Am Mittwoch wurde die letzte Klausur geschrieben und am Samstagabend sitze ich bereits im Flugzeug. Ziel: Manila, Philippinen. Die Vorfreude auf die kommenden Erfahrungen und Eindrücke sind groß, das erste mal geht es nicht zum Urlaub ins Ausland.

Im Rahmen meines dualen Studiums bei der Lufthansa Technik gibt es die Möglichkeit, bei sehr guten Leistungen einen großen Teil der beiden Praxissemester im Ausland zu verbringen. Nach Absprache mit meiner Chefin habe ich mich initiativ beim Head of Base Maintenance der Lufthansa Technik Philippines in Manila beworben und prompt Rückmeldung und Zusage bekommen.

Wartungshallen der Lufthansa Technik Philippines

 

Heute, fast 3 Monate nach meiner Ankunft, habe ich meine Routine gefunden und mich richtig eingelebt. Es ist Mittwoch, 5.00 Uhr morgens. Ich schnüre meine Laufschuhe und jogge die 5km von meinem Haus in Merville zur Villamor Airbase, wo die Lufthansa Technik Philippines ihren Sitz hat. Laufen oder Fahrradfahren ist bei dem hiesigen Verkehr die schnellste Möglichkeit, um von A nach B zu kommen, auch wenn man dann erstmal eine Dusche braucht. Bei der Lufthansa Technik Philippines angekommen passiere ich vier Sicherheitskontrollen, bei jeder grüße ich mit einem freundlichen “Magandga Umaga Po” und die Guards fragen mich nach meinem Fahrrad, mit dem ich für gewöhnlich zur Arbeit komme. Aber heute ist Mittwoch – “Running Day”. Diese Art von Begrüßung gefällt mir sehr und ist ein klasse Start in den Arbeitstag, alle Menschen auf dem Weg lächeln einen an und grüßen freundlich.

Verkehr auf dem Weg zur Arbeit

 

Auf der Arbeit unterstütze ich das sogenannte Standard Management Team. Ein Qualitätssicherheitsnetz, das auf vielfältige Art und Weise dafür sorgt, dass die Kundenzufriedenheit zu 100% gewährleistet wird. In täglichen “Walk-arounds” begutachtet das Team den Fortschritt der großen Wartungsereignisse, zum Beispiel eines C4 Checks eines großen Kunden. Für mich als Student gibt es hierbei viel zu sehen und lernen. Meine Kollegen sind sehr erfahren und kennen die Flieger bis ins kleinste Detail. Jede meiner Fragen zu Prozessen oder Systemen wird stets kompetent beantwortet. Zusätzlich habe ich durch diese “Walk-arounds” engen Kontakt zum Kunden. Auch hier kann ich auf einen großen Erfahrungsschatz zugreifen und man freut sich sehr, wenn man mir etwas beibringen kann. Eine weitere Aufgabe des Teams ist die Durchführung von Final und Close-Up Inspections. Hierbei wird als drittes Augenpaar, vor der Übergabe an den Kunden, nochmals die Arbeit inspiziert. Ebenso wie bei den “Walk-arounds” kann ich ungemein viel lernen. Teilweise ist es aber auch so, dass bereits an der Hochschule Bremen gelernter Stoff weiter vertieft werden kann. Ziel der Inspections ist es, die Fehler aus Human Factors zu minimieren, indem bei mehrfachem Auftreten Auffrischungskurse gegeben werden.

Neben dem Unterstützen des Teams, wobei ich mehr lerne und Erfahrungen sammle, wurden mir mehrere IT Projekte anvertraut, mit denen die Arbeit des Teams und der Produktion vereinfacht werden soll. Das erste Projekt ist ein Programm, mit dem der Kunde den gewünschten Standard seiner Kabine definieren kann und somit die Absprache zwischen Kunde und Produktion vereinheitlicht wird, sowie ein klares und verlässliches Dokument zu dieser Absprache gibt. Zunächst mit Excel und später in Access habe ich ein Programm entwickelt, in dem der Standard ausgewählt und mit Bildern verdeutlicht werden kann. Hinzu kommt, dass im Endeffekt ein Dokument auf Basis der Datenbank erzeugt wird, das Bestandteil des Wartungsvertrages werden kann.

Mein Hauptprojekt befasst sich mit der wichtigen Aufgabe des Standard Management Teams, der Durchführung der Inspections. Hierbei wird für die jeweiligen Fachabteilungen ein Formblatt ausgefüllt, um erforderliche Nacharbeiten zu dokumentieren. Um in dieser Aufgabe digitaler zu agieren, sollte ein Programm entwickelt werden, mit dem man einfach Findings eintragen kann und eine spätere Analyse erstellt werden kann. Nachdem ich eine erste Version an das Team und Vorgesetzten präsentiert habe, bin ich darauf aufmerksam geworden, dass diese Art von Team und der Wunsch zur Digitalisierung an allen weiteren Lufthansa Technik Base Maintenance Stationen rund um den Globus existiert. Daraufhin habe ich ein Konzept ausgearbeitet und mich bei IT Spezialisten informiert, die ich aus vorherigen Praxiseinsätzen kannte. Durch glückliche Umstände und teilweise Dringlichkeit, wird derzeit mein Konzept in dem neuen Dokumentenmanagementsystem FLYdocs umgesetzt und programmiert. Darüberhinaus konnte ich meine Ideen in einem Meeting den Stationen in Malta, Sofia und Budapest präsentieren. Für mich ist dies arbeitstechnisch bis jetzt das absolute Highlight, da mir als Student bereits einiges an Verantwortung übertragen und gleichzeitig meine Meinung voll wertgeschätzt wird.

Neben der Arbeit gibt es in Manila einiges zu erleben. In der Stadt selbst gibt e seine sehr aktive Gruppe an Praktikanten, die hauptsächlich bei den europäischen Botschaften arbeiten. Nachdem man abends durch den Verkehr für 10km so viel Zeit benötigt, wie für die Strecke Frankfurt – Köln, trifft man sich zum Dinner und Karaoke oder zur Trivia Night. Die 2.5h Uber-Fahrten sind zuweilen sehr lustig, da man mit dem philippinischen Fahrer hemmungslos zur Radiomusik singen oder Tipps für die nächste Reise abholen kann. Neben den ausländischen Freunden trifft man auch schnell auf Philippinos, die unglaublich nett und hilfsbereit sind. Die „philippino hospitality“ ist legendär und findet quasi immer Anwendung.

Darüber hinaus ist in Manila nicht alles Gold was glänzt, große Teile der Stadt sind arm und es gibt riesige Slums. Durch philippinische Freunde, die sich sehr in freiwilligen Projekten engagieren, habe ich mehrere Samstagvormittage damit verbracht in einer der schlimmsten Gegenden, Tondo, besser bekannt als die Smokey Mountains, bedürftige Kinder mit Essen zu versorgen und mit ihnen zu spielen. Organisiert wird diese Unterstützung durch eine gemeinnützige Organisation namens „Project Pearls“, die zum Ziel hat in genau diesen Gegenden Kinder zu ernähren, auszubilden und aus der Armut herauszuführen. Eine unglaublich bereichernde Erfahrung, die einem einen ganz neuen Blickwinkel auf die eigene Situation gibt und bewusst macht, welch ein Glück man selber in seinem Leben bis jetzt gehabt hat.

 

 

Allerdings muss ich auch sagen, dass ich viele der Wochenenden nicht in Manila verbracht habe. Einen Großteil habe ich darauf verwendet die Südost-Asiatischen Großstädte zu erkunden. Die Metropolen Kuala Lumpur, Singapur, Bangkok, Hongkong, Taipeh, etc. sind innerhalb von ca. 3-4h mit dem Flugzeug zu erreichen.

Darüber hinaus haben auch die Philippinen für Reisende einiges zu bieten. Landschaftlich unglaublich vielfältig mit aktiven Vulkanen, den Reisfeldern im Norden, die UNESCO Weltkulturerbe sind, und dann natürlich die über 7000 Inseln, von denen eine schöner ist als die andere. Ein Paradies für Taucher, Surfer und Strandliebhaber, es heißt schließlich nicht umsonst “It’s more fun in the Philippines”

Sonnenuntergang bei Camp Ngey Ngey in Palawan.