• formats

Hallo meine Lieben,

mein Name ist Catrin (22) und ich bin Azubi bei der Lufthansa Technik in Frankfurt. Ich befinde mich derzeit im 2. Lehrjahr und mache die Ausbildung zur Fluggerätmechanikerin im Bereich Instandhaltungstechnik.

Im zweiten Lehrjahr durchläuft man als Azubi die vielen Nebenwerkstätten und lernt die einzelnen Komponenten eines Flugzeuges kennen wie zum Beispiel die Bremsen, Triebwerke, Räder, Sitze und noch vieles mehr.

Man gewinnt einen kleinen Einblick über die einzelnen Bereiche, in die ein Flugzeug unterteilt ist und wie die einzelnen Komponenten in dem gesamten System des Flugzeuges zusammen fungieren.

Ich möchte Euch heute einen kleinen Einblick geben, was zum Beispiel meine Aufgaben in der Triebwerkswerkstatt waren, denn diese Nebenwerkstatt war eine der Spannendsten, in der ich bisher arbeiten durfte und das drei Wochen lang.

Meine Frühschicht begann täglich um 6 Uhr mit einer Teambesprechung und der Einteilung der Teams an die einzelnen Motoren (Triebwerke), die sich zurzeit im Shop befinden. Nachdem ich mir meinen Werkzeugwagen geholt hatte, ging es auch schon an das Objekt Triebwerk. Ich kann euch sagen, dass es ein anderes Gefühl ist, das Triebwerk unter der Tragfläche mit all seinen Verkleidungen (Cowlings) zu sehen oder aber direkt vor dem Motor zu stehen ohne Tragfläche oder Verkleidungen. Meine Aufgabe bestand anfangs darin Sichtkontrollen mit der Taschenlampe an den Fanblades durchzuführen, um sie auf sichtbare Beschädigung zu überprüfen. Das sind immer die ersten Schritte bevor ein Motor auseinander gebaut wird: Sichtkontrollen und Feststellen der Beschädigungen.

Eine meiner größten Aufgaben in der Triebwerkswerkstatt war es einen ganzen Fan samt Fanblades und alles was dazu gehört auszubauen. Es ist gar nicht so einfach die einzelnen Fanblades auszubauen, denn man muss sich die Position merken, an der die einzelnen Fanblades sitzen. Sitzt nur ein Fanblade nach dem Einbau nicht mehr an der Position an der es vor dem Ausbau saß, dann erfährt das Triebwerk eine Unwucht und läuft nicht richtig rund (es vibriert). Somit musste ich die ausgebauten Fanblades nummerieren und in eine große Box einsortieren. Während ich die Fanblades ausbaute, nummerierte und einsortierte, bestand meine Aufgabe auch darin die Fanblades auf Beschädigungen zu überprüfen und bei Befund es meinem Lehrgesellen zu melden.

DSCI0043

Ein Triebwerk einer 747-400

 

Die Anzahl der Fanblades variiert je nach Motorart/-muster.  Die Motoren, an denen ich gearbeitet habe, hatten meistens um die 30 Blades. Es war einfacher sie auszubauen, als sie wieder einzubauen, denn nachdem die Fanblades in einzelnen Kontrollverfahren (wie Rissprüfung unter UV Licht) kontrolliert wurden, wurde der gesamte Fan samt Fanblades wieder eingebaut. Beim Einbau wurden die Fanblades an den Kontaktflächen mit der Fandisk eingefettet und mit sogenannten Spacer (Abstandhalter) in der Disk (Halterung) befestigt. Je mehr Fanblades man einbaute, desto schwerer wurde es die letzten zwei oder drei Fanblades einzubauen, denn man musste aufpassen, dass wirklich alle richtig an ihrer Position saßen und nicht wieder aus der Disk heraus rutschten. Hatte man alle Fanblades wieder an ihrer ursprünglichen Position eingebaut, prüften wir, ob die Welle, auf die der Fan sitzt, rund lief.

DSCI0144

„Offene Cowling“ eines A380 Triebwerks – Einblick in das Triebwerkssystem

Natürlich hatte ich noch eine Menge anderer Aufgaben in der Triebwerkswerkstatt, wie zum Beispiel das Ein- und Aushängen der Triebwerke, das Sichern von Plugs (Stopfen) und Schrauben/Bolzen mit Draht, Einbau von Triebwerkskomponenten (Treibstoff- und Hydraulikpumpe), das Durchführen einer Boroskopie oder aber auch das Kennenlernen der Arbeitspapiere und Dokumente. Denn in der Luftfahrt sind so gut wie alle Arbeitspapiere und Reparaturunterlagen auf Englisch geschrieben und manchmal eine ganz schöne Herausforderung sie zu verstehen.

Durch das tägliche Arbeiten an den Triebwerken verstand ich, dass Triebwerke weitaus mehr als nur den Schub für das „Vorwärtskommen“ produzieren und welchen wichtigen Beitrag sie zur Steuerung und Stromversorgung, aber auch für die Klimatisierung in der Kabine leisten. Das Flugzeug wäre ohne die Triebwerke nicht komplett und deswegen ist es auch für mich als angehende Fluggerätmechanikerin wichtig zu verstehen, wie diese aufgebaut sind und was sie alles im Flugzeugsystem beeinflussen können bzw. welche Flugzeugkomponenten von den Triebwerken abhängig sind.

Aber nicht nur die Triebwerkswerkstatt half mir meinen Wissensfundus über das Flugzeug zu erweitern, sondern auch etliche andere wie die Bremsenwerkstatt, die Werkstatt für Rettung und Sicherheit, der Flugzeugbau oder aber auch die Kabinenwartung.

Mein Fazit über meine Einsätze in den Nebenwerkstätten ist sehr positiv, da es mir ein großes Stück Selbstvertrauen und Sicherheit gegeben hat, um jetzt an einem Flugzeugmuster meiner Wahl zu arbeiten und dort mein neues zusätzlich erlerntes Wissen einzubringen, zu festigen und auch zu erweitern.

Ich bin sehr gespannt, wie es jetzt im dritten Lehrjahr weiter gehen wird, denn ab dem dritten Lehrjahr befinde ich mich in einer festen Schicht und werde mein Können und Wissen in der Instandhaltung der Boeing 747 Reihe weiter ausbauen.

Seid gespannt, denn beim nächsten Mal werde ich euch erzählen, was meine neuen Aufgaben sind und wie ich mich in der neuen Schicht eingefunden habe.

Aber erst einmal sage ich: Ready for take off – das 3. Lehrjahr kann beginnen!

Liebe Grüße,

Eure Catrin

Für Fragen stehe ich Euch gerne zur Verfügung – feel free to ask!

 

 
Cookie Consent mit Real Cookie Banner