Hallo,

heute werfen wir mal wieder einen Blick in den Hintergrund der IT – zu Kollegen, die wenig im Rampenlicht stehen, ohne die aber die Umgestaltung der Lufthansa-Systemwelt in Richtung Zukunft nicht funktioniert. Und die im Hintergrund das Geschehen so steuern, dass die öffentlichkeitswirksamen Projekte überhaupt Erfolg haben können. Dazu habe ich mit Martin Hess gesprochen, einem Kollegen im Bereich AMS, Application Management Services. Wofür steht das?

Viele verschiedene Programme und Systeme gibt es bei Lufthansa – und entsprechend viele Teams für Betrieb und Weiterentwicklung. Aber es braucht auch eine übergreifende Steuerung, damit nicht alles unkoordiniert nebeneinanderher läuft – oder sogar in verschiedene Richtungen auseinander. Dafür kümmern sich AMS-Kollegen wie Martin um schon laufende Systeme – aber immer stärker auch um neue Themen wie die Verlagerung von Anwendungen in die Cloud oder moderne Ansätze wie DevOps. Alt und Neu greifen in seinem Bereich ständig ineinander.

Martin bringt viel IT-Erfahrung mit.

Martin bringt viel IT-Erfahrung mit.

Martins Abteilung findet heraus, welche Aufgaben man besser für viele Systeme gemeinsam macht statt immer wieder einzeln. Etwa das Incident Management, also die Verfolgung von Problemen, Fragen und Anforderungen. Die Inhalte sind für jede Anwendung anders, doch den Überblick behält man am besten durch ein gemeinsames Tool. „Natürlich kommt das auch günstiger und ist einfacher, als wenn jeder sich selbst etwas aussuchen würde“, berichtet Martin. „Das ist überhaupt das Prinzip: Standards nicht um ihrer selbst willen, sondern um etwas zu erreichen – Einsparungen, Synergien, Vereinfachungen.“

Das gilt erst recht, wenn jetzt alle „in die Cloud“ gehen wollen, also ihre Programme möglichst irgendwo im Netz laufen lassen statt auf eigenen Rechnern. Das kann sich lohnen – aber nicht, wenn sich jede Abteilung selbst einen Anbieter aussucht und einen Vertrag abschließt. Hier ist Martins Abteilung immer mit im Boot und achtet darauf, dass die Konditionen stimmen und dass einer der vorausgewählten Betreiber den Auftrag bekommt. Das sind nur eine Hand voll, bei denen feststeht, dass sie alle Anforderungen eines großen Unternehmens wie Lufthansa abdecken können: Datenschutz und –sicherheit, Stabilität und Performance, auch die Reaktionsgeschwindigkeit bei neuen Anforderungen.

Martins Teamleiter stammt aus Indien - ohne Englisch geht es nicht.

Martins Teamleiter stammt aus Indien – ohne Englisch geht es nicht.

„Früher hatte man eine klare Trennung zwischen den Basissystemen auf der einen Seite und Anwendungsprogrammen auf der anderen“, erzählt Martin. „Heute dagegen verschwimmen in der Cloud die Grenzen.“ Denn mit „Platform as a Service“ bieten Provider heute Dienste an, die sonst immer im einzelnen Unternehmen angesiedelt waren. Hier aber gilt es, genau zu überlegen, was langfristig sinnvoll ist und wo man das eingekaufte Leistungspaket enden lässt. Denn nur, wer nicht alles aus der Hand gibt, kann bei Bedarf auch den Dienstleister wechseln. „Um die Qualität zu sichern hilft nichts so sehr wie Konkurrenz“, sagt Martin lachend. „Verträge und Strafzahlungen sind schön, aber nur durch die Option, zu einem anderen Anbieter zu wechseln, habe ich ein echtes Druckmittel.“

Mit seinen Aufgaben ist das Team direkt am Puls der Zeit und der IT-Trends, weil sie neue Entwicklungen begleiten und für Lufthansa nutzbar machen. Zu tun gibt es da reichlich, darum sollen für ein „Cloud Migration Office“ fünf Stellen zusätzlich besetzt werden. Am besten mit einer Mischung aus jungen und erfahrenen Kolleginnen und Kollegen, wobei der Hintergrund ganz verschieden sein kann. Martin selbst war in über 30 Jahren IT schon bei einem Softwarehaus und einer Bank, hat Applikationen über ihren ganzen Lebenszyklus betreut und als Testmanager gearbeitet. „Am Ende muss man Generalist sein, kommunizieren und präsentieren können, am besten auch über Projektmanagement-Fähigkeiten verfügen.“

Die weite Welt an der Bürowand - eine Erinnerung daran, dass am Ende alles dem optimalen Luftverkehr dient.

Die weite Welt an der Bürowand – eine Erinnerung daran, dass am Ende alles dem optimalen Luftverkehr dient.

Wer bei Martins Teamleiter Ankur Rastogi als Projekt-Manager für Cloud-Migration oder als Cloud-Experte einsteigt, lernt bei der Begleitung und Migration einiger Anwendungen in die Cloud, worauf es in einem Konzern wie Lufthansa ankommt – und bringt die Erfahrungen dann bei weiteren Projekten als Fachmann und Berater wieder ein. Das reicht vom ersten Assessment, bei dem eine IT-Anwendung genau analysiert wird, bis zu einer Liste mit Handlungsempfehlungen als Ergebnis: Kann man die Applikation unverändert in die Cloud „heben“ oder sind Änderungen erforderlich? Welcher Anbieter ist für die jeweiligen Anforderungen der beste?

Das kann auch mal bedeuten, von der Verlagerung einer Anwendung in die Cloud abzuraten, wenn sie nicht in einer passenden Weise gebaut ist. „Die Cloud ist ja kein Selbstzweck“, betont Martin, „sondern sie soll die Flexibilität und Skalierbarkeit erhöhen.“ Aus den Empfehlungen müssen dann konkrete Schritte und Zeitpläne werden, mit Blick auf Abhängigkeiten in der Systemwelt – und auch auf die Wirtschaftlichkeit: Business Cases sind durchzurechnen, auch mit Blick auf den laufende Betrieb der Applikation in der Cloud.

Martins Arbeitsplatz ist das Lufthansa-Glasgebäude ganz nah am Flughafen - samt Palmen im Haus.

Martins Arbeitsplatz ist das Lufthansa-Glasgebäude ganz nah am Flughafen – samt Palmen im Haus.

Wichtig ist Martin, dass sein Bereich nicht als „Bottleneck“ wahrgenommen wird, also als zeitraubender Schritt, den man bewältigen muss. „Wir sind ja auch keine Genehmigungsstelle, sondern wir bündeln die Best Practices aus verschiedenen Projekten. Die Leute sollen nicht zu uns kommen, weil sie müssen, sondern weil sie von unseren Erfahrungen profitieren.“ Darum ist das auch kein Job für Einzelkämpfer, hier ist Teamwork gefragt: Die AMS-Spezialisten sind nicht allein unterwegs, sondern eng verzahnt mit IT-Architekten, Cloud-Experten, Projektmanagern und Fachbereichen. Das gemeinsame Ziel: die Cloud-Migrationen zu einem Erfolg machen.