Bei der Instandhaltung eines Flugzeugs gibt es jede Menge zu tun.

Ich fand mich recht bald nach dem im letzten Beitrag erwähnten Einstellungstest in einem zweiten Test wieder. „Assessmentcenter“ würde man dazu neudeutsch sagen: es gab Gespräche, Fragen zu luftfahrttechnischen Gegebenheiten, Einzelaufgaben, Gruppenaufgaben und so weiter und so fort.

Jedem von euch ist nun klar, ich war offensichtlich recht erfolgreich bei diesem Test. Mir war das damals nicht bewusst, vor allem verstärkt durch eine durchaus längere Wartezeit auf die Ergebnisse.
Naja, kann ja mal vorkommen ;-)
Jedenfalls kam dann endlich der ersehnte Ausbildungsvertrag mit meinem Namen drauf.

Die Ausbildung:

Die Ausbildung als Fluggerätinstandhalter (FI) war eine tolle Zeit, in der ich viel kennengelernt habe aus einem Bereich, den nicht viele zu Gesicht bekommen, der aber viele fasziniert – eines der vielen Alleinstellungsmerkmale dieser Ausbildung. Ich wurde am Anfang der Ausbildung zum Gruppensprecher gewählt (eine Gruppe sind jeweils 12 Azubis) und übernahm ein paar organisatorische Aufgaben – ähnlich wie ein Klassensprecher, nichts Besonderes, aber der Beginn sich ein wenig verantwortungsvoller zu verhalten und sorgfältiger zu werden.

Es wurde im ersten Jahr Hauptaugenmerk auf handwerkliche Bearbeitung von Metallen und Kunststoffen gelegt. Nebenbei gab es teils interessante Lehrgänge und natürlich auch Berufsschule in Blöcken – für meinen Geschmack deutlich angenehmer als jede Woche ein bis zwei Tage zur Schule zu pendeln.
Man lernte seine Kollegen kennen und unternahm gemeinsam auch außerhalb der Ausbildung das Eine oder Andere.

Danach fingen dann die ersten Praxiseinsätze an, meinen ersten Betriebseinsatz werde ich wohl so schnell nicht vergessen: Rettung und Sicherheit in der Werkstatt (gibt es auch im Dock). Ich durfte helfen Triebwerksfeuerlöscher zu testen, überholen oder reparieren und musste genau wie die Lehrgesellen und Kollegen alles dokumentieren, damit es im Nachhinein auch in unsere Datenbanken gepflegt werden konnte, um eine Nachverfolgung sicher zu stellen – wie wichtig dies ist kann ich heute noch besser nachvollziehen als damals schon. Eine vernünftige Datenbasis ist das A und O, aber dazu später mehr.

Das zweite Ausbildungsjahr zog sich gefühlt länger hin als das Erste, vermutlich weil nicht so viel „Neues“ dazu kam, sondern eher die Detailtiefe erhöht wurde. Plötzlich reichte es nicht mehr aus, Aluminium und Stahl auseinander halten zu können, nun wollte man von uns wissen wie sich welches Material zusammensetzt und was die Vor-  und Nachteile der einzelnen Legierungen sind. Und was sind überhaupt Legierungen?
Naja, auch dies wurde gelernt und in der Berufsschule vertieft. Und es hat sehr viel Spaß gemacht, da es mal etwas vollkommen anderes war als das was ich von der staatlichen Schule gewöhnt war.

Dann gab es da noch die Zwischenprüfung – von vielen gefürchtet, da es bei uns Instandhaltern die abschließende Arbeit des handwerklich schaffenden Teils der Ausbildung war und damit vom Niveau doch recht anspruchsvoll. Aber gut vorbereitet ging dies auch von der Hand und die Ergebnisse konnten sich von den meisten Teilnehmern durchaus sehen lassen.

Es ging so langsam aber sicher auf das Dritte Lehrjahr zu – 3,5 Jahre geht die Ausbildung – man unterhielt sich mit seinen Azubi-Kollegen über mehr als das letzte oder das kommende Wochenende.
Es hielten Zukunftspläne Einzug in den Alltag, was kommt nach der Ausbildung? Was ist am schlauesten? Worauf habe ich Lust? Was kann ich tun?

Eine schwierige Phase für mich: da ich erst mit 21 mit der Ausbildung anfing, musste ich mir langsam ernsthaft Gedanken machen, womit ich später mal mein Geld verdienen möchte, will bzw. muss?
Diesen Entscheidungszwang hatten die etwas jüngeren Kollegen noch nicht, die konnten sich auch sagen ich geh nun noch mal zur Schule oder mache eine andere Ausbildung.
Mir war jedoch klar, egal was es wird, ich brauche einen vernünftigen Gesellenbrief. Das oben erwähnte „überbordende Engagement“ während des Abiturs durfte nicht mehr ironisch gemeint sein, es musste tatsächlich angewandt werden. Ich hing mich also weiter rein in die Ausbildung, wie vorher zwar auch schon, nun aber mit klarerem Ziel vor Augen und ein wenig mehr Fleiß.
Der Erfolg gab mir recht, die Noten wurden besser. Auch die Wissenstests bei der Lufthansa, die mich stets genervt hatten, wurden verträglicher und die Beurteilungen aus den Fachbereichen konnten sich sehen lassen.

Dann stand schon das dritte Ausbildungsjahr vor der Tür…