Liebe Blog-Leserinnen und Leser,

heute war für mich ein besonderer Tag… ich durfte in der Base Maintenance hospitieren. Die Lufthansa Technik bietet ein umfassendes Dienstleistungsspektrum im Bereich Flugzeugüberholung an, von kleinen Base Maintenance Events bis zum Total Base Maintenance Support ist alles dabei. Ich durfte an dem Tag in der Ereignisleitung mitlaufen, die für die termingerechte und effiziente Durchführung der Überholungs- sowie Modifikationsereignisse verantwortlich ist. Außerdem ist die Ereignisleitung der zentrale Anlaufpunkt für alle Belange, die den aktuellen Liegezeiten zuzuordnen sind. Das habe ich an diesem Tag auch recht schnell gemerkt: ein Bereich voller Schnittstellen! Am Standort Hamburg werden hauptsächlich die Muster A340 und B747 für den Kunden Lufthansa und für andere kommerzielle Airlines bearbeitet. Unser Sorgenkind war heute aber ein A330.

Hospitation in der Base Maintenance

Hospitation in der Base Maintenance

 

Es ging direkt sehr spannend los, denn der Flieger stand nach 52 Tagen Check noch an der Halle und sollte um 10 Uhr von Hamburg nach München fliegen. Bis zu dem Tag davor lief auch alles nach Plan, doch dann wurde über Nacht deutlich, dass das so genannte Central Warning System Smoke (CWS Smoke) im Flugzeug das Inflight Entertainment System bei Rauch nicht, wie gewünscht, automatisch ausschaltet. Der Fall war klar: Wir haben ein AOG, ein Aircraft on ground. Unerwünschte Flugzeugliegezeiten bedeuten Alarmstufe Rot! Zu betonen ist, dass ein AOG im Base Maintenance Bereich nur sehr selten vorkommt! Also hieß es: Keine Zeit verlieren. Ich bekam eine Warnweste an und ab zum Flieger. Die Mechaniker arbeiteten auf Hochtouren, um den Fehler zu finden und alle hofften noch darauf, dass das Flugzeug um 10 Uhr fliegen kann. Es wurden zwei Units aus Frankfurt bestellt, deren Austausch zur Fehlerbehebung beitragen könnte. Das erste Teil kam gegen 8:45 Uhr an… doch der Austausch brachte nicht den gewünschten Erfolg. Dann ein Anruf aus München: Die Flugzeugplanung aus dem Hub Control Center wollte wissen, ob wir den Flieger nun fertig bekommen für den 10 Uhr Flug. Wir gaben der Flugzeugplanung ein Update und waren noch voller Hoffnung, dass es klappt. Dennoch hielt die Flugzeugplanung einen anderen Flieger für uns in Reserve, aber das auch nicht auf Dauer. Die Zeit lief!

Ein kleiner Wagen kam zu unserem A330 gefahren: die Security. Diese ist dafür zuständig, den Flieger nochmal final zu checken, bevor dieser wieder in den Einsatz kommt. Wir mussten die Security zwar erst mal vertrösten, aber sie warteten dennoch geduldig am Flieger auf ihren Einsatz. Wir haben schließlich alle noch an unseren A330 geglaubt. Dann kam ein größerer Wagen auf unseren Flieger zu: der Crew-Bus. Zwei Piloten stiegen frohen Mutes aus. Mit der Begrüßung „Wir haben da noch ein kleines Problem“ lotsten wir die Piloten in die Kaffeeecke, um noch etwas Zeit rauszuholen. Doch als die Airbus-Piloten unsere Boeing 747-8 in der Halle sahen waren keine Ablenkungsmanöver mehr nötig. Die Piloten fingen an Fotos von der Boeing Maschine zu machen und fragten, ob sie wohl mal ins Cockpit dürften. Da sieht man wieder mal… Flugzeuge werden wohl ein Leben lang faszinieren… selbst Menschen, die ihren Arbeitstag nichts anderes sehen als Flugzeuge. Die Faszination stirbt nie :)

Unser A330

Unser A330

 

Uns war das sehr recht, denn so hatten wir die Piloten beschäftigt und konnten wieder zu unserer A330. Mittlerweile kam das zweite Teil aus Frankfurt und wir hielten beim Einbauen alle die Luft an… ein nervöser Blick aufs Handy: vier verpasste Anrufe, zwei Mal die Flugzeugplanung aus München, zwei Mal aus Frankfurt… ein nervöser Blick auf die Uhr: 9:30 Uhr. Ich kam mir vor wie im Film. Und dann die enttäuschende Nachricht: Auch das zweite ausgetauschte Teil brachte nicht den gewünschten Erfolg. Der Flugzeugplanung in Frankfurt und München, der Crew und der Security die schlechten Neuigkeiten mitzuteilen fiel sehr schwer. Die Security fuhr darauf wieder vom Feld und der Crew-Bus holte die Piloten wieder ab.

Zeit für eine Mittagspause, aber auch hier machte sich die Enttäuschung breit. Es ist echt Wahnsinn mit welchem Elan und Engagement an dem Flieger gearbeitet wurde in der Hoffnung, dass es am Ende doch noch klappt… ein Job mit Herzblut :) Nach der Mittagspause ging das Troubleshooting weiter. Und schnell machte sich der Anschein breit, dass es an zwei Kabeln liegt. Auf Hochtouren wurde daran gearbeitet und alle waren wiederum voller Hoffnung, dass der Flieger noch abends fliegen kann. Das wurde auch schon der Flugzeugplanung kommuniziert, die sich mit einem freien Slot und mit der Crewplanung zeitig melden wollte. Wir saßen bei der Planung noch nichtsahnend im Büro als wir plötzlich einen Anruf von den Mechanikern aus dem Flugzeug bekamen. Es sind nicht die Kabel… es könnte an einem Panel liegen, aber dass das nun das Problem ist steht bei einer Chance zu 50%. Kurz nach diesem Anruf meldete sich wieder die Flugzeugplanung: Die Crew fliegt um 16 Uhr von München aus nach Hamburg, ist um 17 Uhr bei uns und wir haben den Slot um 17:45 Uhr. Oh Mann! Wir berichteten zwar über unsere recht kritische Lage, ließen die Crew aber trotzdem kommen… voller Hoffnung, dass wir es doch noch schaffen. Letztendlich war es leider nicht das Panel und der Flieger blieb auch noch diese Nacht stehen. Ein wahnsinnig spannender Arbeitstag ging für mich zu Ende. Ich habe gelernt wie viel Kommunikation im Maintenancebereich notwendig ist, wie viele Schnittstellen dort zusammenlaufen und wie viele Menschen jeden Tag voller Leidenschaft Flugzeuge wieder zum Fliegen bekommen. So ein Tag, wie ich ihn erlebt habe, ist natürlich ein absoluter Sonderfall!!! Dennoch war es für mich eine großartige Erfahrung.

Jeder von uns fünf Trainees hospitierte an diesem Tag in einem anderen Bereich. Insofern hatten wir sehr viel Redebedarf am Ende des Tages und trafen uns zum Erfahrungsaustausch auf ein Getränk (oder auch zwei…) in der Schanze.

Beim Erfahrungsaustausch in der Schanze

Beim Erfahrungsaustausch in der Schanze

Am nächsten Tag bekam ich eine Mail von meinem Betreuer aus der Flugzuegüberholung: Trouble shooting finished, Design change done, System test ok: A/C fit for flight! Der Flieger ging um 15 Uhr raus. Somit war auch die Base Maintenance für unseren A330 trotz eintägiger Verspätung eine Story mit Happy End :)

Morgen in meinem letzten Blogbeitrag berichte ich euch über unseren Ausflug nach Frankfurt  und die vielen Dinge, die wir dort erlebt haben. Lesen lohnt!

Liebe Grüße,

Eure Melissa