswoche auf dem Dienstplan ausgesehen haben.

DPL

Ausschnitt aus meinem Dienstplan

Die OFF Tage sind jeweils meine dienstfreien Tage. Destinationen werden mit dem IATA-Code, so wie ihr ihn von eurem Kofferanhänger kennt, dargestellt. Alle Uhrzeiten werden in der koordinierten Weltzeit UTC, auch Greenwich Time, angegeben. D.h. man muss im Winter eine und im Sommer zwei Stunden hinzurechnen, um auf die Lokalzeit in Deutschland zu kommen. In den eckigen Klammern stehen Zeiten, die in der Luftfahrt wichtig sind, so zum Beispiel die

– Flugdienstzeit: von Check-in bis zum endgültigen Erreichen der Parkposition
– Blockzeit: vom ersten Verlassen der Parkposition zum letzten Erreichen der Parkposition
– Dienstzeit: die gesamte Zeit, die man dienstlich beschäftigt ist.

Am 01. hatte ich beispielsweise keinen 11:47h Tag. Hier wurde die Zeit von Bereitschaftsbeginn an berechnet. Offensichtlich wurde ich an diesem Tag „aktiviert“ und durfte meiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen: Unsere Passagiere zu begeistern :)

Euer Jeremy