Es passiert beim Bäcker, in der Apotheke, beim Arzt auf dem Weg zur Arbeit: die Lufthansa-Uniform bedeutet für die meisten Mitmenschen, dass man auf dem Sprung in die Lüfte ist. Umso enttäuschter scheint das Gegenüber, wenn man erzählt, dass man  Teil der Bodencrew ist.

Die Romantik eines Arbeitsplatzes in 10.000 Meter Höhe ist nachvollziehbar. Und die Arbeit am Flughafen assoziieren die meisten wohl mit dem Labeln von Koffern und dem Scannen von Bordkarten am Gate – beides ist nur ein winzig kleiner Teil unseres Tages. Wenn man sich unter Kollegen am Boden umhört, stellt man schnell fest, dass das Fliegen für die meisten nicht in Frage kommt. Die Mehrheit hat sich ganz bewusst für die Arbeit als Check-In-Agent entschieden – und das auch schon mal vor 30 Jahren. Man hört über den „bug“, das Flughafenfieber, das man sich entweder einfängt – oder nicht. Wenn ja, dann gibt man den Flughafen als Arbeitsplatz nicht mehr gern her.

 

Die Uniform ist Teil des Alltags - in der Luft, wie am Boden

Die Uniform ist Teil des Alltags – in der Luft, wie am Boden

Ich wurde sehr langsam von dem Flughafenfieber befallen. Die ersten Monate, über die ich schon mal hier berichtet habe, waren großartig, aber auch anstrengend. Oft habe ich mich, wie schon vor der Bewerbung bei der Lufthansa gefragt, ob ich in der Luft nicht besser aufgehoben wäre. Als die Entscheidung gefällt werden musste, gewann der Flughafen durch die fast stündliche Abwechslung. Eine Freundin und ehemalige Kollegin erzählte damals, wie viel schneller man Stress loslassen kann, wenn man weiß, dass nach einem schwierigen Passagier oder Gate immer ein neuer Passagier und ein angenehmeres Gate kommt. Eine gute Lektion – auch fürs Leben.

Neben der Abwechslung mochte ich auch die Bewegung, die mit dem Job am Flughafen einhergeht – ich war noch nie der Schreibtisch-Typ und die Meter, die man am Flughafen macht, kamen mir sehr gelegen. Und dann wäre da noch die Verantwortung: Ob der Flieger pünktlich rausgeht und der Passagier gut an sein Ziel kommt, hängt auch von uns am Check-in und Gate ab. Man ist nicht allein damit, aber ein gutes Gefühl ist es trotzdem, wenn man seinen Job gut gemacht hat – und die Belohnung kommt stündlich, mit jedem neuen pünktlichen Flieger und im Grunde jedem Passagier, dem geholfen werden konnte. Es geht bei unserer Arbeit vor allem um Koordination, Überblick und Flexibilität: Man muss stets die Abläufe und Zeit im Auge behalten, alle wichtigen Details beachten und verarbeiten und immer darauf gefasst bleiben, dass sich jederzeit alles ändern kann.

 

Zu Besuch an Board des A380

Zu Besuch an Board des A380

Die Kabinencrew an Bord ist natürlich nah am Passagier dran im spannendsten und aufregendsten Teil seiner Reise. Während er zum Flughafen hechtet, mit nervig schwerem Gepäck und Zeitdruck, ist ihm nur eines wichtig: pünktlich und möglichst schnell ins Flugzeug kommen und abheben – erst dann hat er Augen für andere Sachen. Und so ist es verständlich, dass die meisten Passagiere genau wissen, was ein Flugbegleiter bei seiner Arbeit macht, aber nur die wenigsten sich etwas unter der Arbeit als Bodenpersonal vorstellen können.

Was die Uniform angeht: wir tragen am Boden (fast) die gleiche Uniform wie die Kabinencrew, weil es zwei Seiten der gleichen Medaille sind. Der kleine und feine Unterschied liegt übrigens lediglich in den goldenen Streifen auf den Ärmeln des Jackets. Daran erkennt man zuverlässig, welche Kollegen in der Luft sind und wer am Boden. Auch tut man gut daran, die goldenen Streifen zu zählen: dann weiß man, wer an Bord in welcher Funktion arbeitet.

Das alles kann ich dem Bäcker/Apotheker/Arzt natürlich nicht erzählen und so bleibt immer die Frage zurück: „Wie, Sie fliegen gar nicht?..“, während ich mit meinem Flughafenfieber zum nächsten Gate eile.

 

(Natur-)Schauspiel am Arbeitsplatz

(Natur-)Schauspiel am Arbeitsplatz

 

 

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