Hallo zusammen,

nachdem ich Euch in meinem letzten Beitrag über die Geschehnisse der vorherigen Monate meiner Ausbildung bei Lufthansa Technik berichtet habe, geht es heute um ein ganz besonderes und einmaliges Projekt: den Bau eines Boeing 737-Lernträgers in der Berufsschule.

Dieser soll, wenn er fertiggestellt ist, in erster Linie für einen anschaulichen Unterricht verwendet werden. Themen, wie Aerodynamik, Fahrwerk, Triebwerke, Ruder, sowie Funktion und Aufbau von verschiedenen Sensoren können somit nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch erklärt werden. Neben diesen tollen Vorteilen hat uns der Bau der Boeing 737 auch was ganz anderes gebracht – nämlich die Fähigkeit, Projekte zusammen im Team zu planen, organisieren und letztendlich zu realisieren.

 

Das 737-Modell - riesig

 

 

Da wir ein derart großes und komplexes Projekt noch nie geplant haben, gab es die ersten Tage und Wochen ein komplettes Durcheinander, was sich dann aber mit der Zeit und steigender Professionalität komplett gelegt hat. :)

Zuerst ging es also an die Planung. Die Projektarbeit wurde auf sechs Gruppen aufgeteilt: Cockpit, Querruder, Leitwerk, sowie Fahrwerk, Triebwerk und Landeklappen. In den ersten Wochen des Projekts ging es um die Realisierung, genauer gesagt darum, was wir überhaupt bauen möchten, wie es funktionieren soll und was dafür alles benötigt wird.

Unsere ProjektvorstellungUnsere Gruppe, das Cockpit, kümmerte sich um ein „Electronic Instrument System“ (kurz „EIS“), welches alle Sensoren am Flugzeug ausliest, verarbeitet und auf einem Display ausgibt.Und genau darin bestand die Schwierigkeit: die Systeme so gut wie möglich von den großen Verkehrsflugzeugen umzusetzen und verschiedene Messwerte, wie Luftdruck, Temperatur, Geschwindigkeit oder die Stellung der Ruder auszulesen, mit einem selbst geschriebenen Programm zu verarbeiten und für uns lesbaren Wert wieder darzustellen. So wird beispielsweise die Höhe eines Flugzeugs nicht per GPS, sondern über den aktuell herrschenden Luftdruck ermittelt.

Nachdem wir die Arbeitsplanung fertiggestellt haben, wurden unsere Ergebnisse untereinander und der Fachbereichs- bzw. Schulleitung vorgestellt. Alles lag nun an uns. Nach noch anfänglichen Tipps von unserem Lehrer gab es nun keine Hilfe mehr, denn schließlich sollten wir das Projekt auch selbstständig bearbeiten.

Nun kam der ersehnte Startschuss!

Nach mehreren Monaten aufwendiger Planung hatten wir genau eine Woche Zeit, den Lernträger vom Papier in die Wirklichkeit zu übertragen. Das Modell der Boeing 737, welche aus Styropor gefertigt ist, wurde uns in circa 100 Einzelteilen geliefert.

Einmal kurz zusammengebaut, wurde sie in sechs Einzelteile zerlegt und auf die jeweiligen Gruppen aufgeteilt. Unsere bekam die vordere Sektion des Flugzeugs inklusive Bugfahrwerk. Dann ging es los: Während meine Kollegen die Teile zusammenklebten und einen Ständer für das Cockpit-Mockup bauten, schrieb ich das Programm für das spätere „EIS“. Damit fertig geworden, begannen wir mit der Verkabelung, dem Zusammenbau und schließlich den Tests… läuft! :)

 

Die zusammengebaute 737 Abtrennen des CockpitsDas Cockpit-Mockup

 

Mit unserem fertigen System können wir nun Geschwindigkeit und Höhe des Flugzeugs über dem Meeresspiegel, die Außentemperatur, sowie die Luftfeuchtigkeit anzeigen lassen. Demnächst werden dann noch die Stellungen der einzelnen Ruder, sowie die Leistungsaufnahme der Triebwerke dargestellt.

Dazu werden alle Mikrocontroller, die mit unseren Bauteilen verbinden sind, von einem sogenannten „Master-Controller“ gesteuert. Über diesen können dann die Steuerbefehle durch eine Fernbedienung an die einzelnen Untersektionen, wie das Fahrwerk, weitergegeben werden.

Der Microcontroller mit Sensor Auslesen der Höhe und Temperatur

 

 

 

 

 

 

Unsere nachfolgenden Lehrjahre können sich also auf einen ganz besonderen Unterricht in der Berufsschule freuen! :)

Alles in Allem war das gesamte Projekt eine tolle Erfahrung! Wir haben während der Erarbeitung nicht nur gelernt, wie die Systeme im Flugzeug miteinander arbeiten und was alles dahinter steckt, sondern auch, wie man ein Projekt von der Idee bis zur erfolgreichen Umsetzung betreut. Diese Erfahrung wird uns auch in zukünftigen Ereignissen sicherlich unterstützen können!

Der 737-Lernträger existiert so sicherlich einmalig, ist technisch voll funktionstüchtig und kann jederzeit erweitert werden – darauf sind wir schon etwas stolz! :)

 

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Abschließend möchte ich Euch noch ans Herz legen, dass ihr mich bei Fragen rund um die Ausbildung und Arbeit bei der Lufthansa Technik auch weiterhin gerne durch Kommentare und die neue LiveChat-Funktion anschreiben könnt!

In diesem Sinne hoffe ich, dass ich Euch auch heute wieder einen spannenden Einblick in meine Ausbildungszeit geben konnte!

Habt ihr auch Lust, die Luftfahrttechnik hautnah zu erleben? Dann schaut doch mal unter www.be-lufthansa.com vorbei und informiert euch über ein Schülerpraktikum oder einen Ausbildungsplatz bei der Lufthansa Technik AG!

 

Bis zum nächsten Mal! Ich freue mich auf euch!

Euer Oliver