Hallo Ihr Lieben, ich bin es wieder Sabrina. Heute übergebe ich die Tastatur an meine Azubi-Kollegin Johanna – viel Spaß beim Lesen.

 

München, Sonntag, 11.10.2015, 4:45 Uhr. Der Wecker klingelt. Egal, geschlafen habe ich eh nicht viel – die Aufregung hat mich wach gehalten. Ich stehe auf, der fast fertig gepackte Koffer ist wie ein Signal für die bevorstehenden Herausforderungen. Duschen. Kaffee kochen. Haare föhnen. Schnell den Koffer fertig packen und los zur S-Bahn. Meine Gedanken rattern: Ist wirklich alles eingepackt? Hätte ich doch noch die andere Bluse mitnehmen sollen, als Reserve? Wäre mehr Schmuck besser gewesen? Kurz: alles was sich Frauen so denken.

Am Flughafen angekommen erst durch die Sicherheit. Kaffee holen. Warten. Am Gate treffe ich Andrea, meine Azubi-Betreuerin. Sie hat mir eine „Viel-Glück-Schokolade“ mitgebracht und meine Aufregung steigt noch ein bisschen mehr. In Düsseldorf gelandet, geht es im Taxi nach Mönchengladbach zu den nationalen Azubi-Meisterschaften.

Mittags werden dann die endgültigen Unterlagen für den Ablauf der Prüfungen verteilt. Es wird während der Begrüßungsrede schon mehrmals darauf hingewiesen, dass dieser Wettbewerb kein Teamwettbewerb ist, sondern ein Konkurrenzkampf. Die Anspannung unter den Teilnehmern steigt. Wir schauen uns um und versuchen die jeweils anderen einzuschätzen. Wer ist die Konkurrenz? Wo liegen die Stärken und Schwächen der anderen? Um 14:00 Uhr ist Treffpunkt für die Konzeptaufgabe.

Wir kommen alle in einen Raum. Unsere Teilnehmernummern liegen auf den Tischen. Ein komisches Gefühl – während des gesamten Wettbewerbs werden wir nur als „Nummern“ gesehen. Unternehmenslogos oder -farben sind nicht erlaubt. Ich suche meinen Platz. Nummer 28. Ein großer brauner Umschlag liegt auf dem Tisch. Daneben ein Kugelschreiber, ein Taschenrechner, ein Glas und eine Flasche Wasser. Die Aufregung erreicht den Höhepunkt. Ich will einfach nur anfangen! Die Regeln der Prüfungen werden noch einmal erklärt. Wir öffnen die Umschläge. Bearbeitungszeit 120 Minuten. Los geht’s!

Die Konzeptaufgabe geht um das Full-Service Restaurant „Mathilda- Mein Schnitzelrestaurant“, 14 Filialen in 12 Städten. Gäste haben sich beschwert, dass zu viele Convenience-Produkte verkauft werden. Der Convenience-Grad ist sehr hoch. Die vorgegebenen Aufgaben beinhalten eine Senkung des Convenience-Grades der Produkte. Was kann selbst gemacht werden? Welche Produkte können regional eingekauft werden? Wie muss sich das Auftreten der Restaurants verändern, um den Gästewünschen gerecht zu werden? Wie kann die Getränkekarte angepasst werden? In welchen Bereichen muss das Personal geschult werden, um das neue Konzept an die Gäste zu vermitteln? Nachdem alle (ca. 15-20) Aufgaben schriftlich gelöst sind, werden die Blätter mitsamt Aufgabenblatt in den großen braunen Umschlag zurückgesteckt. Die Umschläge werden eingesammelt. 1/5 der Prüfung ist geschafft.

 

Kurze Verschnaufpause mit Kaffee und Kuchen.

 

Nächste Prüfung: Theorie. 100 Minuten Bearbeitungszeit. Wir nehmen unsere Plätze ein, ein neuer großer brauner Umschlag mit der Nummer 28 liegt auf dem Tisch. Diese Prüfung umfasst Ausbildungsinhalte aus allen drei Jahren. Wie nennt man die kristalline Ablagerung bei Weißwein? Return on Investment? Fragen zu Tee, Bierzapfanlagen, Arbeitsrecht, Jugendschutzgesetz und noch einiges mehr an Fachrechnen wird abgefragt. Nach 98 Minuten habe ich alle Fragen beantwortet oder ein Kreuz gemacht. Die beschriebenen Blätter werden zurück in den braunen Umschlag geschoben. 2/5 geschafft.

Nachdem die beiden Prüfungen vorbei sind, fühle ich mich „Hirntot“. Die Aufregung, das frühe Aufstehen und das konzentrierte Arbeiten fordern ihren Tribut. Ich bin froh als ich nach dem gemeinsamen Abendessen endlich im Bett bin.

 

Gut habe ich geschlafen. Tag zwei kann losgehen. Um 8:15 Uhr werden die Listen ausgehängt, wer, wann, welche Prüfung absolviert. Mein Ablauf: 9:30 Uhr Überraschungsaufgabe, 11:30 Uhr Warenerkennung, 13:20 Uhr Vorbereitung für die Präsentation, direkt anschließend die Präsentation.

In der Überraschungsaufgabe wird von uns verlangt, Allergene in einer vorgegebenen Speisenkarte zu kennzeichnen. Die Schwierigkeit dabei ist, die Rezepte zu kennen und zu wissen welche Allergene in welchen Lebensmitteln vertreten sind. 3/5 geschafft.

Die Warenerkennung fällt mir am leichtesten. Süßkartoffel, Mangold, Baumwolle, Muskatkürbis, Wachteleier, Mango, Papaya, Gemüsezwiebeln, Schalotten und noch ein paar andere Sachen. Ich brauche ca. 10 Minuten.

Die größte Herausforderung für mich kommt mit dem letzten Prüfungsteil. Die Anspannung steigt mit jeder Minute. Wir werden in den Raum gerufen. Die inzwischen vertrauten großen braunen Umschläge liegen auf den Tischen. Ich setze mich zu meinem Umschlag mit der Nummer 28. Die Zeit läuft. 90 Minuten Vorbereitung für 20 Minuten Präsentation. Die Aufgaben basieren auf dem, am Tag vorher ausgearbeiteten Konzept. „Mathilda- Mein Schnitzelrestaurant“ ist mir inzwischen sehr gut vertraut. Ich arbeite eine Präsentation aus, mit der ich mein Team (in Person: die Jury) von dem neuen Konzept überzeugen werde. Schwerpunkte sind: Kreieren von 2 vegetarischen und einem veganen Schnitzelgericht. Zudem sollen wir uns alternative Sättigungsbeilagen überlegen, und immer Frische, Saisonalität und Regionalität beachten. Außerdem muss ein Marketingkonzept erarbeitet werden, wie unsere (die des Restaurants) Veränderungen an die Gäste kommuniziert werden sollen. Es werden immer aussagekräftige Argumente verlangt, ich muss alles genau belegen und ausführen. Jede Idee beschreiben. Zusätzlich muss ich eine Frage zur Personalbeschaffung beantworten, die Zubereitung und das Anrichten eines Wiener Schnitzels beschreiben. Ich versuche alles in eine logische Reihenfolge zu bringen und kämpfe gegen die Panik an: Ich habe nicht genug Zeit!!!!! In meinem Hinterkopf schwirren Gedanken wie: „das ist der wichtigste Teil des Awards, verhau das bloß nicht!“ – in dieser Situation keine besonders hilfreichen Gedanken. Ich habe 3 Overhead-Folien beschrieben und eine halbwegs ordentliche Gliederung entworfen. Bearbeitungszeit um. Nun erwartet mich die Jury. Der Moment ist da. Ich betrete den Raum, lächle und begrüße die Jury. Aufregung und Zittern sind vorbei. Showtime. Ich lege meine Gliederung auf und skizziere sie. Ich erkläre die erneuerte Speisenkarte, meine Ideen, verweise hin und wieder auf das Konzept vom Vortag. Ich erkläre meine Marketingstrategie, meinen Slogan, die Ideen dahinter und die Gründe für meine Entscheidungen. Die Zeit rennt. Ich bin mitten in den Erklärungen zur Personalbeschaffung als mir die Jury verdeutlicht, noch 2 Minuten. Nur nicht nervös werden. Nichts vergessen. Ich rede ein wenig schneller, runde die Präsentation mit einem Satz ab und bedanke mich für die Aufmerksamkeit. 5/5 geschafft!

 

Ich bin sehr erleichtert. Jetzt erstmal was essen und einen Kaffee trinken. Ich bin so erleichtert, dass alles hinter mir liegt, dass ich mich endlich auf den bevorstehenden Abend freuen kann.

Wir steigen in den Bus und fahren nach Düsseldorf ins Sausalitos. Alle reden aufgeregt und hoffnungsvoll. Wer hat wo was genau geschrieben? Wer hatte bessere Ideen als die anderen? Was hat man selber im Vergleich zu anderen geschrieben/gesagt? Am nächsten Morgen müssen wir sehr früh aufstehen, Koffer packen und frühstücken. Abfahrt 7:00 Uhr zur ANUGA in Köln. Um 9:00 Uhr kommen wir dort an. Generalprobe findet statt und die allgemeine Anspannung steigt. Wir haben ein wenig Zeit, uns die Messe anzuschauen und uns ein wenig abzulenken. Um 11:00 Uhr beginnt die Veranstaltung. Es gibt Reden, Geschäftsberichte, gegenseitige Lob- und Danksagungen. Wir, 41 Azubis, sitzen wie auf heißen Kohlen, während ein Redner nach dem anderen seine Vortragszeit überzieht.

Endlich ist es so weit. Wir laufen auf die Bühne, wie vorher geübt. Jeder bekommt eine DEHOGA- Medaille. Wir stellen uns auf. Es wird nochmal auf die Schwierigkeit des Wettkampfes hingewiesen und dann geht’s los. Der zehnte Platz wird ausgerufen – vielleicht werde ich ja noch neunter. Der neunte Platz bin ich auch nicht. Nummer acht auch nicht. Schade. Ich habe die Hoffnung aufgegeben. Die Konkurrenz war wohl doch zu stark. Siebter Platz. Sechster. Simone ist sechste geworden. Ich gratuliere ihr. Wir stehen direkt nebeneinander. Dann höre ich meinen Namen! Fünfter Platz!! Wie kann das sein??? Ich hatte doch schon alle Hoffnung aufgegeben. Ich grinse über das ganze Gesicht und muss auch ein wenig mit den Tränen kämpfen – wer sagt denn, nur Sieger dürfen vor Freude weinen? Ich bekomme nicht mit, was ich alles gewonnen habe. Mir werden Taschen und Tüten in die Hand gedrückt, ein Foto wird gemacht und dann ist mein Moment auch schon wieder vorbei. Platz vier, drei, zwei und eins. Ich klatsche für jeden noch begeisteter und freue mich für alle, die eine Platzierung erreicht haben.

20151013_134921

Ich bin absolut zufrieden mit meinem Ergebnis und werde wahrscheinlich noch ein paar Tage länger wie eine Grinsekatze herumlaufen.– Meine Preise habe ich mir dann später auch angeschaut, aber nicht nur dafür lohnt es sich, unter den Top 10 der deutschen Fachfrauen und -männer für Systemgastronomie zu sein!

20151013_134321

 

 

Kommentar hinzufügen

Keine Kommentare

Abonnieren Sie den Be Lufthansa Karriere-Blog und verpassen Sie so nie die neuesten Artikel.

E-Mail-Adresse: