Hallo meine Lieben,
ich würde mich gerne kurz vorstellen, bevor ich euch mitnehme, in meinen „Alltagswahnsinn“.
Mein Name ist Yvonne, ich bin 30 Jahre alt und seit Februar 2017 als Service Agent Check-in bei Lufthansain München. Nach
meinem Abitur habe ich Geschichte studiert und habe an der Uni einige Sprachen gelernt – und nun habe ich meinen Traumjob gefunden.

Neben meinem Job habe ich zuhause meine drei Kinder im Alter von aktuell acht, sechs und drei Jahren. Diese wundervollen kleinen Chaoten machen mein Leben zum Abenteuer. Der Schichtdienst an sich ist kein Novum in unserer Familie und somit war meine Entscheidung Ende 2016 schnell getroffen. Allein schon deshalb, weil mich bereits mit 18 das Flughafenfieber erwischt hat. Damals habe ich neben dem Abitur dort gearbeitet. Ich fühle mich oft, als hätte ich die Seiten gewechselt, wenn ich die Augen der Freunde meiner Kinder sehe, immer dann, wenn ich in Uniform zum Abholen komme. Die Magie der Lufthansa Uniform hält noch immer an.

An meinem Arbeitsplatz werde ich oft mit ungläubigen Blicken bedacht, wenn ich dann in einem Nebensatz fallenlasse, dass mein Haushalt von drei Kindern bereichert wird. Oft kommen dann Fragen, warum ich das mache, bzw. mir antue. Genau das, würde ich gerne erklären.
Ja, ich arbeite im Schichtdienst und ich mache es richtig gerne.

Sonnenaufgang Flughafen München

Sonnenaufgang Flughafen München

Mein Mann und ich gehen Monat für Monat unsere Termine und die der Kinder durch, um Überschneidungen zu finden, und Lösungen zu erarbeiten. In unserer Abteilung gibt es verschiedene Familienmodelle, doch für uns passt das ganz normale Jahresmodell am besten. Daher arbeite ich alle Schichten, im Frühdienst habe ich nachmittags viel Zeit für meine Kinder und im Spätdienst gehören die Vormittage mir und dem Haushalt. Abgesehen davon haben wir einige nette Kollegen, die sich um unsere Dienstpläne kümmern, die geben alles, um uns zu helfen.
Die Stressresistenz, die ich in meinem Alltag mit den Kindern entwickelt habe, hilft mir im Beruf nun ungemein, auch in kritischen Situationen Ruhe zu bewahren. Jeder Mensch an unserem Flughafen kommt mit seiner ganz eigenen Geschichte zu uns. Wenn dann etwas nicht so läuft, wie es soll, ein Flug annulliert wird, verspätet ist oder einfach nur die Boardkarte verschwunden ist, benötigt man viel Feingefühl und Ruhe. Für die Trauzeugin, die Angst hat, zu Spät zur Trauung zu kommen, oder die Oma aus Frankreich, die sich völlig verloren fühlt und kein Deutsch spricht.

Wo wir gerade bei den Omas sind. Wir können Zuhause glücklicherweise auf die Unterstützung meiner Schwiegereltern bauen, die uns oft am Wochenende unterstützen, wenn mein Mann auch unterwegs ist.  So haben die Kinder nicht nur uns Eltern, sondern auch ein tolles Verhältnis zu Oma und Opa. Wenn wir es mal drei Wochenenden ohne Oma und Opa schaffen, bekommen wir Beschwerden, warum die Großeltern so lange weg sind.

Noch sind unsere Kinder so klein, dass mein Job bei Lufthansa mehr als spannend ist und gerade unser Nesthäkchen ist der festen Überzeugung, dass die Flugzeuge, die am Haus vorbei fliegen, alle der Mama gehören.  Ich gehe fest davon aus, dass die Kinder ab einem gewissen Alter meinen Job nur noch deswegen toll finden, weil sie unsere Familie auf der ganzen Welt besuchen können.

So nun aber zu einem typischen Tag bei mir. Ich arbeite zwar alle Schichten, aber am liebsten im Frühdienst und so klingelt um 3:15 Uhr mein Wecker. Ich schäle mich an unserer Jüngsten vorbei aus dem Bett und hüpfe in die Uniform. Da ich so lange wie möglich geschlafen habe, muss ich jetzt Gas geben und sitze um 3:30 im Auto. So früh brauche ich etwa 10 Minuten zum Flughafen. Um 3:50 Uhr habe ich eingestempelt und bin im Arbeitsraum, wo mir ein Blick auf die Einteilung verrät, welchen Schalter ich zu besetzen habe. Auf dem Weg in die Check-in-Halle werfe ich noch einen Blick in den Spiegel, ob Haare und MakeUp in Ordnung sind.

Zum Glück bekomme ich im Brioche schon einen Kaffee und bis 6:30 Uhr kümmere ich mich nun um die Belange unserer Passagiere am Schalter für alleinreisende Kinder.
Gerade in den Ferien ist hier besonders viel los und unsere Jüngsten brauchen ganz besondere Aufmerksamkeit. Auch die Eltern sind nervös und aufgeregt, wenn die Kinder allein unterwegs sind.

In der Pause ein kurzer Anruf daheim. Alle wach? Alles in Ordnung? Einmal kurz den Tag durchsprechen und ein paar Küsse durch die Leitung schicken. Nach der Pause warten ein paar Gates auf mich. Man ist in der Regel 45 Minuten pro Flug eingeteilt – die können sehr lang oder sehr kurz ausfallen. Es kommt immer darauf an, was einen alles erwartet. Das ist es, was den Job so spannend macht. Man weiß vorher nie, was einen erwartet.
Mir machen die Langstreckenflüge am meisten Spaß, da wir da im Team arbeiten. Um 11:30 ist mein Dienst zu Ende und ich fahre nach Hause.

Der Nachmittag mit Kindern

Der Nachmittag mit Kindern

Dort warten Wäsche, Herd und Saustall im Kinderzimmer auf mich. Bis ca. 14 Uhr wird die Wäsche zusammengelegt, gesaugt und das Abendessen vorbereitet. Der Nachmittag gehört dann voll und ganz den Drei und meinen Bemühungen, dass abends noch was von der Ordnung übrig ist. Sobald ich die Süßen um 20:00 Uhr im Bett habe, falle ich auch in meins. Oder ich genieße mit einem Glas Wein noch ein Stündchen meinen Garten ;-)

Bis bald,

Eure Yvonne

Feierabend

Feierabend