Hallo meine Lieben,

es ist lang her, als ich Euch das letzte Mal über meine Ausbildung erzählt habe. Ich habe viel erlebt und über meine persönlich wichtigsten Highlights möchte ich Euch nun berichten.

Im November 2015 hatten wir 6 französische Austauschschüler zu Gast, die bei uns ihre Praxiserfahrungen ausbauen und erweitern sollten. Sie machen die selbe Ausbildung wie ich, allerdings etwas stärker an der Theorie orientiert.

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Unsere 6 Schützlinge aus Frankreich

Zusammen mit den Franzosen führten wir den 7 Tage-Check von unserem Schulungsflugzeug durch. Hier durften die Franzosen alle Steuerflächen bewegen, den Druck der Räder prüfen und die Federbeine mit Stickstoff befüllen. Bei diesen Aufgaben zeigte sich sehr die Freude unserer Austauschschüler. Es war einfach unbeschreiblich ihnen mit einem Druckprüfer für die Räder oder mit Job Cards ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Nach einigen Gesprächen kristallisierte sich heraus, dass die Franzosen nur sehr wenig Praxis in ihrer Ausbildung haben und deswegen jede Arbeit am Schulungsflugzeug genossen.

In Kombination mit dem 7 Tage Check musste unser Schulungsflugzeug für die Weihnachtszeit winterfest gemacht werden. Das bedeutet, dass wir alle Öffnungen, die das Schulungsflugzeug hat, abkleben mussten. Dies machten wir mit Folie und Klebeband. Es war allerdings nicht immer ganz einfach alles abzukleben, da viele Öffnungen vom Boden aus nicht erreichbar waren. Somit mussten schwerere Gerätschaften benutzt werden.

Bei dem APU-Auslass hatten die Franzosen besonders ihren Spaß, da für diesen ein großes Stück Folie zurecht geschnitten werden musste. Zu zweit gingen sie mit der Folie auf einer Leiter hinauf zum APU-Auslass und klebten ihn mit Klebeband und der Folie zu. Aber auch Valve-Öffnungen mussten zugeklebt werden.

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Abkleben des APU-Auslasses

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Abkleben des Outflow-valve

Auch die Cockpitfenster mussten abgeklebt werden, damit sich das Wasser nicht seinen Weg in das Cockpit sucht. Dies galt auch für alle Türen und Notausstiege. Mit besonderem Sicherheitsgurt und Equipment klebten die Franzosen zusammen mit uns die Cockpitfenster und Türen ab.

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In luftiger Höhe wurden Türen abgeklebt

Aber es wurde nicht nur abgeklebt und eingepackt, sondern auch repariert. Es stand ein Austausch eines defekten Static Dischargers an. Diese Arbeit erledigte ich mit einem Franzosen zusammen. Wir gingen als erstes die Arbeitspapiere für den Austausch des defekten Static Dischargers durch. Anschließend besprachen wir die Arbeitsschritte und besorgten uns das passende Werkzeug, sowie einen neuen Static Discharger. Auch wenn wir nur eine Schraube lösen mussten, um den Static Discharger zu wechseln, freute sich mein französischer Austauschschüler die Arbeit ausführen zu dürfen. Als er hinterher das fertige Ergebnis sah, freute er sich umso mehr und machte von seiner vollbrachten Arbeit direkt Fotos für seine Ausarbeitungsmappe über seinen Austausch in Deutschland.

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Wechseln eines Static Dischargers

Nach ca. 6-7 Rollen Klebeband und Unmengen an Folie später, war das Werk vollbracht. Unser Schulungsflugzeug war nun bereit für den Winter. Als kleines Highlight gab es für die Franzosen, nach der Arbeit, einen Ausflug zur Fraport Feuerwehrwache. Dort ließen wir uns die Fahrzeuge erklären und zeigen mit welchem Equipment eine Flugzeugbergung durchgeführt wird.

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Bei der Fraport Feuerwehr

Bei winterlichen Temperaturen durften wir sogar Platz in einem der riesigen Feuerwehrfahrzeuge nehmen. Die Franzosen hatten sehr viel Spaß an dem Ausflug zur Fraport Feuerwehrwache.

An einem Tag ihres Austausches stand hoher Besuch auf dem Tagesplan. Doch für diesen Besuch galt es noch einiges vorzubereiten.

Unser Schulungsflugzeug wurde in eine unserer Hallen geschleppt und dort demontierten wir ein Rad mittels eines Flugzeughebers und speziellem Werkzeug. Desweiteren wurden die Cowlings von einem Triebwerk geöffnet und das passende Werkzeug für einen Ölfilterwechsel zurecht gelegt.

Plötzlich schaute die Nase eines A380 in die Halle und es versammelten sich immer mehr Menschen um den A380. Naaaa erahnt ihr schon, wer als hoher Besuch erwartet wurde?

Richtig! Es war die Bundeskanzlerin, die den A380 auf den Namen „Deutschland“ taufen sollte. Aber sie kam nicht nur um die Taufe durchzuführen, sondern auch wegen uns.

Wir waren alle sehr aufgeregt, als es hieß, dass die Bundeskanzlerin zu uns kommt und sich anschauen wird, wie wir am Flugzeug arbeiten. Es wurden Sätze wie „Guten Tag, Frau Bundeskanzlerin“ mit den Franzosen geübt. Denn uns war klar, wenn die Bundeskanzlerin bei uns stehen würde, dann nicht allein, sondern mit Millionen von Kameras und da wollten wir drauf vorbereitet sein.

Nach dem Aufbau für die Taufe und unserer Übungen mit den Franzosen, füllte sich die Halle rund um den A380 mit Presse und Fernsehteams. Dann war es endlich so weit! Aus einem Crewbus stieg die Bundeskanzlerin aus. Nach kurzem Winken ging sie schnellen Schrittes auf unsere Reifenwechselstation zu und begrüßte uns herzlich. Nun standen wir im Blitzlichtgewitter mit der Bundeskanzlerin. Unsere Franzosen glänzten mit dem Satz „Guten Tag Frau Bundeskanzlerin“ und waren glücklich der Bundeskanzlerin von Deutschland die Hand schütteln zu dürfen.

Die Bundeskanzlerin interessierte sich für die Arbeit am Reifen und unser Azubi Jan erklärte ihr, was er zusammen mit den Franzosen gerade machte. Jan gab der Bundeskanzlerin einen kleinen Einblick in einen Reifenwechsel an einem Flugzeug und nannte nebenbei ein paar technische Daten über einen Flugzeugreifen. Die Bundeskanzlerin zeigte sich sehr erstaunt und bedankte sich für den kleinen Einblick.

 

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Jan im Gespräch mit der Bundeskanzlerin

Dann ging sie weiter zur Ölfilterwechselstation, an der ich selbst beteiligt war. Auch hier interessierte sich die Bundeskanzlerin für unsere Arbeit. Unser Azubi Mehmed erklärte der Bundeskanzlerin, warum und wann man einen Ölfilterwechsel durchführt. Ich hingegen hatte zwar nur die Aufgabe den neuen Ölfilter zu halten, aber dennoch war ich glücklich neben der Bundeskanzlerin von Deutschland stehen zu dürfen. Zudem zeigte ein französischer Austauschschüler der Bundeskanzlerin die Position des Ölfilters am Triebwerk.

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Mehmed & Ich im Gespräch mit der Bundeskanzlerin

Als Abschluss zeigte sich die Bundeskanzlerin nochmals sehr beeindruckt über unsere Arbeit und wünschte uns für unsere Ausbildung weiterhin viel Erfolg.

Dann begann die Taufe des A380 durch die Bundeskanzlerin.

Bei uns stellte sich nach unserem Auftritt mit der Bundeskanzlerin Erleichterung ein. Wir alle waren glücklich, dass alles reibungslos geklappt hatte und keine Pannen passiert sind. Jedem von uns stand ein breites Grinsen ins Gesicht geschrieben. Auch heute kann ich immer noch nicht so ganz glauben, dass ich einen Handshake mit der Bundeskanzlerin hatte.

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Mein Handshake mit der Bundeskanzlerin

Nach insgesamt 4 Wochen hieß es dann „Au Revoir“! Wir mussten uns von den Franzosen verabschieden und das auf unbestimmte Zeit, weil es für unser Lehrjahr der letzte Austausch mit den französischen Austauschschülern war. Mit neu gewonnener Erfahrung und vielen wundervollen Erlebnissen und Highlights fuhren die Franzosen zurück nach Hause.

Die Zusammenarbeit mit den Franzosen, meinen Mitazubis (Jan und Mehmed) und meinen Ausbildern hat mir riesigen Spaß gemacht und ließ mich in meiner Ausbildung weiter wachsen. Es gibt nichts Schöneres, als zu wissen, dass man Azubis aus dem Ausland, an seinem eigenen Wissensfundus über Flugzeuge dran teilhaben lassen konnte und sie daraus etwas für ihre Ausbildung mitnehmen konnten. Trotz der Sprachbarriere schafften wir es alle unsere Arbeiten erfolgreich zu erledigen.

Denke ich heute an diese Zeit zurück, dann muss ich lächeln, weil ich weiß, dass diese 6 französischen Austauschschüler soviel an Praxis mitnehmen konnten und für sich soviel Selbstvertrauen beim Arbeiten an einem Flugzeug angeeignet haben, dass sie ihre Ausbildung erfolgreich zu Ende bringen werden. Ein Teil von dem ganzen Prozess gewesen zu sein, macht mich und meine Mitazubis unglaublich stolz! Wir werden diese Zeit nicht so schnell vergessen, da diese Zeit zu den Highlights unserer Ausbildung zählen wird.

Bis bald,

Eure Catrin

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