Hallo zum Mittwoch, liebe Leserinnen und Leser,
damit ist die Woche leider schon wieder halb vorbei.

Gestern habe ich erzählt, dass ich im Rahmen meiner Diplomarbeit die Möglichkeit umsetzen will, ein bestimmtes Triebwerksteil zu reparieren, anstatt es komplett tauschen zu müssen.
Heute geht es darum, was es da für Vorgaben und Auflagen gibt, sowie diese bedient werden.

Doch man kann leider nicht so einfach reparieren, wie man will, denn alles muss in der Luftfahrt zugelassen sein. Das trifft für jede Arbeit, jedes Werkzeug, jedes verwendete Material, einfach alles zu, natürlich auch auf die Mitarbeiter, die die Arbeit durchführen sollen.
Daher muss so eine Reparatureinführung sehr umfangreich vorbereitet werden.

In einem luftfahrttechnischen Betrieb wie Lufthansa Technik, sind glücklicherweise die grundsätzlichen Voraussetzungen bereits gegeben. Das heißt, die Mitarbeiter sind alle entsprechend geschult und berechtigt, das vorhandene Werkzeug ist geeigent und alles Grundsätzliche ist von der europäischen Flugsicherheitsbehörde (EASA) genehmigt.

Für die Genehmigung der neuen Reparatur selbst ist jedoch der Hersteller unser Ansprepchpartner. Das ist aber nicht der Hersteller des Flugzeugs, sondern der Triebwerkshersteller. In unserem Fall ist das General Electric (GE), der größte Konzern der Welt.

Bei General Electric ist die Reparatur allerdings bekannt. Also der Hersteller selbst führt bereits eine Reparatur aus, wenn ein Schaden besteht, alle anderen Wartungsdienstleister müssen aber bisher das komplette Teil tauschen. Das wäre wie, wenn man einen Defekt im Auto hat und nur die Fachwerkstatt darf das defekte Teil reparieren. Alle freien Werkstätten müssen das defekte Teil gegen ein neues ersetzen… eigentlich eine verkehrte Welt.
Ziel ist es nun, dass auch die freie Werkstatt (Lufthansa Technik) die Arbeit der Fachwerkstatt (General Electric) durchführen darf. Denn dann wären wir, nach jetzigem Stand, die einzige freie Werkstatt, die reparieren darf und nicht tauschen muss.

Damit wir nun aber reparieren dürfen, muss ich dem Hersteller beweisen, dass wir es können. Das heißt, ich muss einen Bericht verfassen, in dem ich darstelle, wer wir sind und was wir machen.
Dazu muss ich mir im Vorfeld überlegen: Wie soll die Reparatur eigentlich ablaufen? Das heißt ich muss mir bis in das kleinste Detail überlegen, wie die Durchführung stattfindet. Dazu gehört zum Beispiel, mit welchem Werkzeug an welcher Stelle in der Werkstatt wie genau der alte Schaden großflächig entfernt wird. Dann muss weiter beschrieben werden, was für Vorbereitungen durchgeführt werden müssen, um wieder neues Material an der Stelle anzubringen, wo vorher der Schaden war. Dazu wird neues Metall angeschweißt.
Wie ich gestern geschrieben habe, soll das reparierte Bauteil so gut sein, wie ein neues. Grade beim Schweißen ist das eine Herausforderung. Es muss also das Schweißen genau vorbereitet und unzählige Male geübt werden, bevor das erste Mal ein echtes Triebwerksteil geschweißt wird. General Electric möchte übrigens die Probestücke sehen, mit denen wir das Schweißen geübt haben, um unsere Fähigkeiten einzuschätzen.

Es geht dann nicht nur darum, wie die Reparatur selbst durchgeführt wird. Nein, es muss auch im Vorfeld genau überlegt werden, wie die Qualität kontrolliert werden kann und sich keine Fehler einschleichen können. So muss zum Beispiel nach vielen Arbeitsschritten eine Röntgenkontrolle durchgeführt werden. So wird sichergestellt, dass es keine versteckten Beschädigungen oder Schweißfehler gibt.

Wenn ich diese ganzen Vorgänge genau in meinem Bericht beschrieben habe, alle Werkzeuge vorgestellt und präsentiert habe und anschließend noch den Programmcode der verwendeten computergesteuerten Maschinen angehängt habe, kann ich diese Dokumentensammlung, den sogenannten Technical Plan, endlich an General Electric schicken.

Der fertige Technical Plan

Der fertige Technical Plan

Jetzt heißt es warten, dass der Technical Plan durchgesehen wird. Wenn alles gut läuft, kommt anschließend die Erlaubnis, dass wir nun die Reparatur an einem echten Triebwerk probieren dürfen.

Morgen werde ich dann mal eine Hürde in meiner Arbeit darstellen.

Bis dahin,
Ihr/Euer Max!