HAPPY NEW YEAR  everybody!

Ein Jahr voller neuer Möglichkeiten liegt vor uns :-).

Die meisten von Euch sind womöglich gerade mitten im Studium oder machen in diesem Jahr ihren Schulabschluss. Viele fragen sich vielleicht: Wie geht es danach weiter? Soll ich für ein paar Monate ins Ausland? Soll ich studieren? Was mache ich nach Abschluss meines Studiums? Soll ich mich als Flugbegleiter bewerben oder lieber erst eine Ausbildung beginnen? Mein Englisch ist so schlecht, reicht es für mein zukünftiges Berufsleben?

All diese Fragen habe auch ich mir gestellt, „damals“. Deshalb dachte ich mir, es ist vielleicht gar keine schlechte Idee Euch zu verraten, wie ICH mein berufliches Ziel verfolgt und meinen Lebenstraum verwirklicht habe, obwohl….., ja….., obwohl ich die so ziemlich wichtigste Voraussetzung nicht erfüllte….. Aber lest selbst!

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Es war einmal ein kleines elfjähriges Mädchen, dass schon immer den Traum hatte zu fliegen…..

 

Der Traum vom Fliegen

Der Traum vom Fliegen!

Für mich gab es nichts schöneres. Mit großen Augen habe ich immer die Crews verfolgt, wenn ich sie irgendwo am Flughafen gesehen habe.

Ich hatte Glück, denn meine Eltern sind jedes Jahr mit mir in den Urlaub geflogen.
Vor meinem allerersten Flug, habe ich allerdings so lange geschrien und geweint, weil der Mann von der Security meine Tasche und mein Kuscheltier durch den Scanner jagen wollte (erzählt mir jedenfalls meine Mutter immer).

Als ich dann im Teenageralter meinen Eltern sagte, dass ich unbedingt Stewardess werden wollte, konnten sie es überhaupt nicht glauben.  Sie dachten es wäre ein Hirngespinst und irgendwann würde ich schon meine Meinung ändern.
Tat ich aber nicht. Mein Berufswunsch wurde von Jahr zu Jahr größer.

Mit einer Realschulempfehlung schickten mich meine Eltern aufs Gymnasium. Ich lernte und lernte. War nie eine gute, aber auch keine schlechte Schülerin und brauchte hin und wieder auch mal eine Nachhilfestunde.
Irgendwann habe ich nach der Schule angefangen zu jobben. Erst in einem kleinen Jeansshop im Lager, später im Verkauf. Als mir das ganze mit dem Lernen zu viel wurde, wechselte ich in ein Restaurant und fing an, am Wochenende zu kellnern.
So sammelte ich meine ersten Berufserfahrungen, die mir später bei meiner Bewerbung sehr halfen, denn es waren beides Jobs, bei denen ich mit Menschen in Kontakt kam.

Ja es war wirklich anstrengend, ohne Frage. Jeden Tag nach der Schule habe ich gearbeitet und im Anschluss meine Hausaufgaben gemacht und gelernt.
Aber es hat auch Spaß gemacht, denn ich hatte ein Ziel: Ich wollte Stewardess werden und soviel wie möglich dafür tun, um meine Bewerbung so zu gestalten, dass sie mich einfach nehmen mussten! ;-)

Das Abitur rückte näher und näher und mein Englisch wurde von Jahr zu Jahr SCHLECHTER!!!!!!! Ich scherze nicht! Meine Note in der 11.Klasse war eine VIER MINUS. Ich stand kurz vor einer FÜNF (4Punkte)! Gedichte interpretieren, Summaries schreiben, das alles konnte ich gerade mal in meiner Muttersprache, aber auf Englisch????
Ich musste mich entscheiden. Und so wählte ich wohl oder übel Englisch nach der 11.Klasse ab, denn sonst hätte ich das Abitur wahrscheinlich nicht geschafft.

Eine Bewerbung als Flugbegleiterin mit einer 4- in Englisch??!! Undenkbar.
Mein Traum schien langsam aber sicher zu platzen.

Ich schaffte das Abitur nur mit „Ach und Krach“. Habe alle schriftlichen Abiturprüfungen total verhauen und musste in allen vier Prüfungsfächern ins „Mündliche“.
Ich war am Boden zerstört, aber ich habe die Zähne zusammengebissen und habe innerhalb von zwei Wochen alles wiederholt, was ich die letzten zwei Jahre in den vier Fächern gelernt habe. Es war furchtbar! Ich habe Tag und Nacht vor den Büchern gesessen und war verzweifelt. Aber irgendwann dachte ich mir, wenn ich es nicht schaffe, dann wiederhole ich ganz einfach das Schuljahr. “So what?!“.

Und mit dieser Einstellung schaffte ich es! Ja, ich schaffte es!!!! Und konnte sogar noch meine Note um 2 Punkte verbessern :-) *FREU

Nun stand ich da mit meinem Abitur in der Tasche, meinem Traum Stewardess zu werden und einer sehr, sehr schlechten Note in Englisch.
Ich wusste, ich wollte nicht studieren. Hier und da habe ich mal mit dem Gedanken gespielt, aber so wirklich konnte ich es mir nicht vorstellen weiter lernen zu müssen und Prüfungen zu schreiben. Ich war froh, dass ich diese eine, wichtige geschafft hatte.

Mein Vater wollte, dass ich eine Ausbildung zur Bankkauffrau mache.
Immerhin ein solider Beruf, aber in meinen Augen „gähnend langweilig“.
Nein! Ich wollte mir meinen Lebenstraum nicht nehmen lassen. Also überlegte ich hin und her und jobbte in der Zwischenzeit in einem Büro als Praktikantin. So schnupperte ich auch in den Job der Bürokauffrau rein und wurde einmal mehr darin bestätigt: ICH WILL FLIEGEN!

Ich dachte mir, ich erfülle alle Voraussetzungen, die eine Flugbegleiterin haben sollte.
Ich bin emphatisch, kontaktfreudig, liebe es mit Menschen zu arbeiten, bin kommunikativ und hilfsbereit. Ich habe Erfahrung in Serviceberufen, meine Körpergröße stimmte, es lag nur an meinem Englisch.

Was musste ich also tun, um mein Englisch zu verbessern? Abendschule oder einen Kurs an der Volkshochschule? Ja das wäre eine Möglichkeit. Ich dachte mir allerdings, man lernt am Besten eine neue Sprache, wenn man sich in dem Land aufhält, in dem die Sprache gesprochen wird.
Also beschloss ich kurzerhand: Ich gehe für ein Jahr ins Ausland! Amerika, England, irgendwohin, wo ich Englisch lernen kann.

Angebote gab es genügend:
Auslandspraktika
Freiwilligenarbeit
Disneyworld
Summerjobs
Farm- und Rancharbeit

Ich entschied mich allerdings für den Job als Au-Pair.
Als Au-Pair würde ich die Kinder einer Familie betreuen und auch mit Ihnen unter einem Dach wohnen. So lerne ich vielleicht sogar gemeinsam mit den Kindern. Ich sage nur Sesamstraße ;-).

Halloween mit meinen Kids in Boston, Massachusetts.

Halloween mit meinen Kids in Boston, Massachusetts.

Gesagt, getan. Ich bewarb mich als Au-Pair, ging für ein Jahr nach Boston und hatte eine grandiose Zeit. Mein Englisch war nach 12 Monaten geradezu perfekt, denn ich machte nicht den Fehler wie viele andere Au-Pairs, die sich in ihrer freien Zeit nur mit den „Kollegen und Kolleginnen“ aus ihrem eigenen Land trafen.
Ich verabredete mich stattdessen mit schwedischen, isländlischen und auch mit amerikanischen Nannys.  Und so mussten wir alle zwangsweise Englisch reden, denn sonst hätten wir uns nicht verstanden. :-)

Zwei Monate vor meiner Rückkehr bewarb ich mich bei allen Airlines, die es damals so gab: LTU, Condor, Lufthansa City Line und Lufthansa.

Die erste Rückmeldung und Einladung zum Vorstellungsgespräch kam von Lufthansa. Der Rest ist „Geschichte“ ;-).

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So fliege ich nun schon seit einigen Jahren durch die Welt und habe noch nicht einen einzigen Tag bereut.                                       Ich liebe meinen Beruf!

Ihr seht, nicht immer läuft alles nach Plan. Aber man muss Ziele haben. Und wenn es eine Sturmwarnung gibt, passt man den Kurs halt an.

Ich möchte Euch den Rat geben: Macht das, wozu Ihr Lust habt!
Wenn Ihr studieren wollt, dann studiert. Wenn Ihr erst einmal ins Ausland gehen möchtet oder wie ich vielleicht sogar sollte  :-), dann macht das!
Wenn Ihr lieber erstmal eine Ausbildung machen möchtet, weil Euch das als sicherer erscheint, dann lasst Euch nicht davon abhalten. Hört auf Euren Bauch.

Meine Erfahrung aus all den Gesprächen mit Kollegen ist: Wer einmal angefangen hat zu fliegen, hört selten wieder auf!

Nicht zuletzt kann man auch im Unternehmen Karriere machen.
Ich kenne einige Flugbegleiter, die nach ein paar Jahren eine Bodentätigkeit angenommen haben. Einige von Ihnen hatten vorher studiert oder eine Ausbildung in einem Bereich gemacht, den es auch im Konzern gab bzw. gibt.

Hier nur einige Beispiele:
Marketing
BWL
Journalismus
Hotelkauffrau
Servicekauffrau
Luftverkehrskauffrau

Erkundigt Euch! Informiert Euch! Macht das, was Euch Spaß macht und was Ihr besonders gut könnt! Einer kann gut mit Zahlen, der Andere vielleicht mehr mit Menschen.

Wichtig ist nur, dass man keine große Lücke im Lebenslauf hat. Denn selbst wenn man erstmal nur ein Praktikum macht oder nebenbei kellnert, man verliert den Anschluss nicht. Und ganz nebenbei kann man Dinge ausprobieren und lernt vielleicht einen interessanten Menschen kennen, der einen möglicherweise auf ganz neue Ideen bringt.

Ich würde mich auf jeden Fall freuen, Euch irgendwann einmal als Kollegen bei mir an Bord zu haben. Mit diesen Worten beende ich meinen heutigen Blogartikel und hoffe, ich habe Euch helfen können, die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.
Ich wünsche Euch ganz viel Erfolg und ein wunderschönes, glanzvolles und unvergessliches neues Jahr.

Eure Sonja