In den ersten vier Wochen als Flugbegleiter bei Lufthansa kann man schon mächtig viel erleben – was Leonardo DiCaprio damit zu tun hat, und was eigentlich genau der Unterschied zwischen Lang- und Kurzstrecke aus Flugbegleiter-Sicht ist, verrate ich Euch heute. 

So schnell kann’s gehen: Eben habe ich Euch noch von meinen ersten Einweisungsflügen erzählt; jetzt sind schon fünf Langstrecken-Flüge vergangen, bei denen ich in Shanghai in dubiosen Hinterzimmern gelandet bin und in den Rocky Mountains in 3 000 Metern Höhe vier Stunden lang im Schneechaos festgesessen habe. Zwischen Toronto, Mumbai, Boston, Shanghai und Denver liegen dann doch einige Flugmeilen – und inzwischen habe ich wieder die „Schulbank“ gedrückt und wurde im Lufthansa Flight Training Center auf meinen künftigen Einsatz auf der Kurzstrecke vorbereitet. Aber der Reihe nach.

„Are you my deadhead?“ 

Eingefleischte Leonardo DiCaprio – Fans werden die Szene aus „Catch Me If You Can“ kennen, in der der Hochstapler Frank Abagnale in Piloten-Uniform an den Flughafen kommt und von der Bodenmitarbeiterin gefragt wird: „Are you my deadhead to Miami?“ – was er nach kurzem Zögern souverän bejaht (Die Szene kann man sich hier anschauen). Mit dem Begriff konnte ich bis zu meinem Flugbegleiter-Dasein nicht so viel anfangen, bis ich vor wenigen Wochen auch als ein solcher Deadhead fliegen durfte – von Boston nach Frankfurt. Ist man auf einem Umlauf als Deadhead eingesetzt, fliegt man meistens one way als arbeitender Flugbegleiter, und zurück als Passagier – offiziell immer noch im Dienst und jederzeit aktivierbar. In meinem Fall ist die ganze Boston-Crew Deadhead zurückgeflogen, weil genau in diesem Zeitraum die Umstellung vom Sommer- auf den Winterflugplan stattfand. Sophie, eine Flugbegleiter-Kollegin aus meinem Lehrgang, und ich konnten uns also zurücklehnen und entspannen – immer in dem Wissen natürlich, dass wir jederzeit einspringen könnten, sollte ein Kollege der Rückflugs-Crew ausfallen. Es war – gerade als Lufthansa-Neuling – eine schöne Gelegenheit, das Geschehen an Bord mal „von der anderen Seite“ aus begutachten zu können: Wie nehmen die Passagiere die ersten Minuten des Boardings wahr, wie betreten sie das Flugzeug? Was sind ihre Bedürfnisse, wie ist unser neuer Business Class Sitz, wie ist unser Entertainment-System an Bord?

Business Class

Viel Spaß in der Business-Class: Auf unserem Rückflug von Boston durften meine Kollegin Sophie und ich zum ersten Mal als Passagiere fliegen.

 

Von der Boeing auf den Airbus – und wieder zurück? 

Damit es uns Flugbegleitern bei Lufthansa nicht langweilig wird (und zugegebenermaßen auch zugunsten einer flexibleren Planung) bekommen wir regelmäßig Schulungen für neue Flugzeugmuster. Von Anfang an bekommt man – so ist es im Moment – die Lizenz für eines der beiden Langstreckenmuster; entweder für den Airbus A340 oder für die Boeing 747. Die Boeing ist mein erstes Muster. Das Zweite ist dann das Kurzstreckenmuster; für die meisten ist das der Airbus A320. Bei meiner 320-Schulung kürzlich habe ich innerhalb von vier Tagen die Service-Besonderheiten der 320 gelernt, aber auch wie im (unwahrscheinlichen) Falle einer Evakuierung mit dem technischen Equipment und den Türen auf diesem Muster umzugehen ist. Für Boeing-Flieger ist die Umstellung etwas größer als für die Lehrgangskollegen, die den Airbus bereits von ihrem Langstreckenmuster her kennen. Welches der beiden Einstiegs-Langstreckenmuster „besser“ ist, ist eine ewige Diskussion, an der sich die Geister scheiden. Beides hat seine Vor- und Nachteile: Die Boeing 747 fliegt, sagen wir, die „massentauglicheren“ Ziele wie Boston, Toronto, Osaka und das unter Flugbegleitern sehr beliebte Rio de Janeiro an. Die A340 verschlägt ihre Crews zu extravaganteren Zielen, zu denen man auf den ersten Blick privat vielleicht nicht unbedingt geflogen wäre – Beispiele: Almaty (Kasachstan), Jeddah (Saudi-Arabien) und Port Harcourt (Nigeria). Dafür haben die Kollegen im Moment aber auch beispielsweise die wunderbaren Ziele Bogota (Kolumbien) und Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania.

Dafür werden die 340-Kollegen nach einem halben Jahr auf den neuen Riesenflieger A380 geschult, wir 747-Flieger hingegen bekommen die A340. Was „besser“ oder „schlechter“ ist, muss jeder für sich entscheiden, aber ich glaube, wenn man Auswahlverfahren und Schulung bei Lufthansa erst einmal hinter sich gebracht hat, freut man sich über jedes Flugzeugmuster und die Möglichkeit, die faszinierende Vielfalt der Welt kennenzulernen.

Gruppenarbeit

Gruppenarbeit im Lufthansa Flight Training Center: Nach der Kurzstrecken-Schulung müssen wir fit sein in Sachen Bereitschaftsdienste.